Bei "Stars in der Manege" begeistern Promis: Edmund Stoibers wackelnder Unterkiefer
zuletzt aktualisiert: 07.12.2003 - 17:21München (rpo). Ein Mann sperrt den Mund weit auf und wackelt mit dem Unterkiefer: Edmund Stoiber. Bühne frei für die Auftritte des CSU-Chef und weitere Stars bei der Benefiz-Gala "Stars in der Manege".
Nichts ist zu hören, dann schrille Krächzer einer Fistelstimme. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude scheint den bayerischen Ministerpräsidenten auslachen zu wollen. Doch als er selbst den Mund aufmacht, ertönt nur ein dumpfes Brummen. Im Ton haben sich die beiden Politiker nicht vergriffen, denn der kommt vom Bauchredner Willer Nicolodi in der Mitte. Der Italiener schnappte sich Stoiber und Ude für einen witzigen Überraschungsauftritt bei der Benefiz-Gala "Stars in der Manege" am Samstagabend in München.
Die anderen Prominenten, die an dem mehr als dreistündigen Programm im Circus Krone mitwirkten, durften sich vorbereiten auf Comedy-Nummern, Tierdressuren oder Akrobatik. Das kühnste Stück wagte der Alpenrocker Hubert von Goisern: Hochkonzentriert stieg er in das Teufelsrad des Profi-Akrobaten Freddy Nock und drehte wie in einem riesigen Propeller Runden durch die Zirkuskuppel. Mit verbundenen Augen oder kopfüber wirbelte der Musiker herum. Und in luftiger Höhe klingelte noch dazu sein Handy. Entspannt wirkte Hubert von Goisern erst, als er aus dem wackligen Rad wieder ausstieg. "Das war bisher der gruseligste Auftritt in meiner Karriere", verriet er. Schon zwei Wochen vorher habe er Alpträume gehabt.
Einen Kindheitstraum erfüllte sich dagegen ZDF-Moderatorin Marietta Slomka, die als Illusionskünstlerin begeisterte. Die Entscheidung für die Nummer sei ihr leicht gefallen: "Ich kann nicht tanzen, ich kann nicht singen, und ich habe Höhenangst. Also machen wir Zauberei." Sonst fürs Aufdecken zuständig, verschleierte die "heute journal"-Frontfrau hinter Tüchern und Nebelschwaden ihre Tricks. Gemeinsam mit den "Magic Orvellis" zauberte sich Slomka in eine verschlossene Kiste, ließ sich dort mit brennenden Fackeln durchbohren und verschwand schließlich ganz von der Bildfläche.
94-jähriger Profi-Star
Die Fußballweltmeisterinnen Nia Künzer, Birgit Prinz und Silke Rottendorf stellten gewohnt erfolgreich eine neue Teamsportart vor: Seelöwen-Fußball. Schauspielerin Katerina Jacob, die sonst mit dem "Bullen von Tölz" auftritt, leitete eine vorwitzige Hundeschule. Viele vergebliche Kommandos gab ZDF-Kommissarin "Bella Block" alias Hannelore Hoger, denn Kamele und Lamas ignorierten häufig die Rufe "auf, auf" oder "Pirouette".
DJ Ötzi kehrte in seinen früheren Job als Kellner zurück und sorgte mit missglückten Servierversuchen für viele Lacher. Der blonde Stimmungsmacher schmiss Spaghetti ins Publikum, knallte mit dem Gesicht in eine Torte und herzte mit dem weißen Schaum auf den Wangen einen überraschten Fotografen. Weniger gut kam die komische Illusionsnummer von Verona Feldbusch an, bei der sie lächelnd Otto Wessely assistierte. Mit einer schlichten, aber lustigen Nummer trat Ex-"Superstar"-Kandidat Daniel Küblböck im voll besetzten Krone-Zelt auf. Der schräge Teenager ließ vier mit Stangen an ihm befestigte Daniel-Puppen tanzen. Hinterher standen Dutzende kleiner Mädchen Schlange für ein Autogramm.
Formel-1-Pilot Kimi Räikkönen brauste mit dem Motorrad zu seiner komischen Messerwerfer-Nummer, die er am Nachmittag nur eine Stunde lang geübt hatte. Zu den Stars hätte sich eigentlich noch Géraldine Chaplin gesellen sollen, aber die Schauspielerin hatte aus Termingründen in letzter Minute abgesagt.
Nervenkitzel und vierfache Salti
Begleitet wurde das Promi-Programm von sensationellen Auftritten professioneller Künstler, darunter die "Flying Girls" aus Nordkorea, die mit drei- und vierfachen Salti von Trapez zu Trapez zu flogen. Für Nervenkitzel sorgte der Brite Alex Lacey, der mit seiner Löwen- und Tiger-Dressur beim Zirkusfestival in Monte Carlo zuletzt den Silbernen Clown geholt hatte.
Star unter den Profis war Konrad Thurano, dessen Umschwünge und Klimmzüge an einem Besenstiel eigentlich ganz simpel wirkten. Aber: Der Mann ist 94 Jahre alt. Wie Moderator Frank Elstner meinte, ist Thurano vermutlich der älteste Artist der Welt.
Die Gala der Münchner "Abendzeitung" und des "Bayerischen Rundfunks" fand zum 41. Mal in München statt. Wie üblich verzichteten alle Promis auf eine Gage. Zirkuschefin Christel Sembach-Krone stellte Zelt und Mitarbeiter kostenlos zur Verfügung. Mit dem Erlös werden arme Kinder in München unterstützt sowie die Werner-Friedmann-Stiftung für Not leidende Künstler und Journalisten. Die Aufzeichnung ist am 26. Dezember um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen.
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