kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
panorama dominik brunner DDP
  Foto: ddp, ddp
Kommentare ()

Abschlussplädoyers im Fall Brunner: Es bleibt beim Mordvorwurf

VON RALF ISERMANN, AFP - zuletzt aktualisiert: 24.08.2010 - 17:22

München (RPO). Der aufsehenerregende Prozess um den gewaltsamen Tod des Münchener Managers Dominik Brunner steht vor der Entscheidung. Die Richter müssen nun klären, ob der 19-jährige Markus S. sein Opfer vorsätzlich töten wollte. Die Staatsanwältin hielt in ihrem Abschlussplädoyer trotz aller Überraschungen im Prozessverlauf am Mordvorwurf fest.

Den vielleicht wichtigsten Satz bei den Plädoyers im Prozess um den gewaltsamen Tod von Dominik Brunner sprach die Rechtsanwältin seiner Eltern. "Dominik Brunner hätte die Erhöhung seiner Person in keiner Weise gewollt", sagte Annette von Stetten über den lange als "S-Bahnheld von Solln" gefeierten 50-Jährigen, dessen Heldentum im Prozess ein paar Kratzer erhielt. Ohne diese Erhöhung reduzierte sich der Fall Brunner in den Plädoyers am Dienstag zu einem äußerst brutalen Angriff zweier unreifer Jugendlicher auf einen ungewöhnlich couragierten Mann.

Für den als Haupttäter beschuldigten, zur Tatzeit 18-jährigen Markus S. forderte Staatsanwältin Verena Käbisch wegen Mordes und anderer Taten die Höchststrafe nach dem Jugendstrafrecht von zehn Jahren Jugendhaft, für den mitangeklagten damals 17-jährigen Sebastian L. acht Jahre Jugendhaft unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge. L. soll milder bestraft werden, weil er nicht so oft zutrat. Die zehn und acht Jahre sind lang - allerdings verfolgt das Jugendstrafrecht anders als das Erwachsenenstrafrecht das Ziel, Verurteilte im Gefängnis so zu betreuen und zu formen, dass sie später nicht mehr straffällig werden und ein neues Leben starten können.

Vor den Plädoyers war mit Spannung erwartet worden, ob die Staatsanwaltschaft nach dem teils überraschenden Prozessverlauf wohl noch den Mordvorwurf aufrecht hält. Zwei Dinge schienen gegen Mord zu sprechen: Brunner, der eine Gruppe von vier Teenagern vor einem Erpressungsversuch der beiden Angeklagten schützen wollte, hatte am 12. September als Erster zugeschlagen. Außerdem litt er an einem unentdeckten Herzfehler - nicht die Schläge und Tritte waren am Ende tödlich, sondern ein Herzflimmern.

Staatsanwältin Käbisch bestritt aber, dass diese an den elf Verhandlungstagen bekannt gewordenen Sachverhalte etwas am Mordvorwurf änderten. So habe eine Reihe von Zeugenaussagen belegt, dass Brunner keinesfalls aggressiv gewesen sei, sondern sich schützend vor die Kinder gestellt habe. Den Schlag gab er demnach ab, weil er nach den verbalen Attacken von S. und L. unmittelbar davon ausgehen musste, selbst geschlagen zu werden.

Auch der Herzfehler sei vollkommen unerheblich, sagte Käbisch. Denn besonders Markus S. habe vorsätzlich den Tod Brunners in Kauf genommen, in dem er mit einem Schlüssel in der Faust zuschlug und mehrmals gezielt gegen Brunners Kopf trat. Nach dem ärztlichen Gutachten sei es sowieso ein Wunder, dass Brunner nicht durch die Tritte tödliche Verletzungen erlitt habe. Außerdem sei erwiesen, dass der Stress des Angriffs das Herzflimmern auslöste - ohne diesen würde Brunner heute noch leben und hätte mit seiner Erkrankung alt werden können, sagte Käbisch.

