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3000 Unwetterwarnungen
Droht uns ein Tornado-Sommer?

Ein Tornado wirbelt in Hamburg
Ein Tornado wirbelt in Hamburg FOTO: dpa, bra htf
Hamburg. 3000 Unwetterwarnungen hat der Deutsche Wetterdienst in den vergangenen zwei Wochen herausgegeben. In Hamburg zog ein Tornado durch die Stadt. In Deutschland verursachen rund zehn Windhosen pro Jahr heftige Schäden. Von Lena Köhnlein

Ausgerissene Bäume, zerstörte Häuser, kaputte Autos - die Bilanz eines Sturms, der am Dienstag durch den Hamburger Norden gezogen ist und binnen weniger Minuten eine Schneise der Verwüstung angerichtet hat. Es war ein Tornado - und nicht der erste in den vergangenen Tagen. Auch in Schleswig-Holstein und Hessen wüteten die Windhosen.

Warum gibt es derzeit so viele Tornados in Deutschland? Das liegt an der extremen Unwetterlage der vergangenen 14 Tage, sagt Andreas Friedrich, Tornadoexperte des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Während der extremen Gewitterserie hat der Deutsche Wetterdienst 3000 Unwetterwarnungen herausgegeben. "Ausmaß und Andauer des Unwettergeschehens sind absolut außergewöhnlich", schreiben DWD-Experten in einem Zwischenbericht. "Durch die vielen Unwetter ist auch ein erhöhtes Potenzial für Tornados da", sagt Friedrich. In der unwetterträchtigen Wetterlage, die am 26. Mai begann, habe es mindestens drei Tornados in Deutschland gegeben. Bestätigt seien sie im mittelhessischen Butzbach und zwei in Schleswig-Holstein. Experten gehen davon aus, dass auch in Hamburg ein Tornado wütete.

Nimmt die Zahl der Tornados zu? "Wir haben Untersuchungen vorliegen, die besagen, dass die Tornados weltweit noch nicht durch die Klimaerwärmung zugenommen haben", sagt der DWD-Experte. Die Naturphänomene gäbe es schon immer, heutzutage würden jedoch mehr erkannt und dokumentiert - etwa durch Handy-Kameras. Nach DWD-Schätzungen gibt es pro Jahr in Deutschland einige Dutzend Tornados, etwa zehn richten gravierende Schäden an. Aber: "Einen Tornado- oder Unwetter-Sommer vorherzusagen, ist nicht möglich."

Wie entsteht ein Tornado? Die Windhosen entstehen bei großen Temperaturunterschieden, etwa wenn sich große Gewitterwolken über einer Schicht aufgeheizter Luft bilden. Hinzu kommen starke Winde, die mit der Höhe ihre Richtung ändern. Die Kaltluft stürzt von oben herab, eine Warmluft-Säule schraubt sich immer schneller nach oben. Der Unterdruck im Zentrum des Tornados erzeugt einen Sog und reißt alles in die Höhe. Dieser Luftschlauch kann einen Durchmesser von mehr als einem Kilometer und Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde erreichen.

Wodurch unterscheidet er sich von anderen Wetterphänomenen? Ein Tornado ist klar definiert: Er ist laut DWD eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine senkrechte Achse rotiert. Um einen Tornado handelt es sich nur, wenn die Säule wirklich den Boden erreicht. Ansonsten sprechen Experten lediglich von Vorstufen. Sie ragen aus der Wolke, reichen aber nicht bis ganz nach unten, erklärt Friedrich.

Häufig würden Tornados auch mit sogenannten Fallböen verwechselt. Diese entstehen durch die kalte Luft - etwa durch Regen und Hagel - die bei einem Gewitter zu Boden strömt und sich ausbreitet. Diese Fallböen können bis zu 200 Stundenkilometer erreichen. Sie treten häufiger auf als Tornados. "In 90 Prozent der Fälle handelt es sich um Gewitterfallböen", sagt Friedrich.

Wie gefährlich ist ein Tornado? Tornados sind besonders tückisch, weil sie unberechenbar sind, sich innerhalb weniger Minuten wieder auflösen und eine konkrete Warnung erst Minuten vorher möglich ist, wenn sich der charakteristische Wolkenrüssel schon gebildet hat und auch gesehen wird. Die Folgen der Wirbel sind verheerend. Im März 2006 kamen etwa zwei Kranführer auf einer Baustelle bei einem Tornado in Hamburg-Harburg ums Leben.

Wie sollte man sich im Fall eines Tornados verhalten? Am besten in den Keller eines Hauses oder einen Raum ohne Fenster im Erdgeschoss gehen. Autofahrer sollten nicht im Auto Schutz suchen oder das Naturspektakel im Auto sitzend beobachten, sondern schnell wegfahren, sagt Friedrich.

Besteht für die kommenden Tage noch Grund zur Sorge? Eher nicht, sagt der Experte. In den nächsten Tagen wird es kühler, dadurch ist das Risiko geringer.

Quelle: RP
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