Flugzeug rast in Menschenmenge: "Es war ein Bild der Verwüstung"
zuletzt aktualisiert: 27.04.2008 - 16:10Eisenach-Kindel (RPO). "Zuerst habe ich zwei dumpfe Schläge gehört. Da war mir gleich klar, dass was passiert war", sagt Marco Schmidt. Er ist Fotograf und war Augenzeuge des Unglücks, dass sich am Samstag bei einer Flugschau in Eisenach ereignete. Ein Flugzeug war in eine Menschenmenge gerast. Eine 46-jährige Frau wurde in den Tod gerissen. 13 Menschen wurden verletzt. Noch immer schweben ein 14-jähriges Mädchen aus Hessen und ein 52-jähriger Mann aus Thüringen in Lebensgefahr.
"Ich hörte aufgeregte Schreie und bin gleich herbeigeeilt, da sah ich das gelbe Flugzeug etwa 200 Meter abseits des Rollfeldes", sagte Schmidt. "Überall verteilt lagen Verletzte. Es war ein Bild der Verwüstung. Man konnte gar nicht mehr erkennen, dass es eine Bude war, in der Zuckerwatte verkauft wurde, der Stand war komplett zerlegt."
Missglückter Start
Der Pilot des Agrarflugzeuges wollte vor rund 5000 Zuschauern eine Löschübung vorführen, doch er war gleich beim Start im halb fliegenden Zustand von der Startbahn abgekommen, wobei die Räder im Abstand von mehreren Metern immer wieder auf dem Gras aufsetzten. Schließlich schlug die gelbe "Z 37" mit dem Zeichen D-ESVU einen Bogen und raste in eine Rettungshundestaffel, zerstörte eine Verkaufsbude für Zuckerwatte und andere Süßigkeiten, wobei die 46-jährige Verkäuferin auf der Stelle ums Leben kam. Danach streiften die Tragflächen einen weiteren Verkaufswagen und ein Eisenbahn-Karussell, das zum Glück nicht im Betrieb war, da man den Strom abgeschaltet hatte. Erst dann kam das Flugzeug zum Stehen.
Probleme mit rücksichtslosen Gaffern
"Es war ein regelrechtes Chaos", berichtet Augenzeuge Mario Gentzel. "Der Moderator der Veranstaltung sagte immer wieder, dass die Leute Ruhe bewahren sollten, aber sie wurden immer nervöser und strömten so nahe wie möglich an den Unglücksort", sagte Gentzel, der erst kurze Zeit zuvor von dem Karussell aus Fotos für die "Thüringer Allgemeine" gemacht hatte.
"Was mich am meisten schockiert hat, das waren diese Leute, die herankamen und zuschauen wollten", sagt der Sprecher des Technischen Hilfswerks Thüringen (THW), Rainer Beichler, der AP. "Wir haben zuerst abgesperrt und versucht zu helfen. Das Flugzeug ist direkt in die Rettungshundestaffel aus Hessen gerast, auch zwei Hunde wurden dabei getötet. Die verletzten Menschen lagen auf der Wiese und bekamen Infusionen in aller Öffentlichkeit. Aber diese Zuschauer nahmen keine Rücksicht. Sie wollten das Leid der anderen aus der Nähe sehen!"
Während er die Gaffer zurückdrängen wollte, sei jemand auf ihn zugekommen, die Zigarette in der Hand, und habe ihm wörtlich entgegnet: "Wir haben Eintritt bezahlt, wir dürfen das sehen."
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