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Sexistische Werbung
Ein Verbot ist überfällig

Sexistische Werbung: Ein Verbot ist überfällig
FOTO: dpa, mkx kno
Meinung | Düsseldorf. Justizminister Heiko Maas (SPD) will geschlechtsdiskriminierende Werbung bestrafen. Dabei geht es nicht um Geschmackspolizei, sondern um klare Regeln.  Von Julia Rathcke

Ein weißer Lieferwagen, beklebt mit einer jungen, knackigen Bikini-Dame und dem Hinweis "Frischfleisch gibt's bei uns" – woran soll der Autofahrer da denken? Richtig, Tierfutter. "Für Pussy und Bello" steht schließlich im Kleingedruckten. Das ist unlogisch, verwirrend, sexistisch, und deshalb will Justizminister Heiko Maas (SPD) nun ein Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung durchsetzen. Das ist längst überfällig.

Ein Bundesgesetz gegen Blondinenwitze – von mir aus gerne 

"Werbezensur!", skandiert die Bild-Zeitung. Deutschland besitze bereits ein modernes Geschlechterbild, schreibt Chefredakteurin Tanit Koch. "Und als nächstes ein Bundesgesetz gegen Blondinenwitze?" Von mir aus gerne.

Nackte Frauen mit Bier, Bratwürsten oder Tierfutter, nackte Männer mit Cola-light-Kisten oder eine Hostelkette, die mit Damenschlüpfern mit der Aufschrift "24 h open" wirbt. Werbung ist überall, sie ist suggestiv und frisst sich in unser Unterbewusstsein - und damit auch das, was sie transportiert: Sexismus. Andersherum ist Werbung auf ihre Zielgruppe ausgelegt und daher immer auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Konventionen. Diese aufzubrechen ist nie einfach. Das moderne Geschlechterbild wird nicht per Gesetz zu verordnen sein, und auch die Silvestervorfälle wären mit weniger Nacktplakaten nicht verhindert worden. Es geht auch nicht um eine Geschmackspolizei. Es geht darum, Maas-stäbe zu setzen.

Der Deutsche Werberat hat ein Regelwerk entwickelt

Wie die genau aussehen, wäre noch zu klären. Der Deutsche Werberat hat ein Regelwerk zu Herabwürdigung und Diskriminierung. 2015 erreichten ihn 380 Beschwerden, mehr als die Hälfte davon zum Thema Sexismus. 88 konkrete Fälle beanstandete der Rat daraufhin – eine geringe Zahl im Vergleich zu mehr als 3,3 Millionen Werbenden in der Bundesrepublik. Er hat keine wirklichen Sanktionsmöglichkeiten. Und: Die Mitglieder des Werberats kommen größtenteils selbst aus der Wirtschaft, den Medien oder Werbeagenturen und sind zu zwei Dritteln männlich. 

Die Bundesregierung will demnächst Tabakwerbung verbieten, damit Kinder und Jugendliche nicht den Eindruck bekommen, Rauchen sei ein harmloser Spaß. Die Regierung sollte sexistische Werbung verbieten, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene nicht den Eindruck bekommen, Personen auf ihre Sexualität oder ihre Geschlechterrolle zu reduzieren, sei ein harmloser Spaß.

Quelle: RP
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