| 18.59 Uhr

Hirtenbrief löst starke Reaktionen aus
"Eine Botschaft auch an uns"

Rom! - Audienz beim Papst
Rom! - Audienz beim Papst FOTO: RP, Andreas Krebs
Vatikanstadt (RPO). Papst Benedikt XVI. hat in seinem persönlich verfassten Hirtenbrief an die Katholiken Irlands bei Opfern sexuellen Missbrauchs um Verzeihung gebeten. Der Papst bekundet in dem Schreiben "Scham und Reue". Auf die deutsche Situation ging er nicht explizit ein. Die Kirche in Deutschland begreift den Brief trotzdem als Weisung.

Im Namen der Kirche bekunde er "die Scham und die Reue, die wir alle empfinden", heißt es in dem am Samstag veröffentlichten Hirtenbrief. Täter ruft der Papst zur Rechenschaft vor weltlichen und kirchlichen Gerichten, Bischöfen hält er "schwere Fehlurteile und Versagen in der Leitung" vor. Für einige Bistümer, Priesterseminare und Orden in Irland kündigt der Papst vatikanische Untersuchungskommissionen an.

Was Benedikt XVI. den Katholiken in Irland sage, "hat Geltung für die ganze Kirche und ist eindeutig eine Botschaft auch an uns in Deutschland", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Samstag in Bonn. Er verstehe die Mahnung des Papstes an die Bischöfe in Irland "zugleich auch als Mahnung an uns". Der Skandal sexuellen Missbrauchs sei kein bloß irisches Problem, "er ist ein Skandal der Kirche an vielen Orten und er ist der Skandal der Kirche in Deutschland".

Auch der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sagte, dass die "grundsätzlichen Aussagen des Briefes auch für uns in Deutschland, ja weltweit" gelten. Als Beispiele nennt Ackermann unter anderem die Aufforderung, Vergehen und Fehler offen einzugestehen sowie den klaren Appell, mit den staatlichen Behörden zu kooperieren und die Vorgaben der Justiz voll einzuhalten. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, bezeichnete den Papstbrief als ein "eindrucksvolles Dokument, das auch der katholischen Kirche in Deutschland helfen kann, die richtigen Konsequenzen zu ziehen".

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" zeigte sich enttäuscht. Mit keinem Wort habe der Papst darin die deutschen Opfer erwähnt, sagte der Sprecher der Reformbewegung, Christian Weisner, der Nachrichtenagentur AFP. Der Missbrauch von Kindern durch Priester sei ein globales Problem, auf das eine globale Antwort gefunden werden müsse.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) lobte in Düsseldorf die "unmissverständliche Haltung des Papstes". Zugleich sagte der BDKJ-Vorsitzende Dirk Tänzler, dass sie sich, "wie viele Menschen in diesem Land, darüber hinaus einen konkreten Bezug zur Situation in Deutschland gewünscht" hätten. In dieser schwierigen Lage und angesichts einer größer werdenden Verunsicherung bei jungen Menschen und deren Eltern "hätten wir uns über ein persönliches Wort der Begleitung, der Stärkung und des Zuspruchs gefreut".


Auszüge aus dem Hirtenbrief in deutscher Übersetzung lesen Sie hier.


Vatikansprecher Federico Lombardi wies Kritik daran zurück, dass sich Benedikt XVI. in dem Schreiben nicht explizit zu Deutschland äußert. Die Situation sei von Land zu Land verschieden und müsse für jede Kirche eigens angegangen werden. Der Sprecher stellte eine eigene Papstäußerung zu Deutschland in Aussicht. "Der Papst wird eine geeignete Weise finden, wenn und wann er es für angezeigt hält, auch auf die deutsche Situation Bezug zu nehmen", erklärte Lombardi.

Zollitsch, Ackermann, Glück und der BDKJ lobten die einfühlsamen Worte des Papstes für die Opfer und die Deutlichkeit gegenüber Tätern und kirchlichen Verantwortungsträgern wie Bischöfen. "Ihr habt schmerzlich gelitten, und das tut mir aufrichtig leid", schreibt Benedikt XVI. an die Missbrauchsopfer und ihre Familien. "Ich weiß, dass nichts das Unrecht ungeschehen machen kann, das ihr erlitten habt."

Priester und Ordensleute, die Kinder missbrauchten, ermahnt das Kirchenoberhaupt, für ihre Taten Verantwortung zu übernehmen. Einigen Bischöfen wirft er schwere Fehler bei der Reaktion auf Hinweise, in der Beurteilung von Fällen und in Leitungsentscheidungen vor.

(KNA/AFP)
 
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