Gleich vier neue Priester aus einer Gemeinde: Elsen: Wieder ein Rekord in der Priester-Schmiede
zuletzt aktualisiert: 28.05.2004 - 13:20Paderborn (rpo). Das hat es lange nicht gegeben, wahrscheinlich sogar noch nie in Deutschland: Am Pfingstwochenende werden im Erzbistum Paderborn gleich vier junge Männer aus der Gemeinde St. Dionysius im westfälischen Elsen zu Priestern geweiht. Damit dürfte Elsen Geschichte geschrieben haben.
Normalerweise legt der Heimatpfarrer dem Neupriester das Messgewand an, wenn im Erzbistum Paderborn traditionell am Pfingstsamstag Priesterweihe ist. Doch in diesem Jahr wird das nicht bei allen Neugeweihten gehen. "Dann müsste ich sechs Arme haben", sagt Pfarrer Hans Jürgen Wollweber von Sankt Dionysius. Gleich drei der insgesamt dreizehn Neupriester kommen nämlich aus seiner Pfarrei. Und schon Pfingstsonntag ist Wolleweber wieder als Heimatpfarrer gefragt: Bei der Primiz eines weiteren jungen Mannes in Münster, ebenfalls aus Elsen. "So etwas hat es im Erzbistum noch nicht gegeben", sagt der Regens im Priesterseminar, Peter Klasvogt. Und Heide Schöpperle vom Zentrum für Berufungspastoral in Freiburg ist fast sicher, dass das Ereignis bundesweit einmalig ist.
Am 6. Juni werden alle vier Neupriester - Tobias Dirksmeier, Witold Daniel Sojka, Thomas Zwingmann und Lars Hoffmann - in ihr Heimatdorf kommen: zur Super-Primiz. Hauptzelebrant ist der Heimatpfarrer selbst. "Das habe ich einfach so festgelegt", sagt Hans Jürgen Wollweber lachend, "sonst hätten die sich wahrscheinlich nie geeinigt." Seine Gemeinde ist mit 9.850 Mitgliedern die drittgrößte im Erzbistum Paderborn.
Die angehenden Neupriester finden die Riesenfeier "im Grunde genommen witzig", sagt der geborene Elsener Thomas Zwingmann. Doch er gibt zu, dass er gerne eine eigene Feier gehabt hätte. "Dieses Fest ist für mich eine Art Hochzeit, da möchte man auch nicht unbedingt andere Paare mit vor dem Altar stehen haben."
Bürgerhaus angemietet
Für den anschließenden Empfang musste der Dechant das "Bürgerhaus" in Elsen anmieten: "Das Gemeindehaus bietet nur 350 Menschen Platz - zu klein für diesen Anlass." Es wird ein einfaches Essen geben, außerdem für jeden Neupriester ein Geldgeschenk: "Die Primiz kommt den Pfarrer in diesem Jahr teuer zu stehen", sagt Küsterin Marlies Hoffmann. Sie weiß Bescheid, denn ihr Sohn ist einer der vier Neuen. "Lars wollte nicht in Paderborn geweiht werden, weil wir aus Lüdinghausen im Bistum Münster stammen und er dort noch viele Freunde und Bekannte hat."
Allein in diesem Jahrhundert hat Sankt Dionysius übrigens mindestens 15 Priester hervorgebracht - ganz genau geht das aus der Chronik nicht hervor. Einmal gab es schon eine Dreifach-Primiz: am 7. August 1932. Damals handelte es sich um drei Franziskaner. Pfarrer Wollweber kann sich selbst nicht erklären, warum ausgerechnet Elsen die Priesternachwuchs-Schmiede des Erzbistums ist. Möglicherweise liege das an der Nähe zur Bischofsstadt. Auffallend gläubig sei seine Gemeinde jedenfalls nicht, meint er: "Der Gottesdienstbesuch liegt unter dem Durchschnitt im Dekanat Paderborn."
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