Amoklauf von Winnenden: Ermittler erkannten Tim K. nicht
zuletzt aktualisiert: 26.04.2009 - 15:07München (RPO). Medienberichte die vermeldeten, die Polizei habe den Amokläufer zwei Mal bemerkt, ihn jedoch aufgrund einer falschen Personenbeschreibung für einen Unbeteiligten gehalten, wurden nun von der Staatsanwaltschaft bestätigt.
Die Auswertung von Videoaufnahmen eines Polizeihuschraubers habe ergeben, dass die Beamten den 17-jährigen Tim K. am 11. März auf dem Gelände des Autohauses in Wendlingen zunächst nicht erkannt hätten, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart auf ddp-Anfrage und bestätigte damit Teile eines Berichts des Nachrichtenmagazins "Focus". Zu den Gründen und weiteren Einzelheiten äußerte sie sich nicht.
"Focus" hatte am Wochenende unter Berufung auf Ermittlungsakten vorab berichtet, die Besatzung eines Polizeihubschraubers habe den Amokläufer zwei Mal bemerkt, ihn jedoch aufgrund einer falschen Personenbeschreibung für einen Unbeteiligten gehalten. Die Besatzung habe Tim K. auf dem Hinterhof des Autohauses entdeckt, ihn aber "aufgrund seines unauffälligen Verhaltens und der abweichenden Personenbeschreibung zunächst nicht als Täter erkannt". Auch bei einer zweiten Ortung gut eine Minute später hätten die Beamten den Amokschützen nicht identifiziert, schrieb das Blatt.
Ausdrücklich wies die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Spekulationen des Nachrichtenmagazins zurück, wonach das Ausmaß des Amoklaufs dadurch womöglich vergrößert worden sei und die Hubschrauberbesatzung die beiden Polizisten, die von Tim K. durch Schüsse verletzt wurden, per Funk möglicherweise hätten warnen können. "Dass es zu den Verletzungen kam, lag an anderen Umständen", betonte die Sprecherin.
Bei dem Amoklauf tötete Tim K. 15 Menschen. Zwei Zivilbeamte wurden durch Schüsse des 17-Jährigen schwer verletzt, anschließend nahm der Täter sich das Leben.
Diskussion um Verschärfung des Waffenrechts
Die Diskussion um Konsequenzen aus dem Amoklauf dauert indes weiter an. Die SPD fordert eine Verschärfung des Waffenrechts. In einem Brief an Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht sich der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Fritz Rudolf Körper, für strengere Regelungen aus, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete. Körper forderte ein Verbot großkalibriger Waffen im Schießsport, die biometrische Sicherung solcher Waffen und Waffenschränke, eine Amnestie für Besitzer illegaler Waffen und ein "Verbot gefechtsähnlicher Schießsportübungen". Darüber hinaus drängte er darauf, ein bundesweites Zentralregister für Waffen einzuführen und die Lagerung der Waffen stärker zu überwachen. Die Behörden sollten fortan "verdachtsunabhängige Kontrollen" durchführen können - "auch gegen den Willen des Inhabers".
Ähnlich äußerte sich Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD). Er forderte zudem, beim Sportschießen müsse zumindest die Altersgrenze für den Gebrauch großkalibriger Waffen erhöht werden. Zudem sei eine Begrenzung der Anzahl von Waffen sinnvoll.
Laut "Spiegel "wurden die Vorschläge in der Arbeitsgruppe der Innenministerien des Bundes und der Länder vergangene Woche bereits diskutiert. Bislang habe man sich dort aber nur auf wenige Punkte verständigen können. So scheine ein Verbot von "gefechtsähnlichen" Spielen wie Paintball möglich - Bayern hatte bereits 2007 eine entsprechende Bundesratsinitiative eingebracht. Auch das Schießen mit großkalibrigen Waffen könnte eingeschränkt werden, im Gespräch ist eine Altersgrenze von 18 Jahren.
Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) will gegen Computer-Gewaltspiele vorgehen. "Beim Medienangebot ist der Staat gefordert - und da müssen wir mit Verboten ganz klare Kante zeigen", sagte Rech. Gesetze allein reichten aber nicht. Auch die Eltern müssten ihrer Erziehungsverantwortung gerecht werden. "Die Medienkompetenz vieler Eltern ist gleich null", sagte Rech laut SWR.
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