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Gewitterstürme über Deutschland
Windhose wütet in Framersheim - "Wie nach Bombenangriff"

Fotos: Tornado deckt in Framersheim Hausdächer ab
Fotos: Tornado deckt in Framersheim Hausdächer ab FOTO: dpa, brx fdt
Düsseldorf. Zerstörte Häuser, faustgroße Hagelkörner und vollgelaufene Keller: Schon wieder wüten in vielen Regionen Deutschlands Unwetter. In einem kleinen Ort in Rheinhessen entsteht ein Millionenschaden.

Erneut haben Unwetter in vielen Regionen Deutschlands schwere Schäden angerichtet. Im rheinhessischen Framersheim wütete am Dienstagabend ein Gewittersturm und hinterließ einen Millionenschaden. Bis zu hundert Häuser wurden womöglich von einem Tornado beschädigt. "Es sah aus wie nach einem Bombenangriff", schilderte eine Anwohnerin am Mittwoch. Bei ersten Aufräumarbeiten wurden einige Menschen leicht verletzt.

Im niedersächsischen Ferienort Bad Sachsa im Südharz wirbelte ein Sturm auf einer 500 Meter breiten Schneise. "Das war unglaublich, welche Kräfte da gewirkt haben", sagte Augenzeuge Detlef Schulz, der auf einem Spaziergang von der Unwetterfront überrascht wurde. Neben ihm stürzten Bäume um, Dachteile wirbelten durch die Luft. Menschen wurden nicht verletzt. Die Feuerwehr schätzt den Sachschaden auf mehrere Hunderttausend Euro.

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hatten schwere Gewitter in Deutschland die Hitze abrupt beendet. In vielen Teilen Bayerns fiel in der Nacht zum Mittwoch zeitweise der Strom aus - mindestens 60 000 Haushalte waren betroffen. In Niederbayern zählte die Polizei zwischen 22 Uhr und 5 Uhr 120 Notrufe, 68 Mal rückten Helfer aus. In Oberfranken prallte ein Auto gegen einen umgestürzten Baum. Ein Insasse wurde schwer, die anderen drei leicht verletzt.

Fotos: Die "Blaue Lagune" in Wachtendonk aus der Luft FOTO: Arnulf Stoffel

Stromausfälle meldete die Polizei auch aus dem brandenburgischen Luckenwalde und dem baden-württembergischen Weinheim. In Hessisch-Lichtenau richtete ein Blitzeinschlag der Polizei zufolge in einem Wohnhaus 150 000 Euro Schaden an. Ebenso hoch war der Schaden im niedersächsischen Harsum, wo ein Feuer den Dachstuhl eines Hauses zerstörte. Verletzt wurde niemand: Die Familie war im Urlaub.

Wie durch ein Wunder blieben auch die Anwohner im rheinhessischen Framersheim bei dem schweren Sturm unverletzt. "Da hat Glück mitgespielt", sagte Ortsbürgermeister Ulrich Armbrüster. Offenbar seien die Menschen zur fraglichen Zeit alle im Haus gewesen. Der Sturm zog Augenzeugen zufolge sehr schnell auf. "Da waren wir plötzlich eingehüllt wie in einer Nebelwand", berichtete Armbrüster.

Der Schaden wurde am Mittwochmorgen auf rund fünf Millionen Euro beziffert. Die Spanne reiche von einzelnen weggeflogenen Dachziegeln über abgerissene Dächer bis hin zu teilweise oder komplett eingestürzten Gebäuden. Sechs Menschen können nach Angaben der Gemeinde derzeit nicht in ihre Häuser zurück.

Fotos: Hitze lässt Straßenbahnen im Asphalt versinken FOTO: ANC-News

Die rheinland-pfälzische Landesregierung sicherte ihre Unterstützung zu. "Wir sind erleichtert, dass bei dem Unwetter niemand schwer verletzt wurde", teilten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) mit. "Allerdings: Die Bilder der Zerstörung sind erschreckend."

Ob ein Tornado oder eine extreme Fallböe in dem 1600-Einwohner-Ort gewütet hat, stand am Tag danach nicht fest. "Es kann beides gewesen sein", sagte Andreas Friedrich, der Tornadoexperte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.
Vorerst werde der Sturm in Framersheim als Verdachtsfall geführt, wie drei andere am Dienstagabend in Sachsen-Anhalt.

In dem ostdeutschen Bundesland richtete die Unwetter ebenfalls schwere Schäden an. Drei Hochspannungsmasten brachte der Sturm im Seegebiet Mansfelder Land zu Fall - 1800 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. In Halle wurde die Feuerwehr zu rund 180 Einsätzen gerufen. Unzählige Bäume wurden entwurzelt. Dächer wurden teilweise oder komplett abgedeckt.

In Kelbra kippte ein Wohnwagen um, dabei wurden ein Mensch schwer und ein weiterer leicht verletzt. Faustgroße Hagelkörner zerstörten den Angaben zufolge Dächer, Straßen wurden überflutet. Rund 400 Feuerwehrmänner waren im betroffenen Landkreis im Einsatz.

Düsseldorf: Straße durch Hitze aufgeweicht FOTO: Gerhard Berger

Auch im benachbarten Tschechien und in Polen wüteten Unwetter. Ein Mann kam im Südwesten Polens ums Leben, als ein Baum auf sein Auto stürzte, teilte der Rettungsdienst am Mittwoch mit. Die Feuerwehr musste in der Region fast 500 Mal ausrücken, um umgestürzte Bäume zu entfernen und vollgelaufene Keller auszupumpen.

Die Unwetter bringen Abkühlung für Deutschland: Dem DWD zufolge soll es einen Temperatursturz um teils mehr als zehn Grad geben. Am Mittwoch steige das Thermometer nur noch auf durchschnittlich 20 Grad, vereinzelt seien bis zu 25 Grad drin.

(dpa)
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