Schutz vor Hautkrebs: Experten fordern Sonnenbank-Verbot für Jugendliche
zuletzt aktualisiert: 14.11.2006 - 17:49Hamburg (RPO). Strahlenschutzexperten setzen sich für ein Solarien-Verbot für Jugendliche unter 18 Jahren ein. Angesichts von rund 130.000 Hautkrebsfällen pro Jahr sei es unverantwortlich, dünne Kinderhaut der hohen Belastung durch UV-Strahlen auszusetzen.
Das sagte der Dermatologe Eckart Breitbart stellvertretend für die Strahlenschutzkommission (SSK) am Dienstag im Rahmen eines Fachkongresses in Hamburg. Dabei betonten die Experten, dass es nicht nur um Verbote gehe, sondern vor allem darum, die Öffentlichkeit besser über das Thema Strahlung und Krebs zu informieren.
Im Zentrum des von der Deutschen Krebshilfe und dem Bundesumweltministerium ausgerichteten Kongresses stand der Hautkrebs, der in Deutschland die bösartige Tumorart mit der höchsten Steigerungsrate ist. "Die Menschen, die erkranken, werden immer jünger", sagte Breitbart. Während vor 30 Jahren die meisten Hautkrebs-Erkrankungen ab einem Alter von 60 Jahren aufgetreten seien, treffe es heute immer häufiger die Generation der 40-Jährigen. "Wir wissen inzwischen, dass der frühe Kontakt unserer Kinder mit UV-Strahlung dafür verantwortlich ist", sagte der Dermatologe. Die Haut merke sich jeden UV-Strahl, den sie im Laufe eines Lebens ausgesetzt gewesen sei.
Kinder sollten daher nicht nackt in der Sonne spielen und erst recht keine Solarien benutzen, da die künstliche UV-Strahlung ein Vielfaches der Mittagssonne am Äquator betragen könne. Laut Breitbart gehen rund 16 Millionen Deutsche regelmäßig auf die Sonnenbank, bei den 13- bis 18-jährigen Mädchen sind es 20 bis 25 Prozent. Angesichts dieser Zahlen sei ein Solarien-Verbot für Jugendliche unbedingt notwendig. "Gerade in der Pubertät braucht man nicht auf Vernunft zu setzen", sagte Breitbart. Auch die freiwillige Zertifizierung durch die Sonnenstudios würde nicht funktionieren.
Die wissenschaftliche Grundlage für eine gesetzliche Regelung hat die Strahlenschutzkommission dem BMU vor kurzem vorgelegt. Das Umweltministerium prüft den Bericht nach eigenen Angaben derzeit und stellt erste Ergebnisse für Anfang 2007 in Aussicht. "Ein mögliches Verbot könnte über den Jugendschutz laufen und muss daher mit dem Familienministerium abgesprochen werden", sagte Karl-Eugen Huthmacher vom BMU.
Besseres Bewusstsein schaffen
Den Experten ging es auf dem Kongress vor allem darum, in der Öffentlichkeit ein besseres Bewusstsein für das Thema Strahlung und Krebs zu erzeugen. "Das Risiko sollte weder übertrieben noch unterschätzt werden", sagte der Vorsitzende der Strahlenschutzkommission, Wolfgang-Ulrich Müller. So gebe es derzeit bei der viel diskutierten Handy-Strahlung weder epidemiologische noch biologische Nachweise, dass sie Tumore auslöse. "Es gibt viele Studien, die zeigen, dass die Angst vor Mobilfunk-Strahlung Einbildung ist", sagte Müller. Wenn da ein Risiko sei, dann ein sehr geringes.
Kritisch betrachtet werden hingegen in Mode gekommene freiwillige Früherkennungsuntersuchungen wie der so genannte Manager-Check mittels Computertomographie. "Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung bei diagnostisch und therapeutisch eingesetzten Strahlung ist eine wichtige Voraussetzung für den Strahlenschutz", sagte Müller. Beispielsweise bei Verdacht auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Darmkrebs sei die Strahlenbelastung höher als der Nutzen.
Auch die Belastung durch Radon, das nach Rauchen als wichtigster Lungenkrebsfaktor gilt, darf laut Expertenmeinung nicht unterschätzt werden. Das radioaktive Edelgas ist im Boden vorhanden und dringt durch Risse und undichte Stellen in Häuser. "Mit wenig Geld könnten wir 2.000 Lungenkrebskranke weniger im Jahr haben", sagte Erich Wichmann vom Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit. Mit entsprechenden Abdichtungsfolien könnte man einen enormen Erfolg erzielen.
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