Mecklenburg-Vorpommerm: "Es herrscht das absolute Schneechaos"
zuletzt aktualisiert: 10.01.2010 - 16:44Schwerin/Hamburg (RPO). Starke Schneefälle, Schneeverwehungen und Sturmfluten sorgen am Sonntag in Norddeutschland für chaotische Verhältnisse. In Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Krisenstab eingerichtet und teilweise Katastrophenalarm, in Schleswig-Holstein machen unterspülte Deiche und die über die Ufer getretene Ostsee Probleme. Schüler in Mecklenburg-Vorpommern müssen am Montag nicht zur Schule.
Mehrere Meter hohe Schneeverwehungen sind am Wochenende in Mecklenburg-Vorpommern für Hunderte Autofahrer und Bahnreisende zum Gefängnis geworden. Bis zu acht Stunden steckten die Fahrzeuge auf der A 20 bei Jarmen bis zum Sonntagvormittag fest - teils bis zu den Fenstern eingeschneit. Am Sonntag um 5.00 Uhr wurde in Vorpommern Katastrophenalarm ausgelöst. Am Montag bleiben die Schulen in dem Bundesland geschlossen. Sturmböen um Windstärke zehn türmten nicht nur die Schneemassen zu Hügeln auf, sondern brachten auch die Ostsee in Wallung. Behörden warnten vor einer Sturmflut.
"Es herrscht bei uns das absolute Schneechaos", sagte Christoph Krohn, Sprecher des Katastrophenstabs des Landkreises Ostvorpommern und der Stadt Greifswald. "Unsere Räum- und Notdienste sind mit diesen Bedingungen überfordert, und Wetterbesserung ist zunächst nicht abzusehen."
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Auf den Inseln Rügen und Usedom sowie den Halbinseln Fischland, Darß, Zingst und dem küstennahen Festland brach der Verkehr fast völlig zusammen. Schon am Samstagnachmittag war hier der öffentliche Nahverkehr weitgehend eingestellt worden.
Trotz pausenlosen Einsatzes der Winterdienste konnten nicht einmal die Hauptverkehrswege frei gehalten werden. Sogar auf der Küstenautobahn A 20, die immer vorrangig geräumt wird, ging streckenweise gar nichts mehr.
Tödlicher Unfall
Maik Bischoff vom Technischen Hilfswerk (THW) in Wolgast berichtete, Hunderte Menschen in den Autos, darunter Familien mit Kindern, mussten bis zu acht Stunden ausharren. Viele konnten nicht einmal mehr die Tür öffnen, weil der Schnee bis zu den Fenstern reichte. Bei ihrer Bergung seien sie teils unterkühlt gewesen und verängstigt. In Notunterkünften wurden sie versorgt.
Die Polizei hatte an die Bevölkerung appelliert, wenn möglich nicht im Schneetreiben Auto zu fahren. Dennoch wollten einige nicht einmal auf Fahrten zur Disco verzichten und blieben im Schnee liegen, wie Polizisten sagten. Zwei junge Männer kamen ums Leben: Ein 29-jähriger Autofahrer prallte in Nordvorpommern gegen einen Baum. Sein 27-jähriger Beifahrer und er starben noch am Unfallort.
Das Unwetter legte auch den Zugverkehr lahm. Mehrere Regionalstrecken konnten gar nicht mehr befahren werden. Auf der Strecke Stralsund-Berlin hatte sich am Sonntagmorgen ein Personenzug bei Anklam festgefahren, der erst nach Stunden befreit werden konnte. Die 14 Passagiere kamen teils im Anklamer Rathaus unter. Bis auf weiteres gesperrt wurden die Verbindungen Sanitz (bei Rostock)-Tessin, Grimmen-Demmin, Bergen auf Rügen-Putbus, Stralsund-Greifswald-Pasewalk, Neubrandenburg-Güstrow, Stralsund-Barth, Wolgast-Züssow und Zinnowitz-Peenemünde.
Überschwemmung in Lübeck
Der Fährbetrieb innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern musste weitgehend eingestellt werden. Unterbrechungen gab es zudem im Fährverkehr nach Skandinavien.
Probleme gab es auch an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein: Bei Dahmeshöved zwischen Lübeck und der Insel Fehmarn seien die Wellen derart heftig auf die Wallanlagen getroffen, dass der Deich unterspült wurde, sagte die Sprecherin des Kreises Ostholstein, Anja Sierks-Pfaff. "Sandsäcke haben hier nicht mehr ausgereicht. Wir mussten große Findlinge und Steine herbeischaffen, um die Anlage zu sichern."
"Das habe ich lange nicht erlebt"
Auch in Lübeck-Travemünde sah es zeitweise dramatisch aus: "Die Wellen der Ostsee peitschen gegen die steinerne Strandpromenade, reißen mit ungeheurer Wucht Ziegelsteine aus der Mauer, die dann unkontrolliert herumfliegen", teilte die Polizei mit. In Lübeck stieg der Pegel auf 6,50 Meter, das Wasser trat über die Ufer und flutete die Straßen und Gassen der historischen Altstadt. "In der Nacht hat es hier so stark gestürmt, das habe ich lange nicht erlebt", sagte Anwohner Boris Schätzle der Nachrichtenagentur DAPD.
Auf den Straßen in Schleswig-Holstein ereigneten sich nach Polizeiangaben mehr als 200 Unfälle. Eine 18-jährige Fahrerin wurde lebensgefährlich verletzt. "Ein Abschnitt der Autobahn 20 zwischen Lübeck und Bad Segeberg musste in der Nacht zu Sonntag wegen Schneeverwehungen gesperrt werden", berichtete ein Polizeisprecher. Der Schnee habe sich dabei stellenweise bis zu drei Meter hoch aufgetürmt.
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