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Dunkelhäutige Kinder auf der Packung
Kinderschokolade löst Schnappatmung bei Pegida-Fans aus

Bilder: So sahen die DFB-Stars als Kind aus
Bilder: So sahen die DFB-Stars als Kind aus FOTO: RP ONLINE
Düsseldorf. Wie kommt das Bild eines dunkelhäutigen Kindes auf die Verpackung von Kinderschokolade? Das fragen sich die Anhänger der Facebook-Seite "Pegida BW". Was sie offenbar nicht erkennen: Bei den Kindern handelt es sich um aktuelle Fußball-Nationalspieler.

"Vor Nichts wird Halt gemacht. Gibt's die echt so zu kaufen? Oder ist das ein Scherz?" heißt es in einem ein Facebook-Post der Seite "Pegida BW – Bodensee", die aktuell knapp 14.000 Fans hat. Anlass der Aufregung: zwei Packungen Kinderschokolade. Darauf zu sehen: Zwei Kinder, die – anders als auf der Standard-Verpackung – eine dunklere Hautfarbe haben.

Der originale Post auf der Seite von "Pegida BW" wurde zwar gelöscht, wird haben aber einen Screenshot gesichert. FOTO: Screenshot / Facebook / Pegida BW

In den Kommentaren echauffieren sich die Anhänger der Seite. "Die versuchen einem echt die Scheiße als normal unterzujubeln, armes Deutschland", heißt es da etwa, oder auch: "Wird nicht mehr gekauft sollte das so sein." Offenbar ist es für die Pegida-Fans ein großes Problem, dass Kinder anderer Hautfarbe auf der Schokoladenverpackung auftauchen. "Es geht um subtile Veränderungen, die nicht hinterfragt werden dürfen im Zeitalter der Political Correctness", erklärt die Seite selbst in einem Kommentar die Aufregung.

Gündogan, Boateng & Co. zieren Schokoladenpackung

Dumm nur, dass keiner zu merken scheint (oder keiner merken will), dass es sich bei diesen Kinderschokoladen-Packungen um eine Sonderedition zur Fußball-Europameisterschaft handelt – und dass die Kinder, die zu sehen sind, die Nationalspieler Ilkay Gündogan und Jerome Boateng sind. Genau dieser Teil der Verpackung ist auf dem Foto abgeschnitten. "Unsere Fußball-Stars als Kinder! Na, erkannt?", steht darauf ganz links.

So sahen die Stars als Kinder aus FOTO: Facebook/Daniela Katzenberger

Auch auf unserer Facebook-Seite reagieren die Nutzer heftig auf die Kinderschokoladen-Motive zur EM 2016: Sie geben den Pegida-Anhängern heftig Kontra: "Und selbst wenn es keine Nationalspieler sind, Kind ist Kind, ob braun oder weiß", schreibt eine Nutzerin. Und ein anderer Nutzer kommentiert: "Ich habe volles Verständnis für Menschen, die mit der chaotischen Flüchtlingspolitik nicht zufrieden sind; aber das geht zu weit, liebe Pegida Anhänger und zeigt, welch Geistes Kind ihr seid."

Ferrero stellt sich gegen Diskriminierung

Kinderschokolade-Hersteller Ferrero selbst findet die offene Hetze gegen Menschen mit anderer Hautfarbe ebenfalls gar nicht lustig. "Ferrero ist strikt gegen jegliche Form von Diskriminierung oder Fremdenfeindlichkeit. Auch distanziert sich Ferrero ausdrücklich von den seitens Pegida getroffenen Äußerungen sowie der darin zum Ausdruck kommenden politischen Gesinnung", erklärte ein Sprecher von Ferrero.

Die EM-Kinderschokolade gibt es übrigens mit allerlei Gesichtern: von Ilkay Gündogan und Jerome Boateng bis hin zu Lukas Podolski und Mario Götze. Hier finden Sie weitere Motive in einer großen Bilderstrecke.

Fußball-Magazin "11 Freunde" postet Foto

Auch das Fußball-Magazin "11 Freunde" hat sich am Mittwochvormittag in die Diskussion eingemischt und eine Fotomontage einer eigenen Kinderschokoladen-Packung gepostet - mit dem Stinkefinger von Stefan Effenberg aus dem Jahr 1994.

Schon 2005 gab es große Aufregung um die Kinderschokolade. Damals veränderte Ferrero nach über 30 Jahren das Gesicht des Jungen, der die Käufer von der Verpackung anlächelt. Damals protestierten die Nutzer mit der Kampagne "Weg mit Kevin" gegen das neue Aussehen. 2007 öffnete das Unternehmen das Verpackungsdesign dann sogar noch für weitere Gesichter, dann durften auch Mädchen auf die Schokolade.

Hier finden Sie weitere Infos zur Fußball-Europameisterschaft 2016.

Die EM-Stars im Porträt FOTO: dpa, ap / Kombo rpo
(hebu)
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Dunkelhäutige Kinder auf Kinderschokolade zur EM 2016: Pegida-Fans empört


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