Verdacht des mehrfachen Totschlags: Ermittlungen gegen Krankenschwester
zuletzt aktualisiert: 06.05.2009 - 19:23Magdeburg (RPO). Wegen einer ungewöhnlichen Häufung von Todesfällen in einer Klinik in Sachsen-Anhalt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Totschlag. Betroffen ist eine Intensivstation im Krankenhaus Gardelegen, wie die Anklagebehörde und die Polizei am Mittwoch in Magdeburg mitteilten. Eine Krankenschwester wurde inzwischen in einen anderen Bereich versetzt.
Die Leitung des Altmark-Klinikums verzeichnete in den vergangenen drei Jahren einen deutlichen Anstieg von Todesfällen auf der Intensivstation, wie die Ermittler bekanntgaben. Nach 67 im Jahr 2006 wurden im Jahr darauf 93 Todesfälle und 2008 insgesamt 121 Todesfälle registriert. Der Klinikleitung fiel auf, dass ein Großteil der Todesfälle eintrat, als die Krankenschwester Dienst hatte. Aus diesem Grund wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, die ein Ermittlungsverfahren einleitete.
In den vergangenen Wochen wurden Krankenakten von der Rechtsmedizin Hannover gesichtet. Ein Ärztekolloquium empfahl auf dieser Grundlage, in 15 Fällen eine Exhumierung vorzunehmen. Von diesen 15 Verstorbenen gab es allerdings nur vier Erdbestattungen. Diese Leichen sollen jetzt exhumiert und obduziert werden. Das Ergebnis wird in einigen Monaten erwartet.
Anzeichen auf Fremdeinwirken ergibt sich nach Angaben der Ermittler bei keinem der Verstorben aus den Krankenakten - weder in dem Gutachten aus Hannover noch in einer Expertise, die die Klinikleitung parallel dazu in Köln in Auftrag gab. Allerdings seien auf einer Intensivstation Medikamente zugänglich, die zum Tod eines Patienten führen könnten, ohne dass ein Fremdverschulden sofort erkannt werde. Alle verstorbenen Patienten waren älter und in einem lebensbedrohlichen Zustand.
Oberstaatsanwältin: Untersuchungen nötig
Oberstaatsanwältin Uta Wilkmann versicherte, dass sich anhand der Krankenakten kein Verdacht auf ein Fremdverschulden ergebe, dass dies jedoch auch nicht ausgeschlossen werden könne. Die Fälle seien geeignet, um genauere Untersuchungen vorzunehmen, die die Verdächtige be- oder entlasten sollten.
Die Krankenschwester wird als engagierte Pflegerin mit langjähriger Berufserfahrung beschrieben. Nach Bekanntwerden des Verdachts wurde sie in einen Bereich versetzt, wo sie nicht mehr am Patienten arbeitet. Sie hat nach eigener Aussage nichts mit den Todesfällen zu tun.
Klinik-Geschäftsführer Axel Burghardt verwies darauf, dass es im Vorjahr organisatorische Veränderungen im Krankenhaus gab. Mit dem Zuschlag als Geriatrisches Zentrum würden seither am Altmark-Klinikum Patienten früher auf die Intensivstation verlegt. Die Gesamtzahl der Todesfälle am Gardelegener Klinikum sei relativ konstant. Gegen die Krankenschwester spreche ausschließlich die Statistik. Die Klinik geht nach eigener Darstellung davon aus, dass sich der Verdacht gegen die Schwester nicht erhärtet.
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