Umstrittener Vergleich: Faruk Sen will nicht gehen
zuletzt aktualisiert: 26.06.2008 - 19:34Essen (RPO). Wegen eines umstrittenen Vergleichs von Türken und Juden will sich das Zentrum für Türkeistudien (ZfT) von seinem Direktor Faruk Sen trennen - doch der will nicht gehen und sich zur Not juristisch wehren. Integrationsminister Laschet sprach von einer Schädigung der deutschen Integrationspolitik.
Der Vorstand beantragte nach einer Krisensitzung am Donnerstag die sofortige Abberufung des 60-Jährigen beim Düsseldorfer Integrationsminister und Kuratoriumsvorsitzenden Armin Laschet. Die Kuratorium wird nach eigenen Angaben in frühestens zwei Wochen eine Entscheidung fällen. Sen bezeichnete die Forderung nach seiner Abberufung in der Berliner "tageszeitung" (Freitagsausgabe) als "Überreaktion des Vorstands". Dessen Beschluss sei "absolut falsch" und für ihn nicht hinnehmbar. "Das ist eine Entscheidung, gegen die ich mich juristisch wehren werde", sagte Sen, der sich laut "taz" zur Zeit in Istanbul aufhält.
In einer in Essen verbreiteten Erklärung von Sen hieß es, nach einem Gespräch mit dem früheren Vizevorsitzenden des jüdischen Zentralrats, Michel Friedman, bedauere er ausdrücklich seinen Vergleich. Es sei vollkommen klar, "dass nicht nur das Schicksal der Juden in der Nazizeit und das der Türken unvergleichbar sind". Auch habe die gesamte 2000-jährige Geschichte der Judenverfolgung eine einmalige Qualität, die historische Vergleiche überhaupt verbiete. Sen wolle dies in seiner nächsten Kolumne in dem türkischen Blatt klarstellen.
Faruk Sen hatte die Situation der in Europa lebenden Türken in einem türkischen Zeitungsbeitrag mit der Judenverfolgung in der Nazizeit verglichen und damit heftigen Widerspruch ausgelöst. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hatte der Wissenschaftler die türkischstämmige Bevölkerung als die "neuen Juden Europas" bezeichnet. Obwohl sie seit 47 Jahren in Mittel- und Westeuropa beheimatet seien, würden sie " - wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und unterschiedlichen Erscheinungsformen - wie die Juden diskriminiert und ausgeschlossen".
Ruf des Zentrums geschadet
Der Vorstand erklärte nun, trotz aller bisherigen Verdienste Sens sehe er für die zukünftige Entwicklung des Zentrums keine Alternative zur Abberufung des Direktors. Sen habe dem deutsch-türkischen Verhältnis und dem Ruf des Zentrums schwer geschadet. Durch seine Äußerungen vermittle der Direktor insbesondere in den türkischen Medien einen verzerrten Eindruck über das Zusammenleben von Deutschen und Türken und polarisiere damit, statt zur Integration beizutragen. Sen ist seit Gründung des Zentrums im Jahr 1985 als Direktor im Amt.
Minister Laschet erklärte, er bedaure den Vorgang, da Sen entscheidend zum Renommee des Zentrum beigetragen habe. Mit seinen unbedachten Äußerungen habe er jedoch der Integrationspolitik in Deutschland geschadet. Dies stehe im krassen Widerspruch zu den Zielen der Stiftung, fügte der CDU-Politiker hinzu.
Der einstimmig gefassten Entscheidung des Vorstands zur Abberufung Sens ging offenbar schon ein länger schwelender Konflikt voraus: So teilte der Vorstand mit, nicht nur die jüngsten öffentlichen Äußerungen hätten dem Vertrauensverhältnis einen schweren Schaden zugefügt. Sen sei bereits mehrfach vom Vorstand auf seine Pflichten hingewiesen worden, weil er fortlaufend gegen den Stiftungszweck verstoße.
Faruk Sen selbst konnte laut ZfT aufgrund einer Erkrankung nicht an der Krisensitzung teilnehmen. Dem Vorstand lag jedoch eine schriftliche Stellungnahme des Direktors vor.
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