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75 georgische Mafia-verdächtige verhaftet
Europaweit tätige Diebesbande zerschlagen

München/Wien (RPO). Der Polizei in Europa ist ein entscheidender Schlag gegen die georgische Mafia gelungen. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien wurden 75 mutmaßliche Mitglieder einer Organisation verhaftet, die mit Ladendiebstahl und Einbruch Millionen verdiente.

Der Kopf der Bande - ein 38-jähriger Georgier - sei in Barcelona gefasst worden, sagte der spanische Polizeiattaché Jesus Marquez-Navarro am Dienstag in München.

Nach einjährigen Ermittlungen wurden in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen, Hamburg, Brandenburg und Berlin am Montag 41 Objekte durchsucht und 17 Haftbefehle vollstreckt, wie Mario Huber vom Bayerischen Landeskriminalamt sagte. In Deutschland habe sich die Bande auf Ladendiebstähle spezialisiert. Sie habe auch direkt auf Bestellung von Hehlern geliefert, sagte Staatsanwältin Barbara Stockinger.

Von Kosmetika über Designerkleidung bis zu Laptops oder Kameras hätten die Diebe "alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war", sagte Huber. Jeden Monat hätten sie mehrere tausend Euro als "Mitgliedsbeiträge" an den deutschen Statthalter der Mafiabande abliefern müssen - einen 27-jährigen georgischen Aslybewerber in München. Der habe diese Beiträge und den Erlös der Beute dann an den Paten in Barcelona weitergeleitet.

Jeder dritte Wohnungseinbruch in Wien

Allein bei einem Einzelhändler in Bochum seien zwei Lastwagenladungen gestohlene Zigaretten, Spirituosen und Kosmetika sichergestellt worden. In Deutschland beschlagnahmten die Ermittler neben 20 Tonnen Ware 120.000 Euro und Kassenbücher des Chefs, in Österreich Waffen und 37 Kilogramm Schmuck, in Spanien gefälschte Pässe. In Wien sei die Bande für 30 Prozent der Wohnungseinbrüche verantwortlich, sagte der Direktor des österreichischen Bundeskriminalamts, Franz Lang. Innenministerin Maria Fekter sagte in Wien: "Wir haben eine mafiöse Struktur zerschlagen bis hin zur Spitze."

Den in Deutschland Verhafteten drohen langjährige Haftstrafen wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, schweren Bandendiebstahls, Geldwäsche und Bandenhehlerei. Was auf den ersten Blick wie Kleinkriminalität aussehe, sei in Wirklichkeit eine "gut strukturierte Verbrecherorganisation", sagte Marquez-Navarro. Huber sagte, die georgische Organisation habe eine Parallelgesellschaft aufgebaut, in der "ausschließlich nach eigenen Gesetzen gelebt" worden sei. Solche Mafiaorganisationen seien "eine ernsthafte Gefahr für unseren Staat und unsere Gesellschaft".

Die sogenannten Mitgliedsbeiträge der Diebesbanden in Dortmund, Münster, Braunschweig, Berlin, Hamburg, Nürnberg und München seien in eine Gemeinschaftskasse, den "Abschtschjak" geflossen. Im Gegenzug bekämen die Mitglieder Unterstützung auch bei Streit mit anderen Kriminellen oder bei einer Verhaftung. Alle in Deutschland Verhafteten hätten bislang geschwiegen.

(apd/das)
 
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