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Flucht mit dem Zug
Hunderte Flüchtlinge kommen aus Ungarn in Bayern an

Fotos: Flüchtlinge aus Budapest kommen in München an
Fotos: Flüchtlinge aus Budapest kommen in München an FOTO: dpa, shp fdt
Budapest/München. Am Budapester Ostbahnhof spielen sich dramatischen Szenen ab. Zu Hunderten stürmen Flüchtlinge Züge nach Österreich und Deutschland, die ungarische Polizei zieht sich zurück.

Hunderte Flüchtlinge sind am Montag nach Aussetzung von Polizeikontrollen am Budapester Ostbahnhof nach Österreich und Deutschland weitergereist. Am Abend kam ein erster Zug mit rund 400 Menschen in Bayern an. Womöglich bis zu Tausend Flüchtlinge hätten den Wiener Westbahnhof erreicht, sagte ein Polizeisprecher. Dort angekommen, hätten sich viele Menschen in Züge Richtung Deutschland gedrängt.

In den vergangenen Monaten waren Migranten ohne die nötigen Reisedokumente immer wieder aus den Grenzzügen geholt worden. Doch diesmal griff die Polizei nicht ein. Am Nachmittag bildeten sich vor den Ticketschaltern am Budapester Ostbahnhof lange Schlangen. Die meisten der Wartenden gaben an, aus dem Bürgerkriegsland Syrien zu stammen.

Fotos: Flüchtlinge aus Ungarn kommen am Hauptbahnhof Wien an FOTO: afp, JKL EJ

Zwei der Expresszüge, die die ungarische Hauptstadt verließen, wurden allerdings an der Grenze zu Österreich gestoppt. Als Grund nannte die Bundesbahn "Überfüllung" der Züge. Einige der Insassen seien dann umgestiegen und hätten ihre Reise nach Österreich in Regionalzügen fortgesetzt, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger.

In Rosenheim wurden die ersten 190 Migranten zur Registrierung in eine frühere Kaserne gebracht. Unter ihnen war eine Familie mit fünf kleinen Kindern, die vor drei Monaten aus Afghanistan geflohen war. Andere kamen aus Pakistan, wo sie vor den radikalislamischen Taliban geflüchtet waren.

Fotos: Flüchtlinge am Bahnhof von Budapest FOTO: afp, ak/dg

200 weitere Flüchtlinge reisten von Rosenheim nach München weiter, wo die Polizei in einer Halle am Hauptbahnhof ihre Personalien aufnahm. Wo die Menschen nun hinkommen, war zunächst unklar. In der Regel werden Flüchtlinge zunächst in einer Unterkunft untergebracht, wo sie Asyl beantragen können, etwa in ehemaligen Kasernen, eigens gebauten Containerdörfern und Zelten.

Trotz der offensichtlichen Lockerung der Kontrollen gab sich die ungarische Regierung im Umgang mit Flüchtlingen dennoch hart. "Leute am Ostbahnhof in Budapest, die freie Fahrt fordern, verlangen etwas, das unter der europäischen Gesetzgebung nicht möglich ist," betonte Regierungssprecher Zoltan Kovacs.

Viele der Flüchtlinge kommen aus Krisenländern wie Syrien, Irak oder Afghanistan und gelangen über die Türkei nach Griechenland und von dort aus weiter über Mazedonien und Serbien nach Ungarn. Entlang dieser sogenannten Balkan-Route spielen sich oft dramatische Szenen ab. In den vergangenen Tagen wurden vor den griechischen Inseln rund 2500 Migranten aufgegriffen. Am Montag kam ungefähr die gleiche Zahl mit einer von der Regierung gecharterten Fähre von den Inseln aus im Hafen von Piräus am Festland an. Die meisten zieht es weiter Richtung Mazedonien und Westeuropa.

Flüchtlinge überwinden Stacheldrahtzaun an ungarisch-serbischer Grenze FOTO: afp, ak/agz

Viele der Migranten gelangen mit Hilfe von Schleusern nach Ungarn und von dort weiter in wohlhabendere Staaten wie Österreich oder Deutschland. Auf der Autobahn zwischen Budapest und Wien kontrollierten am Montag österreichische Beamte Lastwagen, nachdem dort vergangenen Donnerstag ein Kühl-Lkw mit 71 toten Migranten entdeckt worden war. Fünf mutmaßliche Schleuser und 200 Migranten seien seit Sonntagabend gefasst worden, sagte ein Polizeisprecher.

Die EU-Staaten sind nach wie vor uneins über den angemessenen Umgang mit der Flüchtlingskrise. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico betonte am Montag, sein Land werde nie in eine EU-weite Quotenregelung zur Aufnahme der Migranten einwilligen. Die meisten Ankömmlinge hätten wirtschaftliche Gründe und sollten wieder zurückgeschickt werden. Fico und die Regierungschefs Tschechiens, Ungarns und Polens, die ebenfalls gegen einen Plan für verpflichtende Quoten stimmten, wollen noch diese Woche in Prag ein Gipfeltreffen abhalten.

(ap)
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