Drama auf der Zugspitze: Extrembergläufer starb an Unterkühlung
zuletzt aktualisiert: 15.07.2008 - 15:32München (RPO). Die Obduktion der am Sonntag an der Zugspitze umgekommenen Bergläufer hat ergeben, dass zumindestens einer der beiden an Unterkühlung gestorben ist.
Vor allem die Kälte ist den beiden am Sonntag an der Zugspitze umgekommenen Extrembergläufern zum Verhängnis geworden. Die Obduktion habe ergeben, dass einer der beiden wegen Unterkühlung gestorben sei, sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl am Dienstag. Beim anderen sei die Todesursache im Bereich Unterkühlung und Herz/Kreislauf zu suchen, eindeutig habe sie aber nicht zugeordnet werden können.
Vorerkrankungen wie ein Herzklappenfehler seien bei der Obduktion nicht aufgefallen, sagte Hödl. Es sei aber auch nicht explizit nach ihnen gesucht worden.
Die Untersuchung des Unglücks, bei dem zwei Männer im Alter von 41 und 45 Jahren im Schneetreiben kurz unter dem Zugspitzgipfel zusammengebrochen und gestorben waren, dauere derzeit noch an, sagte Hödl. Noch sei unklar, ob es zu einem Ermittlungsverfahren gegen den Veranstalter oder auch andere kommen werde. Zu Details der Untersuchung wollte er vor Abschluss der Untersuchung keine Angaben machen.
Dabei geht es unter anderem darum, ob die Läufer auf das schlechte Wetter hingewiesen wurden. Dies soll nach Aussage mehrerer Teilnehmer der Fall gewesen sein. Läufer Stefan Semerias sagte dem Fernsehsender N24, dass auf einem Zettel an der Startnummernausgabe auf das Wetter hingewiesen worden sei. Als letzter Satz und doppelt unterstrichen habe dort "Zieht euch warm an" gestanden. Wer sich dann mit kurzer Laufkleidung in solche Höhen wage, trage auch einen Teil eigene Verantwortung. Viele Läufer seien auch mit falschem Schuhwerk unterwegs gewesen, das eher für die Stadt als für den Berg geeignet gewesen wäre, sagte er.
Sportverein erhebt Vorwürfe gegen Veranstalter
Dirk Brenscheidt, der Vorsitzende des Sportvereins TG Witten, dem einer der Umgekommenen angehörte, erhob Vorwürfe gegen den Veranstalter. Er vermute, dass dieser den Lauf auch aus finanziellen Gründen nicht abgesagt habe, sagte Brenscheidt der Nachrichtenagentur AP. Der Veranstalter habe wohl Problemen mit den Sponsoren aus dem Weg gehen wollen.
Der Lauf hätte bei dem schlechten Wetter nicht gestartet werden dürfen oder zumindest deutlich verkürzt werden müssen. Extremsport sei zwar immer auch ein Risiko aber es gebe eine Punkt, an dem der Veranstalter Verantwortung übernehmen müsse.
Der Veranstalter Laufs, die Garmisch-Partenkirchener getgoing GmbH, erklärte auf ihrer Homepage, dass die laufenden Untersuchungen noch keine Stellungnahme zuließen, und verwies an die Münchner Staatsanwaltschaft. "Wir möchten es jedoch nicht versäumen, an dieser Stelle unser tiefstes Bedauern und unsere persönliche Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen", heißt es auf der Seite weiter. Telefonisch war getgoing zunächst nicht zu erreichen.
Am Sonntag war der Extremberglauf auf die Zugspitze über 16,1 Kilometer und rund 2.000 Höhenmeter im Schneetreiben und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zur Katastrophe geworden. Zwei Männer starben, sechs weitere Sportler wurden mit Unterkühlungen ins Krankenhaus eingeliefert, konnten aber am Montag wieder entlassen werden.
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