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  Foto: ddp, ddp
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SPD will Untersuchung zu Bahn-Hitzepannen: Eisenbahnbundesamt bestätigt "32-Grad-Problem"

zuletzt aktualisiert: 15.07.2010 - 19:47

Hannover (RPO). In 48 Fernverkehrszügen sind seit vergangenem Freitag bis Donnerstagabend die Klimaanlagen ausgefallen. Temperaturen über 32 Grad Außentemperatur lähmen offenbar die Technik. Die Bahn betreibt weiterhin Fehlersuche. Unterdessen fordert die SPD einen Untersuchungsauschuss zu den Hitzepannen in den Zügen.

Die Deutsche Bahn hat den Vorwurf von Wartungsmängeln bei den Klimaanlagen in ihren Fernzügen zurückgewiesen. "Die Wartungen sind gemäß dem geltenden Regelwerk und den Empfehlungen der Hersteller durchgeführt worden", erklärte der Konzern am Donnerstag. Dies gehe aus gemeinsamen Untersuchungen mit den Herstellern hervor. "Im Rahmen der regelmäßigen Wartung der Klimaanlagen wird ab sofort noch einmal besonders überprüft, dass die Leistungsfähigkeit der Kühlsysteme sichergestellt ist", hieß es.

"Die Untersuchung hat gezeigt, dass hier weder ein Wartungsmangel noch ein systematischer technischer Fehler bei den Klimaanlagen der ICE 2-Flotte vorliegt", erklärte der Vorstand Personenverkehr, Ulrich Homburg. "Die Klimaanlagen haben bislang gemäß ihrer zum Zeitpunkt der Produktion geltenden Auslegung ohne Auffälligkeiten funktioniert und sind erst jetzt in Teilen der ICE 2-Flotte durch die extreme Hitze an die Grenze ihrer Belastbarkeit gekommen."

Eisenbahnbundesamt warnt

Die Probleme der Deutschen Bahn mit ausgefallenen Klimaanlagen könnten noch länger andauern. Die Geräte in den Fernzügen drohen bei Temperaturen von mehr als 32 Grad schlappzumachen, wie das Eisenbahnbundesamt (EBA) am Donnerstag in Bonn erklärte. Über diesem Wert sei "ein Abkühlen grundsätzlich nicht mehr gewährleistet". 

EBA-Präsident Gerald Hörster warnte den Bahnvorstand mit Blick auf die Klimaanlagen-Ausfälle in einem Brief vor einer Verletzung seiner gesetzlichen Sicherheitsverpflichtung. "Die Vorfälle geben hinreichend Anlass zu der Annahme, dass nicht gewährleistet werden konnte, dass die Risiken für die Fahrgäste auf ein verantwortbares und rechtlich zulässiges Maß beschränkt geblieben sind."

Ein Bahnsprecher sagte, die Klimaanlagen würden bei Temperaturen über 32 Grad schwächer. Der Konzern wolle die Funktionsfähigkeit der Systeme schnell verbessern. "Wir sollen auch bei höheren Temperaturen sicherstellen, dass es im Zug nicht so heiß wird."

Nach Angaben des Staatsunternehmens werden Klimaanlagen ab sofort besonders überprüft. Der Konzern wies aber den Vorwurf von Wartungsmängeln zurück. Insgesamt fielen dem Unternehmen zufolge zwischen Freitag vergangener Woche und dem (heutigen) Donnerstagabend Klimaanlagen in 48 Zügen aus

Probleme wohl schon länger bekannt

Die Probleme mit der Elektronik in einigen ICE-Zügen waren im Bundesverkehrsministerium offenbar schon länger bekannt. Die gesamte Bordelektronik der ICE-Eins und ICE-Zwei Züge sei empfindlich, räumte Staatssekretär Enak Ferlemann am Mittwoch im RBB-Inforadio ein. Die Vorfälle müssten nun überprüft und hinterfragt werden, "weil wir vor der Ausschreibung einer kompletten Erneuerung der Flotte stehen, und da sollen diese Fehler nicht wieder auftreten." Man müsse nun die Konsequenzen aus den Schäden ziehen.

