Ludwigshafen: Ermittler suchen mit Spürhunden nach Brandursache
zuletzt aktualisiert: 06.02.2008 - 12:49Ludwigshafen (RPO). Drei Tage nach dem verheerenden Brand in Ludwigshafen sind am Mittwochvormittag Beamte mit Spürhunden in das Gebäude eingedrungen. Sie suchen nach Hinweisen auf eine mögliche Brandstiftung. Unterdessen hat die türkischstämmige SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan wegen seiner Forderung nach eigenen Ermittlern kritisiert.
Nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen steht die Ursache für die Katastrophe weiter nicht fest. Beamte suchen seit Mittwochvormittag mit Spürhunden im einsturzgefährdeten Gebäude nach Hinweisen auf eine mögliche Brandstiftung. Zugleich wollen die Ermittler mit einem Phantombild nach dem mutmaßlichen Brandstifter fahnden. Zwei Mädchen hatten ausgesagt, vor Ausbruch des Feuers in dem Gebäude einen Mann beim Zündeln gesehen zu haben.
Ein Überlebender berichtete unterdessen, wie er seinen elf Monate alten Neffen aus dem dritten Stock des brennenden Hauses warf, um ihn vor dem Feuer zu retten. "Ihn fallen zu lassen, war die letzte Chance", zitierte die "Bild"-Zeitung den 32-Jährigen. Dem Bericht zufolge fing ein Polizist den kleinen Jungen nach einem sieben Meter tiefen Sturz mit seiner Jacke auf. Der Onkel des Kindes, seine Tochter und mehrere Verwandte wurden demnach von der Feuerwehr gerettet. Die Eltern des Jungen seien mit Rauchvergiftung und Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht worden.
Ob ein Phantombild des mutmaßlichen Brandstifters erstellt werden kann, hängt wesentlich von der Belastbarkeit der acht und neun Jahre alten Mädchen ab, wie Polizeisprecher Volker Klein erklärte. Die Polizei nehme jeden Hinweis ernst, der zur Aufklärung der Brandursache beitragen könne. Eine erste Suche mit Spürhunden nach einem Brandbeschleuniger verlief jedoch negativ. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk setzten die Aufräumarbeiten fort, um den Ermittlern den Weg in das zerstörte Haus zu ebnen.
Im Laufe des Tages will auch der türkische Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu zusammen mit Polizeiexperten den Ort der Brandkatastrophe besuchen. Yazicioglu ist für die im Ausland lebenden Türken zuständig. Begleitet wird der Staatsminister von seiner deutschen Kollegin, der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer (CDU).
SPD-Bundestagsabgeordnete kritisiert Erdogan
Unterdessen hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan wegen seiner Forderung nach eigenen Ermittlern bei der Aufklärung des verheerenden Hausbrands in Ludwigshafen kritisiert: "Dass Erdogan eigene Ermittler nach Deutschland schicken will, ist eine rein innenpolitisch motivierte Aktion. Er will zu Hause punkten", sagte Akgün gegenüber unserer Redaktion.
Erdogan habe in seinem Land derzeit einige Krisen zu meistern und trage nun die türkische Innenpolitik nach Deutschland. "Das sollten wir nicht zulassen. Die Kommentare von außen sind wenig sinnvoll", so Akgün. "Ich lebe seit 46 Jahren in Deutschland und vertraue der deutschen Polizei."
Auch die heftigen Reaktionen der türkischen Medien, kritisierte Akgün, Mitglied der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe im Bundestag, scharf. "Sie belasten mit ihren Vorverurteilungen das deutsch-türkische Verhältnis." Man solle in Ruhe das Ergebnis der Ermittlungen abwarten, bevor man sich ein Urteil erlaube, so Akgün.
Am Sonntag waren bei dem Brand in Ludwigshafen neun Menschen getötet und 60 verletzt worden. Acht der Opfer starben an Rauchgasvergiftung. Eine Frau kam ums Leben, als sie in Panik aus dem brennenden Gebäude sprang.
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