Heute kommt neue Pisa-Studie: Fortschritt bei Mathe, Stillstand beim Lesen
VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 07.12.2010 - 07:15Düsseldorf (RP). Am Dienstag werden die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie vorgestellt. Nach Informationen unserer Redaktion ist das Ergebnis zweigeteilt. In Naturwissenschaften und Mathematik haben sich die 15-Jährigen im internationalen Vergleich verbessert, während es bei der Lesekompetenz kaum Fortschritt gibt. Experten fordern indes eine bessere Auswahl von Lehrern.
Verbesserungen in Naturwissenschaftenm, kaum Bewegung in der Lesekompetenz. "Das ist für Experten keine Überraschung", sagte der Chef des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Beim Lesen spiele nicht nur Unterricht eine Rolle, sondern auch das Elternhaus und "wie viel die Kinder außerhalb der Schule lesen".
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte ein neues Leseprogramm für Eltern kleiner Kinder an. Bereits im Alter von einem Jahr sollen Mütter und Väter bei der Untersuchung beim Kinderarzt ein Set zum Vorlesen erhalten. Ein zweites Set sollen sich die Eltern Dreijähriger in der Bibliothek abholen können. Das dritte und letzte Lesestart-Set bekommen die Kinder zum Schulstart. Es soll zum Selber-Lesen motivieren.
"Die besten Köpfe für die Schule"
Auch die Auswahl der Lehrer in Deutschland muss nach Ansicht des Chefs der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, verbessert werden. "Man muss versuchen, die besten Köpfe für die Schulen zu gewinnen. Länder wie Finnland machen das recht erfolgreich vor", sagte der OECD-Bildungs- und Statistikexperte der "Frankfurter Rundschau" laut Vorabbericht.
Schleicher kritisierte, in Deutschland folge der Lehrerberuf oft noch dem Modell des Industriearbeiters. "Irgendjemand entwirft einen Lehrplan und der Pädagoge sitzt in seiner Klasse und soll das dann umsetzen", sagte Schleicher. Er soll die Ergebnisse der internationalen Pisa-Studie am Dienstag in Washington vorstellen.
Soziale Herkunft bleibt wichtig
Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" belegt die Studie zudem, dass der Bildungserfolg in Deutschland immer noch sehr stark von der sozialen Herkunft abhängt. In kaum einem anderen Land der Welt sei die Leistung der Schüler so eng an das Bildungsniveau der Eltern gekoppelt.
Die Pisa-Studien werden seit zehn Jahren von der internationalen Wirtschaftsorganisation OECD erhoben. Nach der ersten Studie 2000 war in Deutschland vom "Pisa-Schock" die Rede. Kein Bildungsexperte hatte damit gerechnet, dass die Leistungsfähigkeit des deutschen Schulsystems nur im unteren Mittelfeld liegt. "Zehn Jahre Pisa haben die Chancen der Kinder und Jugendlichen zur guten Bildung deutlich verbessert", sagte Schavan.
15-Jährige auf Grundschulniveau
Deutschland hat seit der ersten Pisa-Erhebung vor allem die frühkindliche Bildung mit Sprachtests für Vierjährige verbessert und den naturwissenschaftlichen Unterricht verstärkt. Aus Sicht Meidingers löst das aber noch nicht die Probleme: "Pisa hat vor allem auf die verunsicherte Mittelschicht durchgeschlagen, die ihre Kinder nun noch mehr fördert und motiviert."
Hauptproblem seien aber die 20 Prozent Kinder bildungsferner Elternhäuser, die beim Leseverständnis mit 15 Jahren nicht über Grundschulniveau hinauskämen.
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