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Zwei Tote im Landshuter Landgericht: Ein Erbstreit löste Schießerei aus

zuletzt aktualisiert: 07.04.2009 - 15:40

Landshut (RPO). Bei einer Schießerei im Landsgericht Landshut hat ein 60-jähriger Mann eine Frau und danach sich selbst getötet. Eine weitere Frau und ein Mann wurden schwer verletzt, schwebten aber nicht in Lebensgefahr, teilte ein Polizeisprecher mit. Das Motiv für die Schießerei war nach Erkenntnissen der Ermittler ein Erbstreit.

Dies teilte Generalstaatsanwalt Christoph Strötz am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Landshut mit. Der 60-jährige Täter habe in einer Verhandlungspause seine 48 Jahre alte Schwägerin erschossen und anschließend sich selbst gerichtet.

Die Schießerei ereignete sich laut Polizeisprecher Leonard Mayer gegen 10.15 Uhr in einer Verhandlungspause. Es sei auf dem Flur vor dem Verhandlungssaal wohl zu einem Streit gekommen, sagte der Polizeisprecher. Der Täter habe schließlich eine Waffe gezogen und mit einem Schuss die Frau so schwer verletzt, dass sie noch im Gerichtsgebäude verstorben sei. Nach den Schüssen auf zwei weitere Menschen ging der Mann den Angaben zufolge in einen Nebenraum, wo er sich selbst das Leben nahm.

Bayerische Justizministerin fordert Sicherheitsschleusen

Als Konsequenz aus der Schießerei mit zwei Toten und zwei Verletzten am Landgericht Landshut hat die bayerische Justizministerin Beate Merk schärfere Sicherheitsmaßnahmen an Gerichten angekündigt. "In Zeiten zunehmender Gewalt in unserer Gesellschaft müssen wir die Konsequenzen ziehen. Hierzu gehört ein verstärkter Einsatz von Sicherheitsschleusen an den Gerichtseingängen", erklärte Merk am Dienstag in München.

Man könne aber aus Gerichtsgebäuden keine Hochsicherheitstrakte machen. "Die Gerichte sind ein öffentlicher Ort, an dem Verfahrensbeteiligte und Besucher ein- und ausgehen", sagte die CSU-Politikerin.

Richterbund: "Nicht überreagieren"

Der Deutsche Richterbund forderte, Einlasskontrollen müssten den örtlichen Gegebenheiten angepasst sein. "Gerichte sind Dienstleister, die für die Bürger offen sein müssen. Wir dürfen da deshalb nicht überreagieren", sagte der Richterbund-Vorsitzende Christoph Frank der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung".

Zwar müsse alles für die Sicherheit der Bürger, Richter, Anwälte und Bediensteten getan werden. "Gleichwohl ist Öffentlichkeit eine zentrale Legitimation deutscher Gerichte", sagte Frank. Vorfälle wie in Landshut seien Einzelfälle. Kein Richter im Gerichtssaal habe heutzutage Angst.

Beleidigungen und Drohungen gegen Richter und Staatsanwälte in einschlägigen Internetforen würden aber deutlich zunehmen. Das betreffe vor allem die rechtsradikale Szene. "Da wird dann oft sehr subtil damit gedroht, Details aus dem Privatleben zu veröffentlichen, was Unsicherheit erzeugen soll", sagte Frank.

Seehofer: Wafenrecht untersuchen

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach in Berlin von einer "unbegreifbaren Tat". Das bayerische Kabinett werde sich mit dem Waffenrecht beschäftigten. Dies werde "besonnen und ohne Hektik" geschehen.

Das Landshuter Justizgebäude, in dem sich neben dem Land- auch das Amtsgericht befindet, wurde großräumig abgesperrt. Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf.

Ein Beteiligter an einem anderen Verfahren im Gerichtsgebäude berichtete von panischen Reaktionen auf die Schüsse. Erst sei ein lauter Streit zu hören gewesen, sagte Reinhard Kriesel, Leiter der Strafsachenstelle des Finanzamtes, der in einem Prozess ein Stockwerk unterhalb des Geschehens saß. Kurz darauf seien drei oder vier Schüsse gefallen. Dies habe Panik ausgelöst. "Das hat sich sehr nach Amoklauf angehört", sagte Kriesel. In seinem Verhandlungssaal hätten die Menschen mit Stühlen die Tür blockiert und sich im Saal verschanzt. Einige seien auch aus dem Fenster des Raumes im Erdgeschoss gesprungen und weggelaufen. Die zurückgebliebenen Menschen in dem Saal seien später dort von Zivilbeamten abgeholt worden.


 
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