Maschine in Zuschauer gerutscht: Eine Tote bei Flugschau in Franken
zuletzt aktualisiert: 05.09.2010 - 21:19Schnaittach (RPO). Tragisches Unglück bei einer Flugschau in Schnaittach nordöstlich von Nürnberg: Ein Doppeldecker raste am Sonntagnachmittag in die Zuschauermenge. Eine 46-jährige Frau wurde getötet, 38 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, wie die Polizei mitteilte.
Zwischen 3000 und 3500 Menschen waren laut Polizei zum Flugtag des Segelflug-Clubs Lauf gekommen - auf dem Programm standen Segel- und Motorkunstflüge sowie Rundflüge. Mitten auf den Plakaten, die für die Veranstaltung warben, war ein Doppeldecker abgebildet.
Kurz vor 15 Uhr sollten eigentlich zwei historische Doppeldecker von dem Flugplatz abheben. Während einer von ihnen in den Himmel stieg, verlor der Pilot der zweiten Maschine offenbar die Kontrolle über das Flugzeug - aus bislang ungeklärter Ursache. Kurz nach dem Abheben kam der etwa 70 Jahre alte Doppeldecker nach rechts ab und krachte in die Menge.
Ein Kind unter den Verletzten
Eine Frau aus der Region wurde sofort getötet. Fünf Menschen erlitten laut Polizei schwere Verletzungen, vor allem Knochenbrüche und Quetschungen. Sie wurden von mehreren Hubschraubern in umliegende Krankenhäuser geflogen. Von den 33 Leichtverletzten wurden laut Polizei 22 in Kliniken gebracht, darunter auch ein sieben Jahre altes Kind.
Der 68 Jahre alte Pilot der Unglücksmaschine blieb dagegen unverletzt. Bei einer ersten Befragung machte der Mann, ein sehr erfahrener Pilot, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.
Ein Großaufgebot von Rettungskräften kümmerte sich auf dem Flugplatz um die Leichtverletzten sowie die unter Schock stehenden Zuschauer. Auch mehrere Notfallseelsorger waren im Einsatz.
Neben Rettungsdiensten und der Polizei wurden auch sämtliche Freiwillige Feuerwehren aus den umliegenden Ortschaften alarmiert. Der Unglücksort wurde großräumig abgesperrt. Zur Klärung der Unglücksursache entsandte die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung aus Braunschweig mehrere Experten zum Flugplatz Lauf-Lillinghof. Ein Krisenstab wurde ebenso eingerichtet wie eine Hotline für Angehörige.
Innenminister vor Ort
Am Abend besuchte auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den kleinen Flugplatz, um sich selbst ein Bild zu machen. Er sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid sowie den Familien der Verletzten sein Mitgefühl aus. Die Ursache des Unglücks müsse noch geklärt werden, sagte Herrmann.
Nach dem Unglück verließen die meisten Zuschauer nach Berichten örtlicher Medien das Gelände des Segelflug-Clubs nach und nach, Panik sei nicht ausgebrochen. Eine 43-jährige Augenzeugin schilderte gefasst den Journalisten am Unglücksort den Unfall. Das Flugzeug sei plötzlich auf sie zugerast, berichtete sie und fügte hinzu: "Ich bin um mein Leben gerannt."
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