Altenheim-Bewohner: Fast die Hälfte von Mangelernährung bedroht
zuletzt aktualisiert: 11.09.2009 - 10:25Witten (RPO). Fast die Hälfte der Bewohner von Altenheimen ist von Mangelernährung bedroht. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Studie der Universität Witten/Herdecke hervor.
Viele der Bewohner äßen oder tränken nicht ausreichend, weil sie keinen Appetit hätten oder schwer krank seien, sagte die Pflegewissenschaftlerin Sabine Bartholomeyczik auf Anfrage. "Über die Hälfte der Bewohner haben eine Demenz, bei der Mangelernährung nur mit größten Anstrengungen zu verhindern ist."
Da in den meisten Heimen ein hoher Prozentsatz von kranken oder dementen Menschen lebe, sei das Risiko von Mangelernährung groß, so die Wissenschaftlerin.
Die Frage sei, ob sich die Einrichtungen darauf genügend einstellten und ob die Ausbildung der Pflegekräfte ausreichend sei. So könnten die Heime etwa Wert auf Zwischenmahlzeiten legen oder das Essen energie- und eiweißreich anreichern.
Der "Bild"-Zeitung sagte die Wissenschaftlerin, dass nur etwa die Hälfte der Altenpfleger professionell ausgebildet sei. "Die anderen Helfer sind gering qualifizierte Hilfskräfte."
Auch Pflegeexperte Sven Reuther, Mitautor der Studie, sieht die Altenheime in der Pflicht: "Die Ernährung der Alten wird von den meisten Pflegern nicht ernst genommen." Begünstigt werde die schlechte Betreuung der Bewohner aber auch durch immer weniger Personal in den Pflegestationen. "Da wird vieles einfach übersehen."
Für die Studie hatte die Hochschule im November 2008 und April 2009 rund 70 Altenpflegeeinrichtungen mit 6000 Bewohnern unter die Lupe genommen. Auf einer Tagung am heutigen Freitag sollen die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden.
Bartholomeyczik verwies darauf, dass in den Niederlanden solche Befragungen bereits seit 1998 regelmäßig durchgeführt würden. Auf diese Weise sei es gelungen, die Pflegenden zu sensibilisieren. "In Deutschland hinken wir mit solche Studien noch hinterher", fügte die Pflege-Expertin hinzu. Daher kooperieren die Wittener Pflegewissenschaftler mit der Forschergruppe an der Universität Maastricht, um von deren Forschungsmethoden etwas nach Deutschland zu importieren.
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