Vulkanischer Ascheregen über Europa: Flugverkehr noch viele Tage blockiert
zuletzt aktualisiert: 16.04.2010 - 11:43Düsseldorf (RPO). Der Vulkanausbruch auf Island hat am Freitag den Flugbetrieb in Deutschland weitgehend lahmgelegt. Fast alle Flughäfen sind gesperrt, unter anderem Deutschlands größter Airport Frankfurt. In Nordrhein-Westfalen sind die Flughäfen Düsseldorf, Köln-Bonn sowie Münster-Osnabrück betroffen. Die Störung durch die Vulkanasche-Wolken wird voraussichtlich noch mindestens bis Anfang nächster Woche andauern. Das sagte die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung in Langen bei Frankfurt, Ute Otterbein, am Freitag. Wir berichten laufend aktuell.
Zuletzt wurde der Betrieb am Freitag um 8 Uhr auf Deutschlands größtem Airport in Frankfurt am Main eingestellt. Das sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport am Morgen. Der Flugbetrieb ruhte ebenfalls in Hamburg, Bremen, Hannover und Berlin. Auch die Airports in Ostdeutschland würden vermutlich am Freitag sukzessive geschlossen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung.
Wenn sich die Aschewolke mit der bisherigen Geschwindigkeit von rund 35 Stundenkilometern Richtung Süden bewege, werde sie gegen 20 Uhr in München eintreffen, sagte ein Flughafensprecher. Derzeit starten von München aus nur noch Maschinen mit Zielen Richtung Süden. Verbindungen nach Norddeutschland, Skandinavien, Großbritannien und in die Benelux-Länder seien bereits fast alle gestrichen, sagte der Sprecher.
Passagiere sollten sich vor ihrer Anreise zum Flughafen an ihren Reiseveranstalter oder die Fluggesellschaft wenden und erfragen, ob ihr Flug stattfindet.
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Die Flugsicherung rechnete mit längeren Auswirkungen des für Europa bislang einmaligen Vorfalls. Selbst wenn sich die Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull sofort verflüchtige, werde es dauern, bis sich der Betrieb normalisiere, sagte Sprecherin Ute Otterbein. Allein nach dem Streik der Lufthansa-Piloten habe es vier Tage gedauert, bis sich die Lage normalisiert habe. Nun handele es sich jedoch um ein europaweites Ereignis. Wann die von Nord nach Süd ziehende Aschewolke Deutschland überquert haben wird, steht Otterbein zufolge noch nicht fest. Passagiere sollten sich so früh wie möglich bei ihrer Fluggesellschaft oder ihrem Reiseveranstalter über die Lage erkundigen, empfahl der Sprecher.
Der Flughafen Düsseldorf soll am Freitag bis mindestens 18 Uhr geschlossen bleiben. Ursprünglich hatte die Sperrung für Düsseldorf, Frankfurt und Köln nur bis 14 Uhr andauern sollen. Der europäische Luftverkehr sei durch den Vulkanausbruch in Island jedoch weiterhin erheblich beeinträchtigt, teilte der Flughafen mit. Auch der Berliner Luftraum bleibt am Freitag bis mindestens 20 Uhr gesperrt. Sehen kann man die Aschewolke über NRW übrigens nicht, sie ist in zu größer Höhe.
Notbetten in Düsseldorf
Am Flughafen Düsseldorf strandeten tausende Passagiere. "Es sieht hier aber nicht aus, wie auf dem Campingplatz", sagt Hinkel. Der Düsseldorfer Flughafen hatte provisorisch 70 Betten im Sicherheitsbereich aufgestellt. "Davon sind aber nach meinen Informationen nicht so viele genutzt worden."
Informationen für Passagiere gibt es hier oder bei der Flughafen-Hotline unter der Telefonnummer 0211-4210.
Auch der Luftraum über Polen ist in weiten Teilen gesperrt worden. Ausgenommen seien die Flughäfen in Krakau und Rzeszow, teilte die polnische Luftfahrtbehörde am Freitagmorgen mit. Die Anordnung gelte seit 8 Uhr und bis auf weiteres.
Fluglinien nicht versichert
Die Airlines können sich nach den massiven Flugausfällen keine Hoffnung auf finanzielle Hilfen machen. "Normalerweise sind die Fluglinien nicht gegen Ausfälle versichert", sagte ein Sprecher des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück am Freitag. Dementsprechend müssten die Firmen Belastungen selbst tragen. Ähnlich äußerte sich die Hannover Rück, die Nummer vier der Rückversicherungsbranche: Flugausfälle seien nicht gedeckt, wohl aber Schäden. Um diese zu vermeiden, sei der Flugverkehr heruntergefahren worden, hieß es. "Angesichts dieser Lage sollten die gegenwärtigen Ereignisse nicht zu Belastungen für die Luftfahrt-Versicherer führen."