Derweil hat die Deutsche Bahn am Mittwoch erneut mehrere Fernzüge nach einem Ausfall der Klimaanlagen räumen müssen. Wie ein Unternehmenssprecher dem Bielefelder "Westfalen-Blatt" sagte, wurde ein IC auf der Strecke Berlin-Amsterdam wegen einer defekten Klimaanlage gestoppt. Die Reisenden mussten demnach in andere Züge umsteigen. Zudem sei ein ICE zwischen München und Lübeck wegen Hitzeproblemen geräumt worden. Seit Samstag fielen dem Bahn-Sprecher zufolge in insgesamt 41 Fernzügen die Klimaanlagen aus.

SPD fordert Untersuchungsausschuss

Wegen der Hitzepannen bei der Bahn hat der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Florian Pronold einen Untersuchungsausschuss im Bundestag gefordert. Die Lokführer der Deutschen Bahn befürworten die Forderung der SPD. Unterdessen bestätigte das Eisenbahnbundesamt Berichte, nach denen die Klimaanlagen nur bis zu einer bestimmten Höchsttemperatur arbeiten.

Die Lokführer der Deutschen Bahn befürworten die Forderung der SPD-Bundestagsfraktion nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Ausfällen bei Klimaanlagen in Zügen. "Wir finden es gut, wenn auch das Parlament einen kritischen Blick auf die Wartungsdefizite bei der Bahn wirft", sagte der Vorsitzende der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Claus Welesky, unserer Redaktion.

"Wir wollen wissen, ob die Bahn zulasten der Sicherheit gespart hat, welchen Zusammenhang es zu den Hitzeproblemen gibt und wer dafür die Verantwortung trägt", sagte Pronold der "Bild"-Zeitung. Es sei jetzt "eine umfassende parlamentarische Untersuchung" nötig. Dabei müsse auch die Rolle des Bundes als Eigentümer geklärt werden.

In den vergangenen Tagen war bei mehreren ICE-Zügen die Klimaanlage ausgefallen. In einigen Waggons stiegen die Temperaturen auf mehr als 50 Grad Celsius. Viele Reisende erlitten einen Hitzeschock. Die Bahn hatte zunächst von bedauerlichen Einzelfällen gesprochen.

Verkehrsausschuss tagt nach der Sommerpause

Der Verkehrsausschuss des Bundestags will sich spätestens nach der Sommerpause mit dem Problem beschäftigen, wie sein Vorsitzender Winfried Hermann sagte. Er behalte sich die Einberufung einer Sondersitzung vor. "Das sind die Folgen des Klimawandels", sagte der Grünen-Politiker. Beim Bau in den 90er Jahren seien die Klimaanlagen nicht auf so hohe Temperaturen ausgerichtet gewesen.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf der Bahn unterdessen vor, jahrelang an Achsen, Bremsen und Klimaanlagen gespart zu haben. "Es ist ein Stück aus dem Tollhaus, wenn wir seit Tagen bei 38 Grad Celsius schwitzen und die Bahn erst jetzt merkt, technisch gar nicht mithalten zu können", wurde sie in der "Hamburger Morgenpost" (Freitagausgabe) zitiert.

Bis zu 37 Grad am Freitag - dann kühler

Besonders am vergangenen Wochenende musste die Bahn mit Temperaturen von weit über 30 Grad kämpfen. Auch am Freitag erwartet der Wetterdienst Spitzenwerte bis 37 Grad. Besonders heiß wird es demnach im Osten und Südosten Deutschlands. In den folgenden Tagen soll es nicht mehr ganz so warm sein. Die kritische Marke von 32 Grad könnte allerdings in der kommenden Woche erreicht werden.

Der Hochsommer macht der Bahn auch in Form von Gewittern zu schaffen. So fegte am Mittwochabend eine Unwetterfront über Westdeutschland und sorgte vor allem in Nordrhein-Westfalen für gesperrte Bahnstrecken und verspätete Züge. So war die Verbindung zwischen Oberhausen und Emmerich am Niederrhein auch am Donnerstag noch unterbrochen.

Quelle: DDP/apn/nbe/RP/das/felt

 
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