Mordanschlag von Passau: Fahndung nach einem Mann mit Schlangentattoo
zuletzt aktualisiert: 18.12.2008 - 19:08Passau (RPO). Er soll ein Glatze und ein auffälliges Schlangentattoo haben sowie kräftig gebaut sein: Die Fahndung nach dem Attentäter, der den Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl verübte, läuft auf Hochtouren.
Die Spur führt zu einer besonders gewaltbereiten Münchner Neonazigruppe. Der in Untersuchungshaft sitzende 33-Jährige sei ein "Kamerad der Freien Nationalisten München", heißt es auf der Homepage der Gruppierung. Dem Mann und seiner 22-jährigen Ehefrau wird Beihilfe zum versuchten Mord vorgeworfen.
Die beiden bestreiten die Vorwürfe, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch am Donnerstag erklärte. Die Eheleute hätten sich aber inzwischen gegenseitig in ihren jeweiligen Aussagen widersprochen.
Fahndung nach Attentäter auf Hochtouren
Die Fahndung nach dem eigentlichen Attentäter und möglicherweise nach einer weiteren Person lief derweil in Deutschland, Österreich und Tschechien auf Hochtouren weiter, wie Walch sagte. Die Polizei veröffentlichte zwei ähnliche Beschreibungen, in denen jeweils von einem großen kräftigen Mann mit Glatze und einer auffälligen Schlangentätowierung beziehungsweise einem Muttermal am Kopf die Rede ist. Eine lieferte das Opfer, die andere ein Zeuge, der einen Skinhead in den Abendstunden im Wohnort des Opfers gesehen hat. Es könne aber auch sein, dass es sich um ein und dieselbe Person handele, erklärte die Polizei. Derzeit werde an Phantombildern gearbeitet.
Ziercke warnt vor Strategiewechsel der Rechtsextremisten
Der bayerische Verfassungsschutz schätzt die "Freien Nationalisten München" als "betont aggressiv" und "gewaltbereit" ein, wie ein Behördensprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP sagte. Die Gruppe akzeptiere Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung und sei den sogenannten nationalen Autonomen zuzuordnen. Diese gewaltbereiten Rechtsextremisten traten erstmals bei den Maikrawallen in Hamburg größer in Erscheinung. Mit schwarzer Kleidung, Turnschuhen, Sonnenbrillen, Baseball-Kappen und Kapuzenpullovern sind sie auf den ersten Blick von "linken" Gegendemonstranten kaum zu unterscheiden.
Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, bezifferte das Netzwerk dieser militanten Rechten im "Focus" auf bundesweit über 400 Anhänger. Sollte sich diese neue Bewegung in der Szene durchsetzen, fürchtet Ziercke den Angaben zufolge einen Strategiewechsel bei Aufmärschen und Demonstrationen: "Von einem möglichst disziplinierten und zurückhaltenden Auftreten hin zu militanterem Auftreten mit gewalttätigen Aktionen", wurde er zitiert. Direkt nach dem Anschlag auf Mannichl war bereits von einer neuen Qualität der rechtsextremistischen Gewalt gesprochen worden.
Mannichl an Weihnachten zu Hause
Bislang gingen laut Polizei rund 40 Hinweise aus der Bevölkerung ein, davon allein 20 seit Veröffentlichung des Fahndungsaufrufs am Mittwoch. Ein weiterer Festgenommener aus der rechten Szene wurde nach Angaben der Ermittler wieder freigelassen.
Der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl war am Samstag vor seinem Wohnhaus in Fürstenzell niedergestochen worden. Inzwischen geht es ihm so gut, dass er aus Sicht der Ärzte Weihnachten zu Hause verbringen könne, wie Polizeidirektor Anton Scherl sagte.
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