30 Jahre nach der Schleyer-Ermordung: Ex-RAF-Mann nennt die Namen der Mörder
zuletzt aktualisiert: 07.09.2007 - 19:22Hamburg (RPO). Vor 30 Jahren wurde Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer von der RAF ermordet, jetzt hat ein Ex-Terrorist ausgepackt. Peter-Jürgen Boock hat erstmals die Namen der angeblichen Mörder genannt.
"Es waren zwei Kommandomitglieder, Rolf Heißler und Stefan Wisniewski", sagte Boock in einem Interview für die NDR-Fernsehdokumentation "Die RAF". Heißler habe ihm die genauen Abläufe und auch den Ort der Erschießung in einem Waldstück unmittelbar hinter der belgisch-französischen Grenze geschildert, nachdem dieser sich aus Europa in ein palästinensisches Ausbildungslager im Jemen abgesetzt hatte, sagte Boock. Autoren der Dokumentation sind "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust und sein Kollege Helmar Büchel.
Boock selbst befand sich den Angaben zufolge mit weiteren Angehörigen des Entführerkommandos zum Zeitpunkt von Schleyers Erschießung in Bagdad. Gemeinsam mit Brigitte Mohnhaupt habe er nach den Selbstmorden der Stammheimer Gefangenen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe die Ermordung Schleyers per Fernschreiben angeordnet, sagte Boock den Filmemachern.
Erkenntnisse aus dem Obduktionsprotokoll stützen die Aussage Boocks, wie NDR und "Spiegel" mitteilten. Danach war Schleyer zwischen dem 18. Oktober mittags und dem 19. Oktober 1977 morgens mit drei Schüssen aus nur einer Waffe ermordet worden. Allerdings hatten unterschiedliche Schusswinkel auf zwei verschiedene Täter hingedeutet.
Gegenüber der Bundesanwaltschaft hat Boock seine Version der Abläufe zu Protokoll gegeben, nachdem ihm die Vernehmer mit Beugehaft gedroht hatten. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte am Freitag den Autoren der Dokumentation, dass Boocks Aussage "aktuell geprüft" werde.
Bereits im Frühjahr hatte die Bundesanwaltschaft neue Ermittlungen gegen Stefan Wisniewski eingeleitet, nachdem er von seinen früheren Genossen Verena Becker und Peter-Jürgen Boock als mutmaßlicher Schütze auch beim Anschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine Begleiter genannt worden war.
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