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Wetter in Deutschland
Drei Tote durch Sturm "Herwart" - Bahnverkehr stockt weiter

Sturm Herwart: Drei Tote und schwere Schäden
Offenbach/Wolgast. Tote, Verletzte und erhebliche Schäden hat das Sturmtief "Herwart" am Wochenende in Deutschland und Europa hinterlassen. Am Montag lässt der Wind nach. Der Fernverkehr in NRW ist weitestgehend wieder aufgenommen worden, teilte die Bahn mit.

Der Herbststurm "Herwart" hat einen dritten Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Ein 56-jähriger Mann aus Sachsen sei in der Nacht zum Montag im Krankenhaus verstorben, sagte ein Polizeisprecher am frühen Montagmorgen. Der Mann war gemeinsam mit einer 48-jährigen Frau und einem 48-jährigen Mann auf dem Peenestrom in Mecklenburg-Vorpommern gekentert. Die Frau starb bereits am Abend im Krankenhaus. Der 48-jährige Mann wurde auch am Montagmorgen noch vermisst. Die Suche nach ihm soll im Verlauf des Tages weitergehen.

Zuvor war an der Nordsee ein 63-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen am Ufer des Jadebusens von der Sturmflut überrascht worden und ist ertrunken. Zu dem Todesfall erklärte die Polizei, der Mann aus dem Sauerland habe mit seinem Bruder auf einem Campingplatz in einem Bulli übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuß in Sicherheit bringen wollen. Doch das Wasser kam zu schnell. 

Fernverkehr in NRW wieder aufgenommen

Der 59 Jahre alte Bruder konnte sich noch an einem Mast festhalten. Er wurde am frühen Morgen von einer DLRG-Schlauchbootbesatzung gerettet und unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht. Der 63-Jährige wurde wenig später tot geborgen. 

Vor allem in Nord- und Ostdeutschland entwurzelte "Herwart" zahlreiche Bäume. Viele Straßen wurden deshalb gesperrt. Meteorologen warnten vor dem Betreten der Wälder, die Zoos in Berlin und Rostock blieben geschlossen. Die Deutsche Bahn stoppte am Sonntag in sieben Bundesländern ihren Fernverkehr.

Umgestürzte Bäume und Überflutungen durch Sturm "Herwart" FOTO: dpa

In NRW hielten sich die Sturmschäden in Grenzen. In vielen Städten war die Feuerwehr wegen umgestürzter Bäume oder Schilder im Einsatz. In Münster wurde eine 29-jährige Frau von einem Dachziegel getroffen und leicht verletzt. Auch in Kevelaer und Weeze hatte die Feuerwehr eine Menge zu tun.

Wie die Bahn mitteilte, sei der Fernverkehr in NRW jedoch weitestgehend wieder aufgenommen worden. Lediglich zwischen Wolfsburg und Hannover gebe es zur Zeit noch Engpässe, was auch den Fernverkehr aus NRW in diese Richtung betreffen kann. Diese sollen im Laufe des Tages behoben werden. 

Einschränkungen weiterhin möglich

Auf der wichtigen Strecke zwischen Hannover und Berlin sind seit Montagmorgen erste Fernzüge wieder unterwegs, ebenso auf den Routen Hannover-Magdeburg, Berlin und Dresden sowie Münster und Norddeich, teilte die Bahn mit. Auch zwischen Hamburg und Berlin sollen nach Bahnangaben ab Montag, 14 Uhr, wieder erste Fernverkehrszüge fahren.

Wegen des Umfangs der Schäden könne es allerdings auf diesen Strecken weiter zu Einschränkungen und auch Zugausfällen kommen. Kunden sollten sich vor Reisebeginn über die aktuelle Lage auf der Webseite der Bahn informieren.

Dagegen wird auch am Montag auf den Strecken Hamburg-Westerland, Hamburg-Kiel, Hamburg-Lübeck-Puttgarden, Hamburg-Rostock-Stralsund sowie Berlin-Stralsund kein Fernverkehr möglich sein.

Umgestürzte Baugerüste und Hagel

In Berlin wurde ein Fußgänger von einem umkippenden Baugerüst schwer verletzt. In Sachsen-Anhalt und Bayern verletzten sich Autofahrerinnen, die mit ihren Wagen gegen umgestürzte Bäume prallten.

In Nordfriesland überschlug sich ein Autofahrer beim Ausweichen vor Ästen und verletzte sich. Auf der A20 in Mecklenburg-Vorpommern rutschten Autos auf einer fünf Zentimeter dicken Hageldecke aus. Dabei verletzten sich zwei Menschen.

Wegen starker Windböen in Frankfurt musste am Sonntag ein Airbus A380 der Lufthansa außerplanmäßig in Stuttgart landen. Nachdem die aus Houston (USA) kommende Maschine wetterbedingt einige Zeit über dem Flughafen Frankfurt gekreist war, entschied sich der Kapitän zur Sicherheitslandung, auch weil Treibstoff knapp wurde. Auch an anderen Flughäfen in Deutschland und Österreich kam es zu sturmbedingten Umleitungen und Flugstreichungen.

Anfang der Woche wird es kalt

Der Wind erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 176 Kilometern pro Stunde am Fichtelberg und 144 Kilometern pro Stunde auf Fehmarn. In Mecklenburg-Vorpommern brachte "Herwart" wesentlich stärkere Orkanböen als sein Vorgänger "Xavier" Anfang Oktober, beispielsweise 140,8 Stundenkilometer über Hiddensee-Dornbusch, wie der Meteorologe Uwe Ulbrich vom Wetterstudio Hiddensee sagte.

Der Wind wird sich in Deutschland zu Wochenbeginn wieder abschwächen, zugleich fallen die Temperaturen. In der Nacht zum Montag sollte es bis auf 600 Meter hinunter schneien, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag in Offenbach mitteilte. Am Montag bleibt es überwiegend trocken. Auch im Rheinland wird es bei rund 10 Grad kühler.

Tote in Polen und Tschechien

Auch in anderen Teilen von Europa war es stürmisch. In Polen starb ein Mann in der Woiwodschaft Westpommern bei einem sturmbedingten Autounfall, wie örtliche Behörden angaben. In Tschechien wurde eine Frau bei einem Waldspaziergang bei Trebic von einem Baum erschlagen. Ein Mann starb, als er in der böhmischen Kleinstadt Jicin von einem Baum getroffen wurde, wie die Agentur CTK berichtete.

Hunderttausende Haushalte waren in ganz Tschechien ohne Strom, weil Freileitungen beschädigt wurden. In der Slowakei rieten die Behörden vor dem Feiertag Allerheiligen von Besuchen an den Gräbern von Angehörigen ab. In Bratislava blieben Friedhöfe aus Sicherheitsgründen geschlossen.

(sbl/das/ate/dpa/AFP)
 
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