Verliebt, verlobt, zerstritten: Freunde können Rosenkrieg nicht schlichten
zuletzt aktualisiert: 03.12.2004 - 10:11München (rpo). Verliebt, verlobt, zerstritten. Der Rosenkrieg nach einer Trennung lässt nicht nur die ehemals sich Liebenden verzweifeln. Auch Freunde des Ex-Paares leiden und können meist gar nicht helfen. Oft hilft nur der Rat von Therapeuten.
Wenn eine Beziehung zu Ende geht, müssen zwei miteinander verschachtelte Leben wieder getrennt werden. Es gilt zu entscheiden, wem dieses oder jenes Buch gehört, wer sich eine neue Wohnung sucht und was mit gemeinsamen Anschaffungen geschehen soll. Auch für den Freundeskreis ist es nicht leicht, wenn sich ein Paar trennt. "Es ist schwierig neutral zu bleiben, wenn man beide seit Jahren kennt", sagt die Münchner Psychologin und Paartherapeutin Gina Kästele.
Den Versuch zu schlichten und das Paar wieder zusammenzubringen oder zumindest zu einer einvernehmlichen Trennung zu bewegen, sollten sich Freunde jedoch lieber sparen. "Das ist eine sehr undankbare Aufgabe, die nicht in die Hände von Freunden, sondern von professionellen Therapeuten oder Mediatoren gehört", warnt die Expertin. Denn ein langjähriger Freund ist letztlich zu sehr mit der Geschichte des Paares verknüpft. "Wer sich in den Konflikt einmischt, sieht sich schnell der Gefahr gegenüber, dass beide versuchen, ihn als Verbündeten zu gewinnen", sagt Kästele. Am Ende könnte die Freundschaft zu beiden in die Brüche gehen.
Wen laden wir ein?
Im konkreten Fall ist es natürlich nicht leicht, keine Stellung zu beziehen. Wenn zum Beispiel eine Party gefeiert wird, stellt sich für Freunde des getrennten Paares die Frage: Wen laden wir ein? Lädt man einfach beide ein und überlässt es ihnen, ob sie kommen? Warnt man den ehemaligen Partner, wenn vom anderen eine Zusage kommt? Oder entscheidet man sich und lädt letztlich nur einen ein? "Wenn der Verlassene die Kränkung noch nicht verkraftet hat, ist er in der schwächeren Position", weiß Kästele. Hier bedeutet eine Party-Zusage des ehemaligen Partners meist, dass es kaum möglich ist, einen angenehmen Abend zu verbringen. Wer stets beide einlädt, nimmt also in Kauf, dass möglicherweise immer nur einer der beiden ehemaligen Partner kommt - der Stärkere.
Kommen beide, besteht in manchen Fällen die Gefahr, dass die Party zum Schlachtfeld wird. "Es ist für Freunde ratsam, die Karten auf den Tisch zu legen und dem getrennten Paar zu sagen, dass man gerne beide einladen würde, doch das dies weder für sie noch für die Party gut ist", empfiehlt daher die Paartherapeutin. Es sollte deutlich werden, dass dennoch nicht gewünscht ist, die Freundschaft zu einem der beiden abzubrechen. Hat das ehemalige Paar den Punkt erreicht, an dem sich jeder individuell neu orientiert hat, kann es auch wieder gelingen mit beiden einen schönen Abend zu verbringen - dies sollten Freunde im Vorfeld vorsichtig ausloten.
Missbraucht als Kummerkasten
Trennt sich in Paar mit gemeinsamen Freunden, werden diese oft im Anschluss an die Beziehung als Kummerkasten missbraucht. "Soweit das zumutbar ist, sollten Freunde sich die Geschichte auch ruhig anhören", sagt Kästele. Auch wenn sie gefragt werden, was denn der ehemalige Partner jetzt so macht, muss nach Meinung der Expertin nicht sofort aus Loyalität abgeblockt werden. "Es ist ein normales menschliches Bedürfnis Freunde zu fragen, wie es dem oder der Ex geht", sagt Kästele. Es ist dann die Sache der Freunde zu entscheiden, wie viel sie preisgeben und was sie vielleicht lieber verschweigen.
Die Erfahrung der Expertin besagt allerdings, dass nicht jede Freundschaft eine Trennung übersteht: "Letztlich bedeutet Trennung immer Beziehungsabbruch in alle Richtungen". Es ist sowohl für die Ex-Partner als auch die Freunde wichtig, das zu tun, was ihnen gut tut. "Manchmal ist die Trennung so schmerzhaft, dass man sich nur mit neuen Leuten umgeben möchte, die nicht an die alte Geschichte erinnern", weiß die Psychologin. Auch das gilt es als Freundeskreis zu akzeptieren.
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