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Fall Hatun Sürücü
Mordanklage nach zehn Jahren

Fall Hatun Sürücü - Mordanklage nach zehn Jahren
Zahn Jahre nach dem Mord ist der Fall immernoch offen. FOTO: ddp, ddp
Berlin/Ankara. Hatun Sürücü wurde im Februar 2005 in Berlin mit drei Kopfschüssen hingerichtet. Schnell gerieten ihre Brüder ins Visier – der Begriff Ehrenmord wurde bundesweit bekannt. Nach zehn Jahren gibt es nun einen Prozess.

Zehn Jahre nach dem Mord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü in Berlin hat die türkische Generalstaatsanwaltschaft in Istanbul einem Zeitungsbericht zufolge zwei Brüder des Opfers angeklagt. Dies geht aus einem Schreiben der türkischen Botschaft an das Bundesamt für Justiz hervor, wie die "Bild am Sonntag" berichtete. Die 23-jährige Hatun Sürücü war im Februar 2005 in der Hauptstadt auf offener Straße mit drei Kopfschüssen getötet worden - mutmaßlich von Familienangehörigen, die den westlichen Lebensstil der jungen Frau missbilligten.

Wegen des Mordes verurteilte das Berliner Landgericht im April 2006 nur den jüngeren Bruder Ayhan zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten. Die beiden mutmaßlichen Mittäter Mutlu und Alpaslan Sürücü sprachen die Richter aus Mangeln an Beweisen frei. Als der Bundesgerichtshof im August 2007 die Freisprüche aufhob, hatten sich die Brüder bereits in die Türkei abgesetzt.

Die wichtigsten Fragen zum Thema "Ehrenmord" FOTO: AFP

In dem Schreiben der türkischen Botschaft an das Bundesamt für Justiz heißt es nun laut "BamS": "Das Justizministerium der Republik Türkei teilt mit, dass gegen die Betroffenen wegen (. . .) der Begehung eines Mordes zum Nachteil eines Familienangehörigen am 10. März vor dem 10. Schwurgericht in Istanbul Anklage durch die Generalstaatsanwaltschaft Istanbul erhoben wurde."

Wann der Prozess beginnt, ist dem Bericht zufolge allerdings noch unklar. Zuletzt lebten Mutlu und Alpaslan Sürücü demnach in Istanbul gemeinsam mit ihrem Bruder Ayhan. Nachdem dieser fast seine gesamte Haftstrafe in Berlin absitzen musste, wurde er laut "BamS" am Tag seiner Entlassung in die Türkei abgeschoben.

Der Berliner Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) wertetet die Anklageerhebung als "sehr gute Nachricht". "Ich habe mich schon vor zwei Jahren dafür eingesetzt, dass die türkischen Behörden alle Unterlagen erhalten, um ihrerseits genügend Material für eine Anklage in der Hand zu haben", sagte er der "BamS".

Auch die Grünen-Abgeordnete und Rechtsausschuss-Vorsitzende Renate Künast sprach von einer "lang ersehnten Nachricht". "Das ist nicht nur eine Nachricht des Respektes vor der Selbstbestimmung von Frauen über ihre Lebensweise", erklärte Künast in Berlin. "Tätern in Deutschland wird jetzt auch die Botschaft gesandt, dass sie sich dem Strafverfahren nicht entziehen können, indem sie sich in die Türkei absetzen." Künast fügte hinzu: "Es gibt keine sogenannten Ehrenmorde - Mord ist Mord."

(AFP)
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