10.000 Linksradikale wollen Flughafen besetzen: Erste Festnahmen bei Demo in Berlin-Tempelhof
zuletzt aktualisiert: 20.06.2009 - 14:56Berlin (RPO). Am stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof treffen sich am Samstag linksradikale Gruppen zu einer großangelegten Protestaktion. Sie fordern die Freigabe der Fläche für die Öffentlichkeit. Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte im Vorfeld hartes Durchgreifen angekündigt. Es kam bereits zu Festnahmen, als erst wenige hundert der angekündigten 10.000 Teilnehmer vor Ort waren.
Bei der versuchten Massenbesetzung des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin ist es zu ersten Festnahmen gekommen. Rund zwei Dutzend als Clowns verkleidete Personen wurden nach Augenzeugenberichten von der Polizei festgesetzt, als sie am Samstag am Zaun rüttelten.
Zuvor hatte der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch den Demonstranten ein hartes Durchgreifen angedroht. Jeder, der den Flughafenzaun überklettere, müsse mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs oder Sachbeschädigung rechnen, sagte Glietsch am Samstag im rbb-Inforadio. Solange dort noch Einrichtungen seien, die für die Sicherheit des Luftverkehrs in Berlin wichtig seien, könne das Gelände nicht freigegeben werden.
10.000 Teilnehmer erwartet
Um den acht Kilometer langen Zaun um das Flughafengelände standen nach Augenzeugenberichten rund alle 100 Meter Polizisten auf Posten. Auch im Inneren des Geländes wurden starke Polizeikräfte beobachtet. Auch die Reiterstaffel war im Einsatz. Die Berliner Polizei hatte sich Verstärkung aus Bayern und von der Bundespolizei geholt.
Nach bisherigen Erkenntnissen war es bis zum Nachmittag noch keinen Demonstranten gelungen, den Zaun zu übersteigen. Das linke Bündnis "Squat Tempelhof" (Besetzt Tempelhof) hatte zur Besetzung des rund vier Quadratkilometer großen Geländes aufgerufen. Zu der Demonstration hatten die Veranstalter rund 10.000 Teilnehmer erwartet.
Erklärtes Ziel ist es, die Fläche für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und eine sinnvolle Nutzung durchzusetzen. Die Sicherheitsbehörden befürchten, dass gewaltbereite Linksextremisten die Demonstration für ihre Zwecke nutzen. Zum Auftakt sind ab Mittag mehrere Kundgebungen rund um das Flughafengelände geplant. Die Polizei befürchtet, dass einige Gruppen aus der gewaltbereiten linksextremen Szene die Gelegenheit zu Krawallen nutzen könnten.
Über die Rechtmäßigkeit der Aktion hatte es heftigen politischen Streit gegeben. Die SPD griff die Grünen scharf an, die den Initiatoren zunächst ihre Unterstützung zugesagt hatten, später aber davon abrückten. Ihre Sympathie für die Besetzung bekundete auch die SPD-Nachwuchsorganisation Jusos. Die Linkspartei kündigte ihre Teilnahme mit "legalen Mitteln" an.
Im Zuge sogenannter Action-Weeks waren in den vergangenen Tagen immer wieder Autos in Berlin in Brand gesetzt worden. Dabei gingen auch die Wagen eines Berliner CDU-Politikers in Flammen auf.
Mehr Abgrenzung gegen Linksextremismus gefordert
An den friedlichen Protesten zur Öffnung des Tempelhofer Feldes wollen sich auch die Linken, die Jungsozialisten und die Grüne Jugend beteiligen. Polizeipräsident Glietsch rief die Politik dazu auf, sich stärker gegen den Linksextremismus zu engagieren: "Wer die Bekämpfung des gewaltbereiten Linksextremismus der Polizei überlässt, der muss zur Kenntnis nehmen, dass auf Dauer keine durchgreifende Erfolge zu erzielen sind", sagte er. "Ich würde mir wünschen, dass die Abgrenzung zum gewaltbereiten Linksextremismus in der Gesellschaft und in der Politik genauso konsequent betrieben wird wie gegen den Rechtsextremismus."
Der Stadtflughafen Tempelhof wurde Ende Oktober 2008 geschlossen, technisch ist er aber nach wie vor voll funktionsfähig. Das Gelände wird seit der Schließung nicht mehr genutzt. Der Senat will dort später Wohnungen bauen lassen und einen Park anlegen.
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