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Hundestaffel ohne Erfahrung: Finnische Bärenjäger warten auf Fährte von JJ1

zuletzt aktualisiert: 12.06.2006 - 16:33

Scharnitz (rpo). An der bayrisch-österreichischen Grenze warten sie auf eine frische Fährte: Vier finnische Bärenjäger, ihre speziell ausgebildeten Suchhunde und ein Tierarzt wollen die Spur des Braunbären JJ1 aufnehmen, ihn betäuben und so endlich fangen. Allerdings hat die Hundestaffel keinerlei Übung darin, einen Bären zu stellen. In Finnland würde JJ1 einfach abgeschossen werden.

Sobald es eine neue Spur des Bären gibt, wollen die Experten samt Betäubungsspezialist die Verfolgung aufnehmen. Ideal wäre eine weniger als eine Stunde alte Fährte, sagte Walter Wagner, der als Bärenanwalt der österreichischen Bundesforste zum Trupp gehört. "Je frischer die Fährte, desto besser."

Wagner sagte, seit drei Wochen liefen Experten dem Tier, das mehr als ein Dutzend Schafe sowie Hühner und Hasen gerissen hat, erfolglos hinterher. "Jetzt können wir ihn aktiv verfolgen." Hinweise, wo sich JJ1 aufhält, gebe es derzeit nicht. Das aus Südtirol stammende Tier legte auf seiner Wanderschaft überraschend große Strecken zurück.

Wie groß die Chancen sind, den rund zwei Meter großen und 100 Kilogramm schweren Bären lebend zu fangen, lässt sich laut Wagner schwer sagen. Er verwies zum einen auf das gebirgige Gelände. Außerdem sei noch nie ein Bär bei der Jagd betäubt worden. "In Finnland wird ein Bär nicht narkotisiert, sondern geschossen." Auch in Österreich, wo rund 25 Bären heimisch sind, wurde bisher kein derartiger Fangversuch unternommen. In Deutschland ist Bruno der erste Bär in freier Wildbahn seit mehr als 170 Jahren.

Am Sonntag mussten die extra eingeflogenen finnischen Bärenjäger einen Fangversuch abbrechen, weil ein Jagdpächter in Tirol die Genehmigung für sein Revier verweigert hatte. Am Montag verhängten die österreichischen Behörden eine Zwangszustimmung, wie der Tiroler Landesrat Anton Steixner sagte. Bayern habe bereits alle rechtlichen Voraussetzungen getroffen, sagte der Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn.

Bär Bruno gilt auch für Menschen als gefährlich, weil er nicht die typische Furcht vor Menschen zeigt und sich nah an Höfe heranwagt. Anders als seine Artgenossen kehre er zudem nicht an die Orte zurück, wo er seine Beute reißt, sagte Susanne Gröf vom Artenschutzverband WWF Österreich. "Es ist eine sehr ernste Situation. Das Tier zeigt kein normales Bärenverhalten."

Fangpläne auch für Bärenmutter

Auf rund 15 Meter wollen die mit scharfen Gewehren bewaffneten Bärenjäger an Bruno herankommen. Dazu verfolgen die fünf besonders ausgebildeten Hunde, die zur Rasse der schwedischen und norwegischen Elchhunde zählen, die Fährte, ohne dabei zu bellen. Die Hunde sollen schließlich den Bär aufhalten, indem sie ihn leicht attackieren.

Währenddessen will Tierarzt Christian Walzer seinen Narkosepfeil per Druckluft abfeuern. "Am besten ist es, in den Arsch zu schießen", sagte der Professor der Universität Wien. Bei einem guten Treffer sei das Tier schon nach zwei Minuten "wie betrunken" und nach fünf Minuten betäubt. Dann könne man ihn einsperren. Die Narkose wirke rund zwei Stunden.

Ist der Bär gefangen, soll er ins Wildgehege in Poing bei München gebracht werden, wo ihm drei Hektar Fläche zur Verfügung stünden. Rom will JJ1 zurück nach Italien bringen, die Regionalregierung im Trentin ist davon nicht begeistert. Dort wird überlegt, auch Brunos Mutter Jurka einzufangen, die derzeit drei weitere Junge hat. Von der Mutter lernte auch JJ1, dass in Siedlungsgebieten wesentlich leichter Futter zu finden ist.

Der Einsatz der Hunde ist Gegenstand eines Vertrages zwischen Bayern, Tirol und den finnischen Bärenexperten, wie Umweltminister Werner Schnappauf in München erklärte. Nach seinen Worten sollen zunächst alle Anstrengungen darauf gerichtet werden, den Bären zu betäuben. Ein Abschuss sei nur in einer Notsituation geplant.

Quelle: ap

 
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