| 17.54 Uhr

Flüchtlingsunterkünfte
In Hamburg müssen Flüchtlinge auch im Winter in Zelten leben

Flüchtlinge müssen in Hamburg auch im Winter in Zelten leben
Die Erstaufnahmeeinrichtung in Hamburg-Bahrenfeld. In Hamburg werden Flüchtlinge auch im Winter in Zelten leben müssen. FOTO: dpa, k
Hamburg. Der Winter naht, und in Hamburg müssen über 3000 Flüchtlinge in Zelten und anderen nicht beheizbaren Unterkünften schlafen. Es gibt erste Proteste der Betroffenen.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) rechnet nicht mehr damit, dass alle Flüchtlinge während des Winters in festen Unterkünften unterkommen. Jeder wisse, dass es wie überall in Deutschland auch in Hamburg Zelte geben werde, sagte Scholz am Mittwoch in der Hamburgischen Bürgerschaft in einer Regierungserklärung. Herbstliche Kälte und fehlende Winterkleidung machen unterdessen den in Zelten campierenden Flüchtlingen in Hamburg zu schaffen.

Scholz hofft, dass sämtliche Zelte zumindest winterfest gemacht werden können. Aber: "Unser oberstes Ziel ist derzeit die Vermeidung von Obdachlosigkeit", sagte er. Seit Jahresbeginn hätten bis Ende September 35 021 Schutzsuchende Hamburg erreicht. Rund 3000 Flüchtlinge müssen derzeit bei nächtlichen Temperaturen um die fünf Grad noch in nicht beheizbaren Unterkünften schlafen.

Top 10: In diesen NRW-Städten sind Flüchtlinge untergebracht

In der zentralen Erstaufnahmestelle Hamburg-Bahrenfeld, die offiziell über 2600 Plätze verfügt, bemühten sich unterdessen Helfer und Behörden, das Los der in Zelten campierenden Flüchtlingen zu verbessern. Seit Dienstag würden zwar verstärkt Heizungen eingebaut, doch das sei "noch nicht genug", sagte ein in Kapuze und Schal gehüllter Mann. Eine andere Bewohnerin der Einrichtung bestätigte, dass alle Zelte bereits über Holzböden verfügen. Dabei dienen zum Teil Paletten als Fundament und Schutz vor dem feuchten Untergrund.

Vor allem die Kälte macht den Flüchtlingen zu schaffen. "Wir, und besonders unsere Kinder frieren", sagte eine junge Frau aus Syrien. Rund 100 Flüchtlinge hatten am Dienstag vor dem Hamburger Rathaus gegen ihre Unterbringung in unbeheizten Zelten protestiert. "Baut die Zelte ab bitte", hieß es auf einem Transparent. Auf einem Pappschild stand nur: "Uns ist kalt".

Olaf Scholz - Hoffnungsträger der SPD FOTO: ddp

Dennoch liefen auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung am Mittwoch mehrere Bewohner in nur leichten Sandalen umher. Es fehle an warmer Kleidung für junge Männer, sagte eine Sprecherin der von Ehrenamtlichen organisierten Kleiderkammer in einer Hamburger Messehalle. Für Frauen und Kinder gebe es genug warme Sachen. Mangelware seien auch Decken, Schlafsäcke, Isomatten und Thermosflaschen.

Nach Angaben der Innenbehörde sind Zelte für etwa 3600 Flüchtlinge aufgestellt worden. Darunter sind beheizbare Zelte der Bundeswehr mit 750 Plätzen. Die übrigen 2850 Plätze befänden sich in nicht winterfesten Zelten. Hinzu kämen rund 300 Schlafstellen in einer Halle der Feuerwehrakademie im Stadtteil Billbrook, die nur eingeschränkt winterfest sei. Diese zusammen 3150 Plätze müssten in beheizbare Festgebäude oder auch "Premiumzelte" der Bundeswehr verlegt werden. "Zelte, die nicht winterfest gemacht werden können, werden schnellstmöglichst durch Holzpavillons oder Container ersetzt", erklärte der Sprecher der Innenbehörde, Frank Reschreiter.

 

Liebe Leserinnen und Leser,
Ihre Meinung zu RP Online ist uns wichtig. Anders als sonst bei uns üblich gibt es allerdings an dieser Stelle keine Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Zu unserer Berichterstattung über die Flüchtlingskrise haben wir zuletzt derart viele beleidigende und zum Teil aggressive Einsendungen bekommen, dass eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich ist. Wir haben die Kommentar-Funktion bei diesen Themen daher vorübergehend abgeschaltet. Selbstverständlich können Sie uns trotzdem Ihre Meinung sagen – per Facebook oder per E-Mail.

(dpa)
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.