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Vorwurf der Vergewaltigung
Mutter bleibt bei Lisas Version des Tathergangs

"Fall Lisa": Mutter Svetlana F. bleibt bei der Version ihrer Tochter
Im Interview mit "Spiegel TV" spricht Svetlana F. über den Fall ihrer Tochter Lisa. FOTO: Screenshot/Spiegel TV
Berlin. Für die Staatsanwaltschaft ist der "Fall Lisa" beendet. Die 13-jährige wurde weder entführt noch vergewaltigt, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Jetzt spricht erstmals die Mutter des Mädchens - und schildert erneut die Version ihrer Tochter.

"Es war eine Einzimmerwohnung. Sie sah unbewohnt aus. Es gab nur ein Bett und ein Sofa. Auf dem Fußboden waren Flaschen mit Alkohol. Ansonsten gab es einen Spiegel mit einem weißen Tuch darüber", erzählt Lisas Mutter im Interview mit "Spiegel TV".

Der Fall Lisa F. sorgte für Proteste von Russlanddeutschen gegen Flüchtlinge und für diplomatische Spannungen zwischen Berlin und Moskau. Bei SPIEGEL TV hat sich die Mutter der 13-Jährigen geäußert.

Posted by SPIEGEL.TV on  Montag, 1. Februar 2016

"Ich kann mich an die weiteren Details ihrer Erzählung nicht mehr erinnern. Danach haben sie ihr befohlen sich auszuziehen. Lisa zog sich aus - und dann hat es jeder der Männer der Reihe nach mit ihr getan."

Svetlana F. hält also weiterhin an der Version ihrer Tochter fest. Diese sei mit trockenen Lippen, Hämatomen unter den Augen und Blut im Mund nach Hause gekommen, berichtet die Mutter. Dann habe Lisa ihr geschildert, wie sie von drei Männern entführt und vergewaltigt wurde. Zu den Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft äußerte sich die Mutter nicht.

Die 13-Jährige Lisa aus Marzahn-Hellersdorf war am Morgen des 11. Januar für 30 Stunden verschwunden und hatte danach ihrer Familie von einer Entführung und Vergewaltigung durch eine Gruppe südländisch aussehender Männer erzählt. Die Polizei fand dafür keinerlei Bestätigung. Auch eine medizinische Untersuchung ergab nichts in dieser Richtung. Bei ihren Befragungen präsentierte das Mädchen vier verschiedene Versionen für die Zeit ihres Verschwindens. Der Fall wurde zum Politikum und führte zu Irritationen zwischen Moskau und Berlin.

Ermittelt wird weiterhin gegen zwei junge Männer wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs. Sie werden verdächtigt, in den Monaten vor dem Verschwinden des Mädchens sexuelle Kontakte zu ihr gehabt zu haben. Die Polizei geht davon aus, dass die 13-Jährige die Männer schon über Monate kannte. Weil das Mädchen jünger als 14 Jahre ist, ist Sex mit Erwachsenen immer strafbar.

In den Wochen nach dem Wiederauftauchen des Mädchens gab es große Aufregung unter vielen Russlanddeutschen in Berlin. Im Internet wurden Verschwörungstheorien und fremdenfeindliche Hetze gegen Flüchtlinge verbreitet. Russische Medien heizten die Stimmung an.

Experten glauben, dass der Kreml selbst hinter der Kampagne stecken könnte, um die Stimmung in Deutschland anzuheizen. Es könnte eine Art Rache an Kanzlerin Merkel sein, die sich für Sanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise eingesetzt hatte.

Lisa ist derzeit in einem Krankenhaus und befindet sich dort in stationärer psychiatrischer Behandlung.

(gol/dpa)
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