Der Fall Sürücü: Ex-Ehemann will Can in die Türkei holen
zuletzt aktualisiert: 21.04.2006 - 16:34Istanbul (rpo). Was mit Can Sürücü, dem Sohn der in Berlin von ihrem Bruder getöteten Hatun Sürücü, geschieht, ist noch unklar. Nach dem Urteil im "Ehrenmord-Prozesses" hat die Familie der Ermordeten das Sorgerecht für den Jungen beansprucht, jetzt möchte aber der Ex-Ehemann des Opfers das Kind mit in die Türkei nehmen.
Der Ex-Ehemann der in Berlin ermordeten Deutschtürkin Hatun Sürücü will alles daran setzen, seinen Sohn Can in die Türkei zu holen. Schon bald werde er die erforderlichen Anträge stellen, sagte Ismail Aslan am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in Istanbul. "Ich will Can in die Türkei holen", sagte Aslan. Can Sürücü lebt seit dem Tod seiner Mutter im Februar 2005 bei einer Pflegefamilie in Berlin. Nach dem Urteil im so genannten Berliner Ehrenmord-Prozess hatte die Familie Anspruch auf das Sorgerecht des Kindes erhoben. Angesichts der Tatsache, dass Hatun Sürücü von ihrem eigenen Bruder getötet wurde, werden dieser Forderung aber kaum Erfolgsaussichten eingeräumt. Nach Meinung von Experten hätte Ismail Aslan als leiblicher Vater des Kindes dagegen bessere Chancen.
Aslan sagte, er wolle mit seinem Sohn nicht in Deutschland leben, sondern in der Türkei, weil sein Lebensmittelpunkt in Istanbul sei. Noch habe er keine Anträge in Deutschland stellen lassen, um Can in die Türkei bringen zu lassen. "Ich werde aber bald anfangen", sagte er. Aslan ist inzwischen wieder verheiratet.
Mit Blick auf sein Verhältnis zu Hatun Sürücü nannte Aslan nur wenige Einzelheiten. Er bestätigte, dass Hatun und er offiziell geschieden wurden. Ismail Aslan und Hatun Sürücü sind Presseberichten zufolge Cousins. Die in Berlin aufgewachsene Hatun war Ende der neunziger Jahre mit Ismail verheiratet worden und war aus Deutschland in die Türkei gegangen. 1999 kehrte sie jedoch nach Berlin zurück, wo sie Can zur Welt brachte, während Ismail Aslan in der Türkei blieb. Türkische Zeitungen berichteten, Hatun sei von Aslan geschlagen worden und deshalb nach Berlin zurückgekehrt. Aslan sagte lediglich, es habe damals "Probleme" mit der Sürücü-Familie gegeben. Welcher Art diese Probleme waren, wollte er nicht sagen.
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