Mädchen im Dunkeln ausgesetzt: Familie nimmt Bahn-Entschuldigung an
zuletzt aktualisiert: 24.10.2008 - 16:41Rostock/Bad Doberan (RPO). Nachdem eine Schaffnerin ein zwölfjähriges Mädchen aus dem Zug geworfen hatte, entschuldigte sich die Bahn mit mehreren Tickets. Die Familie des Mädchens hat die Entschuldigung angenommen.
Die Bahn entschuldigte sich nach eigenen Angaben für das Fehlverhalten ihrer Mitarbeiterin bei dem Mädchen und dessen Eltern mit einem Blumenstrauß und mehreren Fahrkarten. Diese Tickets gingen deutlich über das zunächst angedachte Länder-Ticket im Wert von 25 Euro hinaus und seien auf die Familie zugeschnitten, sagte ein Sprecher. Die Familie habe die Entschuldigung angenommen.
Die Zugbegleiterin, die nach dem Vorfall vom Dienst suspendiert worden war, wurde von der Bahn ausführlich zu ihrem Verhalten befragt. Die langjährige Mitarbeiterin habe beteuert, den Vorfall am liebsten rückgängig machen zu wollen, sagte ein Sprecher. Zu möglichen arbeitsrechtlichen Konsequenzen sei noch keine Entscheidung gefallen. Man warte nun zunächst die Untersuchungen der Justiz ab.
Die Bundespolizei gegen die Zugbegleiterin, die am Montag einem zwölf Jahre alten Mädchen die Weiterfahrt in einem Regionalzug in Mecklenburg-Vorpommern verweigert hatte. Die Bahn-Mitarbeiterin hatte das Kind bei anbrechender Dunkelheit auf dem Dorfbahnhof Parkentin ausgesetzt, weil das Mädchen keine Fahrkarte vorweisen konnte. Um den Vorfall aufzuhellen, würden jetzt im Auftrag der Staatsanwaltschaft Zeugen gesucht, sagte Polizeisprecherin Erika Krause-Schöne am Freitag.
"Wir prüfen im Auftrag der Staatsanwaltschaft, ob eine strafrechtlich relevante Verfehlung vorliegt", sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Ob der Vorfall die Zugbegleiterin den Job kostet, war noch unklar.
Mit ihrer Anweisung an das Kind, den Zug zu verlassen, hat die Schaffnerin gegen eine Dienstanweisung der Deutschen Bahn verstoßen. Demnach dürfen Minderjährige nicht vom Personenverkehr ausgeschlossen werden, auch wenn sie kein gültiges Ticket vorweisen können.
Nach Angaben der Mutter der Zwölfjährigen hatte die Zugbegleiterin dem Mädchen Schwarzfahren vorgeworfen. Die Schülerin war auf dem Weg von Bad Doberan nach Rostock zur Musikschule und hatte ihre Geldbörse mit Fahrschein zu Hause vergessen. Auf halber Strecke musste die Zwölfjährige in Parkentin den Zug verlassen, obwohl Mitreisende für sie bürgten und den Fahrschein lösen wollten. Das Kind musste bei einbrechender Dunkelheit fünf Kilometer zu Fuß nach Hause laufen. Der Fall hatte bundesweit für Empörung gesorgt, die Bahn hatte sich umgehend entschuldigt und die Zugbegleiterin vom Dienst suspendiert.
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