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Ansbach schule amoklauf gymnasium Carolinum PANORAMA AP 090917
  Foto: AP, AP
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Schüler lief Amok in Ansbach: Ein Mädchen schwebt in Lebensgefahr

zuletzt aktualisiert: 17.09.2009 - 15:35

München (RPO). Ein 18-Jähriger hat am Donnerstagmorgen Mitschüler mit einer Axt, Messern und Brandsätzen angegriffen. Die Polizei stellte den Täter und schoss ihn mit einer Maschinenpistole nieder. Neun Schüler wurden bei dem Anschlag verletzt, zwei davon schwer. Ein Mädchen erlitt schwere Brandverletzungen, ein anderes tiefe Stichwunden am Kopf. Offenbar verhinderte das rasche Eingreifen der Polizei Schlimmeres.

Polizei und Politik informierten am Donnerstag auf einer Pressekonferenz über den Tathergang. 

Der Tathergang

Ein Polizeisprecher informierte über den Ablauf der Tat. Demnach ist der 18-jährige Täter mit äußerster Brutalität vorgegangen. Er sei mit zwei Messern, einer Axt und drei Brandsätzen bewaffnet in die Schule eingedrungen. Der Täter habe zwei Klassen betreten, eine Neunte und eine Elfte. In beiden Räume habe er je einen Molotowcocktail gezündet. Einer davon löste einen Brand aus.


Info
Amoklauf in Gymnasium

Eine Chronik des Hergangs lesen Sie hier.


Die Polizei habe den Täter anschließend auf einem Flur in der Nähe des Toilettenbereichs gestellt und ihn aufgefordert, sich zu ergeben. Der sei weiter auf die Beamten zugekommen. Diese hätten sich deshalb gezwungen gesehen, die Waffe zu gebrauchen. Das sei eine Maschinenpistole gewesen. Der Täter habe fünf Schusswunden davongetragen. Er sei schwer verletzt festgenommen worden und zur Zeit nicht ansprechbar, aber außer Lebensgefahr.

Mit Axt oder Messer am Kopf verletzt

Zwei Mädchen sind schwer verwundet. Der Täter habe einer Elftklässlerin tiefe Stichwunden am Kopf zugefügt, vermutlich mit der Axt oder einem Messer, sagte der Polizeisprecher. Sie wird derzeit in einer Klinik behandelt und schwebt in Lebensgefahr. Eine weitere Schülerin der elften Klasse habe schwere Brandverletzungen erlitten. Insgesamt zehn Menschen wurden durch die Amoktat verletzt, darunter auch der Täter. Sechs Schüler und ein Lehrer sind nur leicht verletzt.

Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger sagte, gegen den 18-jährigen Schüler sei Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf sein Motiv.

Viel Lob für die Polizei

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann zeigte sich überzeugt, dass es durch den schnellen Polizeieinsatz gelungen sei, eine schlimmere Eskalation zu verhindern. Herrmann lobte ausdrücklich die Polizei. Die ersten Einsatzkräfte seien bereits wenige Minuten nach der ersten Warnung an der Schule eingetroffen. Der Täter habe die Beamten mit einem Brandsatz als Waffe bedroht. Die Polizisten sahen sich deswegen zum Waffengebrauch gezwungen, so Herrmann.

Der Täter befinde sich derzeit in kritischem Zustand. Zwei Mädchen seien schwer verletzt, offenbar von einem Molotow-Cocktail getroffen. Der 18-jährige Täter sei bei Justiz und Polizei bisher nicht aufgefallen.

Nur elf Minuten bis zum Stellen des Täters

Herrmann lobt die Vorgehensweise der Polizei, die alarmierten Beamten hätten sofort reagiert, um die Eskalation des Amoklaufs zu verhindern. Dabei seien sie auch erhebliche Risiken für die eigene Gesundheit eingegangen. Mit dem raschen Einsatz sei es gelungen, eine Eskalation zu verhindern. Nach Darstellung von Herrmann sind zwischen der ersten Warnung und der Festsetzung des Täters nur elf Minuten vergangen. Die Polizei war den Angaben zufolge durch einen Schüler der 13. Jahrgangsstufe über den Amoklauf informiert worden.

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle erhält das Wort. Auch er gratuliert der Polizei. Das Vorgehen beurteilt er als vorbildlich. Auch die Lehrer hätten sich richtig verhalten. Die nach Winnenden entworfenen Notfällpläne für Amokläufe hätten gegriffen. Auch die Lehren aus Winnenden hätten zum heutigen Gelingen beigetragen. Alle Schüler seien in Sicherheit.

Weitere Reaktionen

Die bayerische Justizministerin Beate Merk zeigte sich betroffen. "Diese schreckliche Tat macht mich zutiefst betroffen. Meine Sorge gilt vor allem den verletzten Schülern", sagte die CSU-Politikerin am Donnerstag. Sie lasse sich fortlaufend über den Gesundheitszustand der verletzten Jugendlichen informieren.

Wichtig sei nun vor allem psychologische Hilfe: "Die Verletzten, aber auch die Mitschüler und Lehrer brauchen jetzt schnellstmöglich kompetente psychologische Hilfsangebote, um bleibende Traumata zu verhindern", sagte Merk. Zunächst würden die Hintergründe der Tat ermittelt, anschließend müsse geprüft werden, inwieweit Handlungsbedarf bestehe.

Das Gymnasium Carolinum

Die Schule liegt mitten in der Altstadt von Ansbach. Das 1528 gegründete Gymnasium Carolinum ist nach eigenen Angaben das zweitälteste staatliche Gymnasium in Bayern. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums wurde das Gebäude mit mehr als 600 Schülern sofort nach der Tat evakuiert.

Winnenden als Vorbild?

Die jüngst wieder verstärkte Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden vom März könnte nach Ansicht eines Experten ein auslösendes Element für die Tat von Ansbach gewesen sein. "Solche Täter orientieren sich in fast allen Fällen an anderen Taten", sagte der Darmstädter Psychologe Jens Hoffmann am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

Die Berichterstattung über Amokläufe verweise potenzielle neue Täter auf die Möglichkeit, durch ein ähnliches Verbrechen berühmt zu werden. Das heiße zwar nicht notwendigerweise, dass die Berichterstattung den neuen Täter erst auf die Idee für einen Amoklauf bringe. Möglicherweise aber werde er durch die Berichterstattung dazu bewegt, "letzte Schritte" hin zur Tat zu unternehmen.

Deswegen sei es wichtig, dass die Berichterstattung auf Namen oder Fotos des Täters verzichte. "Sonst ist die Nachricht: 'Du bist unsterblich, wenn du andere Leute umbringst'", sagte der unter anderem auf "Bedrohungsmanagement" spezialisierte Psychologe.

Hoffmann erläuterte ferner, auch wenn das Schuljahr in Bayern gerade erst begonnen habe, könne es für den Amoklauf von Ansbach einen unmittelbaren Auslöser in den persönlichen Erfahrungen des Täters gegeben haben. "Solche Taten haben in der Regel eine lange Vorgeschichte - längere Planung, längere Phantasien. Dann kann am Ende noch ein Faktor dazugekommen sein, wie eine Zurückweisung oder eine Kränkung."

Quelle: AP/ddp/pst

 
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