Schweinegrippe: Experten befürchten zwei Milliarden Fälle
zuletzt aktualisiert: 03.07.2009 - 14:11Düsseldorf (RPO). Die Schweinegrippe wird sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ungeahnter Schnelligkeit über den Globus ausbreiten. Schätzungen der WHO zufolge könnten bis zu zwei Milliarden Menschen erkranken. Bislang wurden weltweit fast 80.000 Infektionen und mehr als 330 Todesfälle registriert. Rund 100 Länder sind betroffen.
"Die internationale Ausbreitung des Virus ist nicht mehr zu stoppen", sagte WHO-Direktorin Margaret Chan auf der internationalen Konferenz über die Entwicklung der Krankheit in Mexiko. Mittlerweile seien speziell in Südamerika sogar Personengruppen betroffen, die ursprünglich nicht als gefährdet gegolten hätten.
"Aus Gründen, die wir noch nicht verstehen, sind junge Menschen gestorben, die vollkommen gesund waren", sagte Chan. Zudem habe sich der Zustand der Infizierten äußerst schnell verschlechtert.
Speziell für Schwangere und Personen mit Gesundheitsproblemen ist das Virus H1N1 sehr gefährlich. Bei Grippe-Symptomen sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Briten sehen Prognosen gelassen
Prekär droht die Lage in Großbritannien zu werden. Dort könnten die Schweinegrippefälle sich schon im August um täglich 100.000 erhöhen. Diese Prognose gab Gesundheitsminister Andy Burnham vor dem Unterhaus in London ab. Demnach will der Nationale Gesundheitsdienst das Grippemittel Tamiflu nicht mehr so großzügig verteilen wie bisher, um genügend Vorräte für ernsthafte Erkrankungen zur Verfügung zu haben. Zugleich sollen die Vorsichtsmaßnahmen verstärkt werden.
Die britischen Bürger sehen die erwartete Explosion der Schweinegrippe im Spätsommer aber gelassen. "Kommst du zu meiner Schweinegrippe-Party?" Diese Frage ist zurzeit angeblich populär in Großbritannien. Trotz ärztlicher Warnungen treffen sich manche gesunden Inselbewohner mit Infizierten, um sich an der frühen Form des H1N1 anzustecken und vor Schweinegrippe immun zu werden – einige Eltern nehmen sogar ihre Kinder mit.
Bislang haben sich in Großbritannien rund 6.000 Menschen mit dem Schweinegrippevirus H1N1 infiziert. Um eine Ausbreitung einzudämmen, wurde Tamiflu schon bei jedem Verdachtsfall vorbeugend eingesetzt. Die meisten Erkrankungen verliefen jedoch glimpflich. Allerdings starben bislang auch vier Briten an der Schweinegrippe. Als erster Londoner erlag am Donnerstag ein 19-jähriger Teenager dem Virus. Es sind bislang die einzigen Todesfälle in Europa - außer in Spanien, wo eine Frau dem neuartigen Virus erlag.
Fälle in Argentinien verdoppelt
In Argentinien hatte sich die offizielle Zahl der Schweinegrippe-Todesfälle in nur wenigen Tagen auf 46 erhöht. Damit habe sich die Zahl seit dem vergangenen Freitag nahezu verdoppelt, erklärte der argentinische Gesundheitsminister Juan Manzur. Experten rechnen in den kommenden Wochen mit einem weiteren Anstieg der Epidemie in Argentinien.
Mit der aktuellen offiziellen Bilanz ist Argentinien nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das weltweit am drittstärksten von der Epidemie betroffene Land. In den USA starben bislang 127 Menschen an dem Virus A (H5N1), Mexiko meldete 116 Todesfälle.
Fall in Dänemark bereitet Sorgen
Besorgt sind die Experten auch über einen Fall in Dänemark: Dort war Anfang der Woche der erste Fall eines Schweinegrippe-Patienten bekannt geworden, bei dem das Virus resistent gegen das Grippemittel Tamiflu wurde.
Die Person sei daher mit dem Medikament Relenza behandelt worden, teilten die Gesundheitsbehörden des Landes mit. Der Schweizer Tamiflu-Hersteller Roche erklärte, die Resistenzbildung bei dem Patienten bedeute nicht, dass das Virus A (H1N1) generell resistent gegen Tamiflu sei.
Laut den dänischen Gesundheitsbehörden ist der Patient inzwischen von dem Virus A (H1N1) geheilt und zeigt keine Anzeichen der Grippe mehr.
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