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Folter in Schlüchtern
Mann schneidet 18-Jährigem Ohren, Nase und Augenlider ab

Schlüchtern. Ein 19 Jahre alter Mann soll einem 18-Jährigen in Osthessen grausam das Gesicht verstümmelt haben. Der mutmaßliche Täter habe seinem Opfer bei der Auseinandersetzung Ohren, Nasenflügel und Augenlider abgetrennt.

Zudem soll er ihm mit einem spitzen Gegenstand in beide Augenäpfel und den Hals gestochen haben, sagte der Hanauer Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze am Mittwoch und bestätigte Medienberichte. Das Nachrichtenportal "Osthessen News" hatte zuerst darüber berichtet.

Die Tat ereignete sich bereits am Freitagabend. Eine Anwohnerin hatte laute Schreie aus der Wohnung des Täters gehört und die Polizei gerufen. Beamte traten die Tür ein und ergriffen den 19-Jährigen. Der saß den Angaben zufolge blutverschmiert auf dem 18-Jährigen. Am Tatort sei ein Messer gefunden worden, sagte Heinze. Ob die Körperteile abgeschnitten oder teilweise auch abgebissen worden seien, sei unklar. Das Opfer wurde in eine Spezialklinik gebracht. Es schwebt nicht mehr in Lebensgefahr, ist aber nicht vernehmungsfähig.

Der mutmaßliche Täter äußerte sich zu der Bluttat bislang nicht, wie Heinze sagte. Der 19-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft. Es wurde Haftbefehl erlassen wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung. Auch ein Mordversuch könne nicht ausgeschlossen werden, sagte der Oberstaatsanwalt. "Diese Form der Gewalt haben die Ermittlungsbehörden hier noch nicht erlebt. Das Opfer wurde grausam verstümmelt." Das Opfer müsse mit bleibenden Schäden rechnen. Ob es dauerhaft erblindet, sei unklar.

Motiv noch unklar

Inwieweit sich Opfer und der Tatverdächtige kannten, ist Heinze zufolge genauso unklar wie das Motiv. Beide hätten Wohnungen in der gleichen Straße. Die Polizei hatte bereits am Montag über den Fall berichtet. Da war nur von einer "tätlichen Auseinandersetzung" die Rede gewesen, bei der ein Mann "schwere Gesichtsverletzungen" erlitten habe.

Zu diesem Zeitpunkt hätten die Ermittlungen noch am Anfang gestanden, deswegen habe man sich mit Details zurückgehalten, erklärte Heinze.

Hinweise auf eine rituelle Handlung seien nicht bekannt, aber nicht auszuschließen, sagte Heinze "hessenschau.de". Unklar sei auch, inwieweit sich das Opfer gewehrt habe und ob der mutmaßliche Täter den 18-Jährigen möglichst lange quälen wollte. "Mit einem gezielten Stich hätte der mutmaßliche Täter schließlich die Sache schneller beenden können", sagte Heinze.

(felt/dpa)