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Vorfall bei Freiburg löst Debatte aus
Von Zweitklässler verletzte Lehrerin für Kretschmann Einzelfall

Freiburg: Von Zweitklässler verletzte Lehrerin ein Einzelfall
Für Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) war es ein Einzelfall (Archivbild). FOTO: dpa, kno vfd
Teningen. In einer Grundschule in Teningen bei Freiburg hat ein Siebenjähriger eine Lehrerin unabsichtlich mit einem Messer verletzt. Der Fall löst eine Debatte über Gewalt an Schulen aus - und verunsichert Lehrer, Eltern und Schüler.

Baden-Württemberg Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) kritisierte die zuständige Schulaufsicht. Die Behörde hätte nach bisherigem Erkenntnisstand schneller auf Hinweise zum Verhalten des Schülers reagieren müssen. Außerdem sei "eine engere und aufmerksamere Begleitung des Vorganges durch die örtliche Schulaufsicht angebracht gewesen".

Das Kultusministerium habe sich inzwischen in den Vorgang eingeschaltet. Der Siebenjährige, der die Lehrerin laut Polizei bei einem Gerangel mit einem Messer verletzte, soll möglichst bald auf eine andere Schule gehen.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine sorgfältige Aufarbeitung des Falls. Schüler, Lehrer und Eltern der betroffenen Grundschule in Teningen bei Freiburg bräuchten nun Hilfe und müssten unterstützt werden, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe Unruhe und Unsicherheit.

Experten von schulpsychologischen Beratungsstellen sollten daher das Gespräch mit den Betroffenen suchen. Dabei gehe es auch um die generelle Frage, wie ähnliche Fälle in Zukunft verhindert werden können.

Keine gezielte Attacke des Schülers

Der Vorfall hatte sich am 6. März ereignet. Nach Polizeiangaben wurde die Lehrerin verletzt, weil der Schüler der zweiten Klasse während einer Auseinandersetzung mit einem Messer hantierte. Sie musste ärztlich behandelt werden. Den Angaben zufolge handelte es sich nicht um eine gezielte Attacke des Schülers. Das kleine Messer habe zur Schule gehört, der Junge habe es nicht mitgebracht.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte in Stuttgart: "Wir müssen nicht wegen jedem Einzelfall glauben, wir müssten die Welt ändern. Das ist nicht der Fall." Er selbst habe früher als Lehrer keine Fälle von Gewalt gegen Lehrer erlebt.

Auch die GEW-Vorsitzende warnte vor einer Zuspitzung der Debatte. Eine spürbar zunehmende Gewalt an Schulen im Südwesten gebe es nicht, jedoch wachse das Konfliktpotenzial. Jeder Einzelfall müsse aufgeklärt werden. "Die Betroffenen dürfen in einer solchen Situation nicht alleine gelassen werden", sagte Moritz.

Vorschnelle Antworten oder Vorverurteilungen dürfe es nicht geben. Wichtig seien Schulsozialarbeit und Schulpsychologen, um Streitigkeiten entschärfen zu können. Hier bestehe Handlungsbedarf. Bei der personellen Ausstattung von Schulsozialarbeit und Schulpsychologen nehme Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich einen der hinteren Plätze ein.

Warnung vor dem Kind

"Wir spüren nach diesem Vorfall, aber auch nach der Berichterstattung darüber in den Medien, dass Eltern und Schüler verunsichert sind", sagte Teningens Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker (CDU). In der Schule und mit Eltern sei der Fall umfassend besprochen worden, diese Aufarbeitung gehe weiter. Ziel sei es, zu einem geordneten Schulalltag zurückzukehren. Mit dem Jungen und dessen Eltern stehe das Jugendamt in Kontakt, bestätigte eine Sprecherin der Behörde.

Der Siebenjährige soll nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung schon mehrfach gewalttätig gewesen sein. Die Lehrerin und ihre Kollegen hätten die Behörden immer wieder vor dem Zweitklässler gewarnt. Das Kultusministerium hatte Aufklärung angekündigt und von den Schulbehörden einen Bericht angefordert.

(gaa/dpa)
 
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