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  Foto: ddp, ddp
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Hochwasser in Ostdeutschland: Eine vorhersehbare Katastrophe

zuletzt aktualisiert: 10.08.2010 - 14:43

Düsseldorf (RPO). Kaum hat sich die Lage in den ostdeutschen Flutgebieten ein wenig entspannt, beginnt die Aufarbeitung der Katastrophe: Naturschützer werfen der Politik Nachlässigkeiten beim Hochwasserschutz vor. Außerdem sollen die Behörden Anwohner und Rettungskräfte zu spät alarmiert haben.  

Sachsen hat offenbar das Schlimmste hinter sich, auch in Brandenburg entspannt sich die Lage allmählich. Vorerst legen die Fluten in eine Pause ein. Aber hätte sich das Unglück verhindern oder zumindest voraussagen lassen können? Fest steht, dass das Wasser schnell und überraschend kam. Der Pegel stieg am Wochenende innerhalb von Stunden schlagartig an.

Der Bund für Naturschutz (BUND) hält die zögerliche Umsetzung der nationalen und europäischen Hochwasserschutzgesetze für einen der Gründe, dass die Fluten Millionenschäden verursachen konnten. Trotz der Erfahrungen des Oder-Hochwassers von 1997 und der Jahrhundertflut an der Elbe 2002 würden noch immer viele Gebäude und Verkehrswege in potentielle Überflutungsgebiete hinein gebaut.

Unterläufe der Flüssen bereiten Sorgen

Die Versiegelung der Böden, mangelnder Wald-, Wiesen und Moorschutz sowie die Einengung der Flüsse und Nebenflüsse durch Baumaßnahmen verhinderten die Zwischenspeicherung und Rückhaltung überschüssiger Wassermassen.

"Hochwasserschutz darf sich nicht darin erschöpfen Stauwehre und Ablaufrinnen zu bauen oder Deiche zu erhöhen. Damit wird den Anwohnern zwar mehr Sicherheit suggeriert. Zugleich erhöht sich aber die Gefahr stärkerer und höherer Flutwellen am Unterlauf der Flüsse", sagte Winfried Lücking, BUND-Experte für Hochwasserschutz. Dass hier nach wie vor zuwenig getan werde, liege am mangelnden politischen Willen und am Druck der Bau- und Agrarlobby.

Nach Ansicht des Bundesvorsitzenden der Naturfreunde Deutschland, Michael Müller, haben die Bundesländer die Warnungen zum Hochwasserschutz nicht ernst genommen. Die wenigen Verbesserungen reichten nicht, kritisierte er. Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich wies die Vorwürfe zurück. Er verwies in Zittau auf das Zwei-Milliarden-Euro-Programm des Landes für den Hochwasserschutz. Einen totalen Schutz könne es nicht geben.

Pannen bei den Behörden

Zudem scheint die Kommunikation der Behörden nicht reibungslos gelaufen zu sein. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Sachsen bemängelt eine teilweise späte Alarmierung seiner Kräfte. "In manchen Fällen hätte ich mir einen besseren Vorlauf gewünscht", sagte der Landesvorsitzende Rüdiger Unger. Hintergrund seien die mit der Gebietsreform größer gewordenen Landkreise im Freistaat. "Manche Kreisverwaltungen haben sich noch nicht bis zur letzten Ecke sortiert", sagte Unger.

Auch die Anwohner wurden nicht rechzeitig über die drohende Gefahr in Kenntnis gesetzt. Sachsens Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau kritisierte im "Tagesspiegel": "Die Leute waren oft nicht schnell genug informiert."

Tillich verwies derweil auf die polnischen Behörden und verlangte eine Aufklärung der Gründe, die zum Bruch der Staumauer in Polen führten. Eine Staumauer müsse eigentlich so sicher sein, dass dies nicht passiere, erklärte er. Polnische und deutsche Experten sollen in den nächsten Tagen die Mauerreste untersuchen. Der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte, man sei schon sehr verwundert, dass solch ein wichtiges Bauwerk einfach so habe brechen können.

Quelle: AP/AFP/ddp/ndi

 
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