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Neue Vorwürfe im Fall Mohamed
Polizei soll erst die Familie verdächtigt haben

Trauerfeier um Elias - ein Kerzenmeer in Potsdam
Trauerfeier um Elias - ein Kerzenmeer in Potsdam FOTO: dpa, rhi gfh
Berlin. Im Fall des getöteten Mohamed (4) hat die Polizei in Berlin nach einem Medienbericht zunächst dessen Familie im Verdacht gehabt. Ernsthafte Ermittlungen wurden demnach erst Tage später aufgenommen.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" beruft sich auf Ermittlungsakten. Darin heiße es, dass am Tag nach der Entführung "nicht zweifelsfrei" festzulegen gewesen sei, "ob es sich tatsächlich um einen Vermisstenfall oder vielmehr um Familienstreitigkeiten handelte".

Ein Polizeisprecher betonte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die Familie sei nie Beschuldigter im Verfahren gewesen. Die Mutter habe zunächst aber mehrfach zu den Umständen von Mohameds Verschwinden gelogen.

Mohamed und Elias wurden Opfer

In einer bislang unveröffentlichten Schriftlichen Anfrage der Grünen ist die Rede davon, dass die Polizei zunächst von einer vorgetäuschten Entführung durch die Familie ausgegangen sein soll.

"Grundlage für die Aufnahme der Ermittlungsarbeit durch die Polizei Berlin war die von der Kindesmutter erstattete Vermisstenanzeige", heißt es in der Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Inneres, die der dpa vorliegt. Auch der "Spiegel" zitiert daraus. "Zu Beginn der Ermittlungsarbeit lagen keine konkreten Anhaltspunkte vor, die deliktische oder nicht-deliktische Ursachen für das Verschwinden des Mohamed in den Vordergrund gerückt hätten."

Mohamed war am 1. Oktober 2015 vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt worden.  Ende Oktober hatte ein 32-jähriger Brandenburger zugegeben, sowohl den Vierjährigen als auch den Potsdamer Jungen Elias getötet zu haben. Der Mann sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Von "Pegida" instrumentalisiert

Die Familie des ermordeten Elias zeigte sich derweil am Freitag wütend über den örtlichen Pegida-Ableger. Die fremdenfeindliche Bewegung hatte Berichten zufolge bei einer Kundgebung in Elias' Heimatstadtteil am Mittwochabend ein Lied mit dem Titel "Wir hassen Kinderschänder" gesungen. Die Familie wertet das als Instrumentalisierung des Mordes an dem Sechsjährigen.

Auf der Facebook-Seite zum Gedenken an den Jungen schreiben die Betreiber, es mache sprachlos, "den Mord von Elias zu nutzen, um diesen faschistischen Mist abzuziehen". Die Familie spreche sich ausdrücklich gegen Fremdenfeindlichkeit aus. Die "Märkische Allgemeine Zeitung" berichtete am Freitag darüber.

Der Potsdamer Ableger der Pegida-Bewegung, Pogida, hatte demnach am Mittwoch bei einem Aufmarsch ein Lied gespielt, dessen Text sich aus der Perspektive einer Mutter eines entführten Kindes gegen sexuellen Missbrauch richtet. Die Demonstration fand im Stadtteil Schlaatz statt, wo Elias im Juli vergangenen Jahres entführt worden war.

(dpa)
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