Betrieb auf den Bahnhöfen
Auch auf den Bahnhöfen herrscht derzeit viel Betrieb, denn zahlreiche Passagiere wollen auf die Bahn ausweichen. In Düsseldorf sollen die Schlangen an den Fahrkartenschaltern am frühen Morgen bereits sehr lang gewesen sein.
Wegen der Aschewolken wird am Freitag nach Einschätzung der europäischen Flugsicherung nur jeder zweite Transatlantikflug stattfinden können. Eine Sprecherin von Eurocontrol in Brüssel, Kyla Evans, sagte: "Wir erwarten, dass wegen der Aschewolke 50 Prozent der Transatlantikflüge abgesagt werden". Die Lage im europäischen Luftverkehr selbst werde "nicht besser sein als am Donnerstag."
Lange Warteschlangen
In Deutschland wurden schon am Donnerstag mehr als 350 Flüge abgesagt. Der Frankfurter Flughafen berichtete, zahlreiche Flüge vor allem nach London seien zudem umgeleitet worden und in Frankfurt gelandet. Da die größten Flughäfen im Norden und Westen betroffen sind, gibt es für Passagiere kaum Ausweichmöglichkeiten. An den Airports kam es bereits in der Nacht zu langen Warteschlangen. Am Freitagvormittag wird regelrechtes Chaos erwartet.
Die gewaltige Aschewolke aus dem Vulkan Eyjafjallajökull hat den Luftverkehr im gesamten nördlichen Europa ausgebremst wie kein Ereignis seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Der Luftraum Großbritanniens, Irlands, Belgiens, Dänemarks, Schwedens und Norwegens wurde gesperrt. Der größte europäische Flughafen London-Heathrow machte komplett dicht, ebenso Airports in Frankreich sowie in Brüssel und Kopenhagen. Zehntausende Passagiere saßen fest.
Asche kann zu Farbspielen führen
Die von Island über die Nordsee ziehende Aschewolke werde keine "signifikanten Auswirkungen" auf das Wetter in Berlin und Brandenburg haben, sagte der Meteorologe Jörg Riemann vom privaten Wetterdienst MeteoGroup Deutschland. Im Extremfall müsse mit einer dünnen Staubschicht auf Straßen und Plätzen gerechnet werden. Die Asche könne auch zu "Farbspielen in der Sonne" führen. Am Freitag dreht nach Angaben Riemanns der Wind von Nordost auf Nordwest, sodass die Aschewolke direkt nach Deutschland getrieben wird.
Keine Gefahr für Menschen - Staubschicht erwartet
Eine Gefahr für die Menschen in Deutschland besteht dabei wohl nicht. Wie Rainer Wolf, stellvertretender Leiter des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen unserer Redaktion sagte, werden es nur sehr feine Partikel sein, die über Deutschland ankommen. Und diese seien für den Menschen ungefährlich. "Bis diese auf die Erde kommen, haben sie nicht mehr eine große Dichte", erklärt er.
Wolf geht davon aus, dass man bei uns die Aschewolke überhaupt nicht sehen kann. "Ich stelle mir das vor, wie wenn Sand aus der Sahara zu uns rüber weht", sagte er. Dann liege oft eine feine Staubschicht etwa auf Autos, ohne dass man von dem Wind selbst etwas mitbekommen habe.
Nach dem Ausbruch eines Vulkans unter dem isländischen Gletscher Eyjafjalla am Mittwochmorgen war eine gewaltige Aschewolke über Europa hinweggezogen. Experten zufolge kann die Vulkanasche, die sich in einer Höhe von sechs Kilometern befindet, die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen und zudem die Sicht der Piloten beeinträchtigen.
Hunderte Einwohner in Sicherheit gebracht
Wegen der Gefahr einer neuen Flutwelle im Gebiet des Vulkans Eyjafjallajökull wird das Gebiet evakuiert. Das teilten Mitarbeiter des isländischen Katastrophenschutzes am Abend in Reykjavik mit. Am Fuße des Vulkans würden 700 Menschen in Sicherheit gebracht.
Der Vulkan auf Island spuckt nach Angaben von Experten noch mehr Asche aus. Es gebe kein Anzeichen, dass sich die Aktivität unter dem Gletscher Eyjafjallajökull abschwäche, sagte der Vulkanforscher Armann Hoskuldsson von der Universität von Island der Nachrichtenagentur Reuters. "Es wird noch stärker, aber Lava wird es nicht geben - es ist eine rein explosive Eruption", erklärte der Wissenschaftler. Die Aschewolke selbst zieht vorraussichtlich südöstlich über Europa hinweg.
Auf Island selbst war der Luftverkehr nicht beeinträchtigt. Der Wind habe die Aschewolke vollständig weggetrieben, sagte Hjordis Gudmundsdottir von der isländischen Luftfahrtbehörde. Der Ausbruch vom Mittwoch war bereits der zweite schwere Vulkanausbruch auf Island innerhalb eines Monats.
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