Überfall auf dem Berliner U-Bahnhof: Ein Rocker ging dazwischen
zuletzt aktualisiert: 20.02.2011 - 14:10Berlin (RPO). Der brutale Überfall löste in der vergangenen Woche Entsetzen aus. Auf dem Berliner U-Bahnhof traktierten vier Jugendliche zwei Männer Schlägen und Fußtritten. Einer liegt immer noch im künstlichen Koma. Der andere, ein 30-jähriger Malergeselle, berichtet nun erstmals öffentlich, wie er den Tag erlebte. Demnach beendete ein Rocker die Gewaltorgie.
"Einer schlug mir ins Gesicht. Ich ging zu Boden, die vier traten mir gegen den Kopf, in die Seiten", sagte der 30-jährige Malergeselle der "Bild"-Zeitung über den Angriff von vier Jugendlichen, bei dem sein gleichaltriger Kollege vor gut einer Woche lebensgefährlich verletzt wurde. Der Opfer liegt weiter im künstlichen Koma. Die Polizei sucht weiter Zeugen des Angriffs.
Warum es vor der Attacke zu einem Streit mit den 14- bis 17-Jährigen kam, daran kann sich der Maler dem Blatt zufolge nicht mehr erinnern. Er wies zugleich die Behauptung der aus Einwandererfamilien stammenden Jugendlichen zurück, dass er und sein Begleiter "Sieg Heil" gerufen hätten. Auch die Polizei sieht hierin eine Schutzbehauptung der Tatverdächtigen, die wegen zweifachen versuchten Raubmordes in Untersuchungshaft sitzen.
Rocker rettet Mann vor Angreifern
Nach Angaben des 30-Jährigen wollten er und sein Kollege nach einem Besuch im Billard-Café zu seiner Wohnung im Stadtteil Hohenschönhausen fahren, als es zu der Attacke kam. "Ich rannte um mein Leben, versteckte mich auf der Straße", sagte er der Zeitung. Dort hätten ihn die Jugendlichen dann entdeckt und attackiert.
Nach Darstellung des Opfers schritt dann ein Mann ein. Dieser habe den Jugendlichen seine Rockerkutte sowie eine Machete gezeigt. Daraufhin seien die Täter geflüchtet. In der "B.Z." dementierte der Mann, bewaffnet gewesen zu sein. "Eine Waffe hat keine Rolle gespielt", sagte der 26-Jährige, der dem Blatt zufolge den Bandidos angehört.
Bei der Polizei hat sich der Mann bisher nicht gemeldet. "Wir können das nicht bestätigen", sagte eine Sprecherin. Nach einem Bericht der "Berliner Morgenpost" (Sonntagausgabe) ist es für die Ermittler nicht überraschend, dass sich das mutmaßliche Bandidos-Mitglied bisher der Polizei nicht als Zeuge zur Verfügung gestellt hat.
Schon eine Identifizierung als Mitglied eines Rockerclubs wäre - aufgrund ihrer Verstrickungen in zahlreiche kriminelle Aktivitäten - für den dringend gesuchten Zeugen mehr als unangenehm, sagte ein Beamter dem Blatt. Vor allem deshalb, weil der Mann angeblich bewaffnet gewesen sein soll. Wie "Morgenpost Online" erfuhr, sollen den Ermittlern hierzu verschiedene Darstellungen vorliegen.
Weiter sind Zeugen gesucht
Die Fahnder suchen weiter Zeugen des Übergriffs. Bislang seien Hinweise im "unteren zweistelligen Bereich" eingegangen, sagte eine Sprecherin. Obwohl Passanten die Attacke beobachtet hatten, schritt niemand ein. Nur ein einziger Zeuge wählte den Notruf.
Am Wochenende wurde ein weiterer Fall von Gewalt im öffentlichen Nahverkehr bekannt. Ein 24-Jähriger versuchte am Samstag an einer Tramhaltestelle im Stadtteil Marzahn, einen 15-Jährigen auszurauben. Er drohte dem Jungen Schläge an, ließ aber aufgrund hinzukommender Passanten von ihm ab. Wenig später überfiel der Mann einen 47-Jährigen. Er schlug und trat sein Opfer. Die Polizei nahm den Tatverdächtigen wenig später fest.
Der rechtspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Sebastian Kluckert, sagte, der Übergriff in Lichtenberg sowie weitere Fälle zeigten deutlich, dass es in Berlin ein Problem mit Gewalttaten gibt, "deren Brutalität immer weiter zunimmt". Der liberale Integrationsexperte Kai Gersch forderte, das Problem von zunehmender Gewaltbereitschaft gerade bei einem Teil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund müsse offen thematisiert werden. Ansonsten bestehe das Risiko, dass derartige Taten von Rechtsextremen instrumentalisiert werden.
Die rechtsextreme NPD hatte am Freitag am Bahnhof Lichtenberg eine Mahnwache abgehalten. Am Rande der Veranstaltung wurde eine Bezirkspolitikerin der Linken von einem Mann geschlagen, als sie auf einem Bahnsteig Flyer verteilte. Der Täter soll der rechten Szene angehören.
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