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Felix von Quistorp ist tot: Experten gehen von tragischem Unglück aus

zuletzt aktualisiert: 03.01.2007 - 18:51

Weihenstephan (RPO). Der Fall des tot in einem Brunnen aufgefundenen Felix von Quistorp ist offenbar augeklärt. Der Obduktion zufolge handelt es sich um einen Unglücksfall ohne Fremdverschulden. Der Junge war seit Tagen verschwunden und wurde am Mittwochvormittag auf dem Anwesen seiner Großeltern in Weihenstephan entdeckt.  

"Die wahrscheinlichste Variante ist ein Unglücksfall", sagt Polizeisprecher Leonhard Mayer. Vorerst wollte er aber auch einen Freitod nicht ausschließen. Laut vorläufigem Obduktionsergebnis liegt zumindest kein Fremdverschulden vor. Felix ertrank demnach noch am Tag seines Verschwindens nach einem Sturz in den Brunnen.

Dass Felix Spross gleich zweier Adelsgeschlechter war, hat das Medieninteresse an dem Vermisstenfall zusätzlich angefacht. Mutter Freiin Maria von Fürstenberg, aus dem westfälischen Familie derer von Fürstenberg, widersprach nach dem Verschwinden ihres Sohnes der Ausreißer-Theorie der Polizei im Fernsehen. Sie versicherte, Felix habe sich seit Monaten auf ein Konzert und eine Geburtstagsparty gefreut, die der Potsdamer Internatsschüler unbedingt vor dem Jahreswechsel besuchen wollte.

Wo ist Felix von Quistorp? Foto: ddp, ddp

Vater Achim von Quistorp, Spross eines in das 14. Jahrhundert zurückreichenden Rittergeschlechts, widersprach allen Entführungstheorien: "Die Familie ist nicht vermögend. Wer Geld rausschinden will, macht sich vorher die Mühe herauszufinden, ob was zu holen ist", sagte der Geschäftsmann der "Süddeutschen Zeitung".

Das kleine Schloss gehört Großvater Erasmus von Fürstenberg. Der Forstwirt sitzt in dem niederbayerischen Hohenthann als einziger SPD-Gemeinderat einer Übermacht von CSU und Freien Wählern gegenüber. Kummer mit dem alten Gutshaus hatte der Schlossbesitzer bereits Ende August, als die früheren Stallungen bei einem Großfeuer ausbrannten. Nur die Feuerwehr konnte verhindern, dass die Flammen von den Wirtschaftsgebäuden auf das Wohngebäude übergriffen.

Der Großvater war der letzte, der Felix am Donnerstag nach Weihnachten lebend gesehen hatte. Beide besuchten zunächst das Armeemuseum in Ingolstadt und machten einen Stadtbummel durch Landshut. Gegen 15.30 Uhr kehrten sie in das Schloss zurück. Felix ging auf sein Zimmer. Als er bis 19.20 Uhr spurlos verschwunden war, rief der Großvater die Polizei.

Noch am Abend begann eine Suchaktion. Eine Hundertschaft der Polizei, unterstützt von freiwilligen Feuerwehren und Rettungshundestaffeln, durchkämmte die Wälder im Landkreis Landshut bis in die Morgenstunden. Bei der Suche stiegen Feuerwehrmänner auch in den 15 Meter tiefen Brunnen und leuchteten mit Scheinwerfern in das sechs Meter tiefe Wasser. Doch sie entdeckten nichts. Am folgenden Tag stiegen sie nochmals in den aus Backstein gemauerten Schacht bis zum Wasserspiegel und erkannten wieder nichts. Am Sonntag, dem Silvestertag, setzte die Kripo Landshut eine mehr als 20 Beamte starke Sonderkommission "Felix" ein.

Nachdem die Ermittler sämtliche Anlaufstellen von Felix im gesamten Bundesgebiet hatten ergebnislos abklappern lassen, kehrten sie am Mittwoch erneut zum Ursprung des Vermisstenfalles zurück. Diesmal forderten sie Taucher für den Brunnen an.

Holzdielen sollten Schacht sichern

Der über einen Meter Durchmesser breite Schacht ist fast ebenerdig in den Boden des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Gemäuers eingelassen. Beim Bau des Schlosses war die Wasserquelle im Haus Luxus. Eigentlich sollte der Brunnen mit schweren Holzdielen abgedeckt sein, sowohl am Boden als auch nochmals etwas tiefer. Allerdings fehlten mehrere der teils morsch anmutenden Bretter: "Warum, das wissen wir noch nicht", erklärte Polizeisprecher Mayer. Um 09.40 Uhr herrschte schließlich traurige Gewissheit: Ein Taucher fand den leblosen Körper des Jungen am Grund des Brunnens in dunkler Tiefe.

Die Nachricht löste auch in Brandenburg tiefe Bestürzung aus: "Gemeinsam mit der Familie und mit den Potsdamerinnen und Potsdamern habe ich tagelang gebangt und auf ein glückliches Ende gehofft", schrieb der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, Jann Jakobs. "Die schreckliche Nachricht, die ich nun erhielt, hat mich sehr getroffen."


 
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