Polizei zieht Konsequenzen bei Informationspolitik: Echtheit der Amokdrohung weiter unklar
zuletzt aktualisiert: 13.03.2009 - 18:47Winnenden (RPO). Zwei Tage nach dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen ist weiter unklar, ob der 17 Jahre alte Täter sein Vorhaben im Internet angekündigt hat. Die Ermittler rechneten am späten Nachmittag nicht mehr mit Ergebnissen am Freitag. Es werde "keine Einzelmeldungen" zum Zwischenstand der Ermittlungen mehr geben, sagte ein Polizeisprecher mit Blick auf eine zuvor entbrannte Debatte um die Informationspolitik in dem Fall.
Zunächst hatten die Beamten damit gerechnet, dass sie noch am Freitag aufklären können, ob die angebliche Amokdrohung aus dem Internet tatsächlich von dem Täter Tim K. stammt oder es sich um eine Fälschung handelt. Die Fahnder wollten erneut die beiden Jugendlichen befragen, die die Ankündigung des Amokschützen im Internet gelesen haben wollen. Der Polizeisprecher wollte sich zu Zeitpunkt und Ergebnissen dieser Befragungen aber nicht äußern.
Rechtshilfeersuchen an die USA
Zudem haben die Ermittler den Angaben zufolge ein Rechtshilfeersuchen in die USA geschickt, um von dem Server, über den der Chat stattgefunden haben soll, Daten zu erhalten. Mit diesen wollen die Ermittler die Echtheit der Amokdrohung überprüfen. Zudem wollten die Fahnder nach weiteren Computern im Umfeld des Täters suchen, an denen Tim K. die Drohung verfasst haben könnte. Auf dem eigenen Computer des Täters hatte er die Ankündigung nach bisherigen Erkenntnissen nicht geschrieben.
Kritik an Innenminister Rech
Unterdessen musste sich Innenminister Heribert Rech (CDU) wegen seiner Öffentlichkeitsarbeit zu dem Fall gegen Kritik verteidigen. SPD-Landtags-Fraktionschef Claus Schmiedel bezeichnete es als "peinlich", dass Rech die Amokdrohung zunächst als echt bezeichnet hatte, die Ermittler danach aber wieder Zweifel geäußert hätten. "Genauigkeit muss vor Schnelligkeit gehen", betonte Schmiedel.
Rech betonte, als er am Donnerstag eine Amoklaufdrohung des Täters im Internet bekanntgegeben habe, habe dies dem "aktuellen Stand der Ermittlungen" entsprochen. Zweifel an der Echtheit des Internet-Eintrags seien erst durch Hinweise Dritter im weiteren Verlauf der Ermittlungen aufgekommen. Es sei richtig gewesen, die Öffentlichkeit über diesen Umstand zu informieren. "Da der mögliche Internet-Chat schon vor der Pressekonferenz zahlreichen Medien bekannt war, hatten wir die Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit, über diesen Ermittlungsstand zu berichten."
Die Polizei wehrte sich ihrerseits gegen die Vorwürfe angeblicher Ermittlungspannen. Die Untersuchungen zu den Hintergründen der Tat seien ein "dynamischer Prozess", sagte eine Sprecherin. Bei solchen Vorkommnissen überschlügen sich die Ereignisse "von Minute zu Minute". Dabei könne es auch vorkommen, dass Ergebnisse vor Bekanntgabe nicht "minutiös" überprüft werden könnten und sich im Nachhinein noch änderten. Aufgrund der Debatte kündigte die Polizei am Freitag eine zurückhaltendere Pressearbeit an.
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