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Mütter unter Verdacht: Fassungslosigkeit nach Fund von Kinderleichen

zuletzt aktualisiert: 05.12.2007 - 22:18

Kiel (RPO). Fünf getötete Kinder im schleswig-holsteinischen Darry, drei tote Babys im sächsischen Plauen - in den vergangenen Tagen häufen sich die Schreckensmeldung von Kindstötungen. In beiden Fällen sollen es die Mütter gewesen sein, die ihre Kinder direkt nach der Geburt oder wenig später umgebracht haben.

Fassungslos, ungläubig, erschrocken sind Bevölkerung und Regierung nach den grausamen Fällen in Sachsen und Schleswig-Holstein.

Darry, Schleswig Holstein

In einem Einfamilienhaus in Darry im Kreis Plön (Schleswig-Holstein) hat die Polizei am Mittwoch die Leichen von fünf Kindern gefunden. Die Jungen im Alter von drei bis neun Jahren sind Opfer einer Gewalttat geworden, wie die Polizei in Kiel am Abend mitteilte. Der Tat dringend verdächtig sei die 31-jährige Mutter der Kinder, die sich mittlerweile in einem psychiatrischen Krankenhaus befinde. Nach derzeitigem Erkenntnisstand dürfte das Motiv in einer psychischen Erkrankung der Frau zu suchen sein.

Zur Auffindesituation der fünf Kinderleichen wollte die Polizei keine Angaben machen. Die Mutter habe "selbst auf den Tod hingewiesen", sagte ein Polizeisprecher. Die Spurensicherung war am Abend in dem Haus angelaufen und sollte noch mehrere Stunden dauern.

Die Frau wohnte mit den Kindern alleine dort. Einem Medienbericht zufolge soll sie vor der Tat die Kinder mit Tabletten betäubt haben. Dies wollte der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick zunächst nicht bestätigen. Am Donnerstagmorgen sollten alle Leichen obduziert werden, vorher wolle er zu den Umständen des Todes keine Angaben machen, betonte er.

Mit Trauer und Betroffenheit hat die Landesregierung auf die Familientragödie reagiert. "Die furchtbare Tat wirft viele Fragen auf, die wir zurzeit nicht beantworten können. Wir stehen mit Fassungslosigkeit vor fünf jungen Menschen, die jetzt tot sind", sagten Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) und Innenminister Ralf Stegner (SPD) in Kiel. Erst die Untersuchungen der nächsten Tage könnten die Hintergründe des furchtbaren Ereignisses erhellen.

Plauen, Sachsen

Bei der wegen Tötung eines Babys verdächtigten 28-jährigen Frau aus der sächsischen Stadt wurden zwei weitere tote Säuglinge gefunden. Wie der Leiter der Polizeidirektion Südwestsachsen, Dieter Kroll, am Mittwoch mitteilte, hat die Frau die drei Mädchen 2002, 2004 und 2005 zur Welt gebracht. Zwei Leichen wurden am Dienstag und Mittwoch in ihrer Wohnung in Plauen entdeckt, in der Tiefkühltruhe und auf dem Balkon. Die Mutter bestreitet, dass sie die Kinder getötet hat. Gegen sie wurde jedoch Haftbefehl erlassen.

Die Leiche der im Jahre 2002 geborenen Celine fanden Polizisten bereits am Dienstag vergangener Woche im Keller der Wohnung einer Verwandten. Diese wusste nichts vom Inhalt des Koffers, in dem das Baby in Plastikfolie eingewickelt lag. Auch die anderen toten Babys waren so verpackt worden.

Die Mutter habe berichtet, dass sie die zwei Mädchen alleine in ihrer Wohnung am 13. Januar 2004 und am 14. September 2005 im Bad beziehungsweise im Schlafzimmer geboren habe, sagte Kroll. Die Kinder seien plötzlich tot gewesen. Ihren 28 Jahre alten Lebensgefährten gab die arbeitslose Frau als Vater der toten Töchter an. "Dieser Mann ist für uns momentan aber nur Zeuge", sagte der Polizeichef. Er will genau die wie übrige Verwandtschaft der Tatverdächtigen nichts von den Geburten bemerkt haben.

"Das ist für uns aber nur schwer vorstellbar", erklärte Kroll. Nach der Geburt am 28. Februar 2002 habe die Frau ihrem Partner gesagt, sie habe das Kind zur Adoption freigegeben. Das Paar lebte mit zwei Söhnen im Alter von sieben Jahren und einem Jahr zusammen.

Die 28-Jährige, die in einem sozial schwachen Umfeld lebe, sei in Plauen neunmal umgezogen, berichteten die Ermittler. Dabei habe sie auch die Babyleichen mitgenommen.

Die beiden Leichen sollen am Donnerstag obduziert werden. Im ersten Fall konnte der Gerichtsmediziner nicht mehr die Todesursache feststellen. Deshalb wurde bei einem Haftprüfungstermin am Dienstag der Haftbefehl aufgehoben. Parallel zum Haftprüfungstermin sei aber ihre Wohnung noch am gleichen Tage durchsucht worden.

Da hätten Kriminalbeamte die zweite Leiche in der Tiefkühltruhe gefunden. Daraufhin sei die Frau erneut festgenommen worden, berichtete Kroll. Nun erging ein neuer Haftbefehl wegen Verdachts des dreifachen Totschlags.

Quelle: ap

 
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