In den Plädoyers wurde noch einmal die ganze Brutalität des Angriffs und dessen dramatischen Folgen deutlich. So verwies die Staatsanwältin auf ein Foto, das eindeutig den Fußabdruck von S. im Gesicht des toten Brunners zeigt. Die Anwältin von Brunners Eltern, die als Nebenkläger auftreten, sagte, die Mutter sei als Folge zum Pflegefall geworden, sie sei 24 Stunden am Tag auf Hilfe angewiesen und nehme Morphium. Der Vater leide an schwersten Depressionen. Die Anwältin der von Brunner beschützten Kinder verwies darauf, dass alle vier schwer traumatisiert seien.

Die Anwälte von S. warfen der Anklage dagegen vor, den Fall in den Medien bewusst überzeichnet und die Angeklagten damit stigmatisiert zu haben. So habe die Anklage bereits kurz nach der Tat von einem Prügelmord gesprochen, obwohl Brunner seinem Herzleiden erlegen war. "Hätte Herr Dominik Brunner die Herzkrankheit nicht gehabt, würde er heute noch leben", sagte einer der Anwälte. Außerdem wies er darauf hin, dass S. zur Tatzeit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut hatte und damit vermindert steuerungsfähig war. Die Verteidiger forderten deshalb "deutlich" unter sieben Jahren Jugendhaft für S.

Das Urteil soll am 6. September fallen.

Quelle: AFP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Die Bundesanwaltschaft hat zwei weitere mutmaßliche Unterstützer der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) ... mehr 

26-jähriger Mann in Dorsten festgenommen

Drei Wochen nach Schüssen auf Ex-Freundin

26-jähriger Mann in Dorsten festgenommen

Knapp drei Wochen nach lebensgefährlichen Schüssen auf eine 24-Jährige im niedersächsischen ... mehr 

mehr Panorama
Aus der Region

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Drei Wochen nach Schüssen auf Ex-Freundin

26-jähriger Mann in Dorsten festgenommen

Energiewende macht Elektrizität teuer

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

Tragischer Unfall am Bahnhof

Reisende von Wasserschlauch erschlagen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

Mehr Panorama Deutschland

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Die Bundesanwaltschaft hat zwei weitere mutmaßliche Unterstützer der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) freigelassen. Die Haftbefehle gegen Carsten S. und Matthias D. seien aufgehoben worden. mehr

 

Drei Wochen nach Schüssen auf Ex-Freundin

26-jähriger Mann in Dorsten festgenommen

 

Energiewende macht Elektrizität teuer

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

 

Tragischer Unfall am Bahnhof

Reisende von Wasserschlauch erschlagen

 

"Auszehrung und Flüssigkeitsmangel"

Kleinkind stirbt an Verwahrlosung

 

Gewaltverbrechen in Bottrop

Bandidos-Rocker in Waldstück erschossen

Top-Services
 
Mehr Panorama
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Bei einem heftigen Erdbeben in Norditalien sind .. mehr 
 
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Bei einem heftigen Erdbeben in Norditalien sind ..
mehr 
Süßes Elefantenmädchen spielt Fußball wie ein Profi
Süßes Elefantenmädchen spielt Fußball wie ein Profi
Wer braucht schon Robben, Beckham, Ballack und ..
mehr 
Bilder des Tages
Bilder des Tages
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Hier ..
mehr 
Groß-Razzia gegen Hells Angels in Norddeutschland
Groß-Razzia gegen Hells Angels in Norddeutschland
Mit einem Großaufgebot sind Staatsanwaltschaft ..
mehr 
Gasexplosion zerstört Haus in Bremerhaven
Gasexplosion zerstört Haus in Bremerhaven
Bei einer Gasexplosion in Bremerhaven ist ein ..
mehr 
Red Bull Flugtag: Tollkühne Piloten in fliegenden Kisten
Red Bull Flugtag: Tollkühne Piloten in fliegenden Kisten
Hobby-Piloten werfen sich am Pfingstmontag mit ..
mehr 
Deutsches Mädchen in Bosnien als Sklavin gehalten
Deutsches Mädchen in Bosnien als Sklavin gehalten
In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre ..
mehr 
Die schönsten Balkone unserer Leser
Die schönsten Balkone unserer Leser
Wir hatten unsere Leser gebeten, uns Bilder ..
mehr