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20 Jahre nach mysteriösem Tod: Familie Barschel fordert Wiederaufnahme der Ermittlungen

zuletzt aktualisiert: 12.08.2007 - 10:49

Hamburg (RPO). Der Fall des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidents Uwe Barschel beschäftigt erneut die Ermittler. Knapp 20 Jahre nach seinem mysteriösen Tod, bittet die Familie Barschel um eine Aufnahme des Ermittlungsverfahrens. Die Bundesanwaltschaft überprüft zur Zeit den Vorgang.

Der ehemalige Kieler Ministerpräsident Uwe Barschel starb vor knapp 20 Jahren.  Foto: AP, AP
Der ehemalige Kieler Ministerpräsident Uwe Barschel starb vor knapp 20 Jahren. Foto: AP, AP

"Das Schreiben liegt uns vor, wir prüfen den Vorgang", erklärte ein Sprecher der Behörde gegenüber der Zeitung "Bild am Sonntag". Nach Informationen der Zeitung hat Generalbundesanwältin Monika Harms den schleswig-holsteinischen Generalstaatsanwalt Erhard Rex bereits schriftlich um eine Stellungnahme gebeten. Der Anwalt der Familie, Justus Warburg, habe die Karlsruher Behörde zuvor aufgefordert, "im Fall Barschel strafrechtliche Ermittlungen in eigener Regie aufzunehmen".

Barschels Witwe Freya und sein Bruder Eike waren immer überzeugt, dass Barschel in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober im Genfer Hotel "Beau Rivage" ermordet wurde. 1998 hatte die Lübecker Staatsanwaltschaft das Todesermittlungsverfahren eingestellt, ohne dass die Umstände des Todes endgültig aufgeklärt werden konnten.

Anwalt Warburg stützt sich dem Blatt zufolge in der Forderung nach neuen Ermittlungen unter anderen auf ein Gutachten des Toxikologen Hans Brandenberger, das belege, dass Barschel sich das tödlich wirkende Medikament Cyclobarbital gar nicht selbst habe beibringen können.

Generalstaatsanwalt Rex ist laut "Bild am Sonntag" skeptisch. "Barschels Tod bleibst rätselhaft. Ob er jemals aufgeklärt wird, bleibt offen. Es gibt Indizien für Selbstmord und Mord. In den letzten zwei Jahren haben wir 20 neue Hinweise überprüft, leider ohne Ergebnis", zitierte ihn das Blatt.

Ein geplantes Buch des damaligen ermittelnden Staatsanwalts Heinrich Wille, der heute Chef der Lübecker Staatsanwaltschaft ist, habe der Familie Anlass für ihre Forderung nach neuen Ermittlungen gegeben, berichtete die "Bild am Sonntag". Das Buch durfte nach einem Verbot von Willes Vorgesetztem nicht veröffentlicht werden, da er sein dienstlich erworbenes Wissen nicht privat vermarkten dürfe.

Früherer Ermittler sieht einzige Chance in Geständnis

Im Juni hatte Wille in einem Interview erklärt, nach menschlichem Ermessen könne es nur Mord gewesen sein. Doch heute sehe er keine Anhaltspunkte mehr dafür, die 1998 eingestellten Ermittlungen wieder aufzunehmen. "Die einzige Möglichkeit wäre die, dass jemand, der den Mord begangen hat, dies gesteht und wir das Geständnis prüfen könnten", sagte Wille. Im Fall Barschel habe es sich offenbar um einen höchst professionellen Mord gehandelt, der vermutlich mit Kenntnis staatlicher Stellen vollstreckt worden sei. "Es gibt wohl Wissensträger, sei es im Ausland, sei es im Bereich der CIA", sagte Wille. Er selbst sei bei den Ermittlungen an Grenzen gestoßen. Mit den Mitteln des Rechtsstaats sei der Todesfall Barschel nicht aufklärbar gewesen.

Die Barschel-Affäre gilt als einer der größten Politik-Skandale der Nachkriegszeit. Sie hat über mehr als zehn Jahre die Landespolitik in Schleswig-Holstein geprägt. Der damals 43-jährige Barschel war im Oktober 1987 im Genfer Hotel "Beau Rivage" tot in einer Badewanne aufgefunden worden. Zuvor hatte die so genannte Waterkantgate-Affäre mit Bespitzelung von Oppositionspolitikern, einem gebrochen Ehrenwort und schließlich dem Rücktritt Barschels das Land erschüttert.

Quelle: ap

 
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