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Facebook-Post
Aldi-Marke "Meine Metzgerei" gerät im Netz in die Kritik

Facebook-Post: Aldi-Marke "Meine Metzgerei" wegen Massenschlachthof in der Kritik
Die Nüstern eines Holstein-Rindes (Symbolbild) FOTO: Friso Gentsch
Düsseldorf. Wegen einer neuen Transparenz-Offensive kann man bei Aldi Nord mittels eines QR-Codes die Herkunft des Fleisches herausfinden. Doch dahinter steckt nicht die Metzgerei um die Ecke, sondern ein Massenschlachtbetrieb. Der Food-Blogger Hendrik Haase beschwert sich darüber im Netz.

Wer Hackfleisch in der Metzgerei kauft, erwartet qualitativ gutes Fleisch von einer dem Metzger bekannten Rinderzucht, das dann vom Metzger-Meister fachgerecht zerlegt und gewolft wird. Was man nicht erwartet, ist, dass in einer Packung Material von mehreren hundert Kühen stecken kann. Dies ist aber unter Umständen der Fall, wenn man Rinderhack der Marke "Meine Metzgerei" von Aldi Nord kauft. Die Marke gibt es auch bei Aldi Süd. 

Seit einiger Zeit wirbt Aldi Nord mit Transparenz – und gibt damit einer Verbrauchererwartung nach. Wer einen QR-Code auf der Verpackung scannt, erhält Informationen über die Herkunft des Fleisches. Soweit so gut. 

Ach Aldi Nord, aus "Meiner Metzgerei" soll Dein Hackfleisch nun neuerdings kommen, so versprichst Du es zumindest auf...

Posted by Hendrik Haase / wurstsack on Donnerstag, 20. Juli 2017

Post wurde 3200 Mal geteilt

Nun hat der Food-Blogger und kulinarische Aktivist Hendrik Haase aus Berlin eben diesen Versuch unternommen – und war über das Ergebnis enttäuscht. Dieser Enttäuschung verlieh er in einem Facebook-Posting Ausdruck, das binnen weniger Tage fast 3200 Mal geteilt wurde (Stand: 24. Juli, vormittags). Darin beklagt er, dass das Fleisch, das unter der Aldi-Marke "Meine Metzgerei" verkauft wird, von einem riesigen Schlachthof in Norddeutschland kommt. Zwar werde deutlich, wo die Rinder geschlachtet werden, doch woher die Tiere kommen, sei nicht erkennbar. Außerdem werde das Fleisch anschließend in Oldenburg zerlegt und weiterverarbeitet und danach noch mehrere hundert Kilometer an den Verkaufsort transportiert. Mit dem Slogan "Qualität und Frische" habe das nichts zu tun. Mit seinem Post hat Haase bislang etwa eine Million Menschen erreicht, sagt er. 

Auf der Seite des Schlachtbetriebs, der zum Danish-Crown-Konzern gehört, erfährt man zum Beispiel, dass in Husum etwa 2000 Rinder in der Woche geschlachtet werden. Damit können in einer Packung Hackfleisch von Aldi Fleischbestandteile von mehreren hundert Kühen stecken, sagt Haase. "Danish Crown" ist nach Brancheninformationen der fünftgrößte Rinderschlachter in Deutschland – und damit wohl außerhalb der Kategorie "Metzgerei". Bei Aldi Süd kommt das Fleisch, das unter demselben Label verkauft wird, von Fleischproduzent Tönnies. 

Haase steht in Konkurrenz zu Aldi Nord in Berlin

Haase betreibt selbst eine kleine Metzgerei "Kumpel& Keule" in Berlin und ist damit selbst auch Konkurrent von Aldi. Seine Metzgerei ist in der Markthalle 9 im Stadtteil Kreuzberg, ein Ort für "anders Essen" und "anders Einkaufen" im bewussten Umgang mit Umwelt und Tieren. In der Markthalle befindet sich auch eine Aldi-Nord-Filiale. Dort hat Haase das Foto aufgenommen, das er am Donnerstag bei Facebook postete. 

Die Facebook-Nutzer, die auf den Post reagiert haben, sind nicht gerade schockiert. Dass es bei Aldi, Lidl und Co. Fleisch aus der Massenproduktion gibt, ist bekannt. "Ganz ehrlich, wenn du Qualität willst, wie beim Metzger deines Vertrauens, dann solltest du vielleicht auch bei eben diesem einkaufen und nicht bei einem Discounter für das halbe Geld – und dann auch noch political correctness erwarten...", schreibt jemand. Eine Nutzerin bezweifelt, dass Aldi-Kunden an Transparenz interessiert sind.

Auf Anfrage unserer Redaktion teilte Aldi Nord mit, dass man sich bewusst sei, "dass wir derzeit nicht die komplette Lieferkette mit dem ATC (Aldi Transparenz Code) abbilden". Man gehe allerdings schon über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Trotzdem würde man gerne noch konkretere Angaben zur Herkunft des Fleischs zur Verfügung stellen. Dies sei jedoch für die beteiligten Betriebe ein enormer technischer Aufwand. Als Händler stehe man am Ende einer komplexen Lieferkette, somit sei man auf die Weitergabe der Informationen jedes einzelnen Betriebes angewiesen.

"Wir leben in einer Supermarkt-Welt. Das ist so", sagt indes Haase. "Ich beobachte trotzdem, dass mehr Menschen sich kritisch mit ihrem Fleisch-Konsum beschäftigen und das merkt auch Aldi, daher kommt ja die Idee zu dieser Marke, die ein Näheverhältnis zwischen Käufer und Produkt suggeriert. Doch das Versprechen wird nicht erfüllt." 

Hier lesen Sie, warum es so wenige Metzgereien gibt in NRW.

(heif)
 
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