| 16.33 Uhr

Nach den G20-Krawallen
"Hamburg räumt auf" - Tausende kommen mit Besen und Eimer

G20-Krawalle: Tausende bei "Hamburg räumt auf"
G20-Krawalle: Tausende bei "Hamburg räumt auf" FOTO: dpa, cgt axs
Hamburg. Am Sonntag haben in Hamburg die Aufräumarbeiten begonnen. Mehr als tausend Menschen zogen gemeinsam mit Mitarbeitern der Stadtreinigung durch das Schanzenviertel, um Müll, Steine und Scherben aufzusammeln. Eine Hamburgerin hatte über Facebook die Helfer mobilisiert.

Der Geruch der Hamburger Chaostage liegt am Sonntagmorgen noch immer in der Luft. In einem ausgeplünderten Supermarkt ist wieder ein Glutnest entflammt, verbrannte Barrikaden kokeln vor sich hin, überall liegen kaputte Flaschen. Auf dem Weg zum Bäcker umkurven Anwohner auf ihren Rädern die Scherben. Andere sehen in der Straße Schulterblatt mit einem Kaffee in der Hand zu, wie die Stadtreinigung die Spuren der Zerstörung wegkehrt.

Doch die schwersten Ausschreitungen in der Hansestadt seit Jahrzehnten haben mehr als nur zerstörte Straßenzüge hinterlassen. Zurück bleibt vor allem Wut. Und Fassungslosigkeit. "Das war Bürgerkrieg. Die Leute wurden im Stich gelassen", sagt Anwohner Jörg Müller (43), der mit seinem Sohn David im Schulterblatt gerade Brötchen gekauft hat. Und keiner übernehme dafür die Verantwortung. "Den Gipfel zu schützen, ist ein Ziel gewesen. Aber Anwohnern die bürgerkriegsähnlichen Zustände zu überlassen, geht gar nicht."

"Das bleibt in den Köpfen"

Wie er denken viele nach den Gewaltexzessen, die sich über Tage vor ihrer Haustür abspielten. Die über allem thronende Frage: Wie konnte das passieren, wenn man weiß, dass es passiert? "Man hätte denken können, dass die Ausschreitungen so heftig werden", sagt Anwohner Konstantin (27), seinen kleinen Sohn Noah im Arm haltend. Vor ihrem Haus hätten die Chaoten Barrikaden errichtet: "Da kriegt man schon Angst." Und er habe sich gefragt: "Gibt es noch Tote? Werden Häuser angezündet?" Diese Eindrücke müssten die Leute erst einmal verarbeiten, ist Konstantin sicher: "Das bleibt in den Köpfen."

Bundespräsident Frank Walter Steinmeiner lobt unterdessen die Initiative "Hamburg räumt auf", bei der Tausende Bürger am Nachmittag mit Putzeimern und Besen das Schanzenviertel reinigen. "Wir zeigen Solidarität mit unseren Nachbarn", sagt Thorben Harms aus dem Stadtteil Barmbek.

Klar ist: Die politischen Aufraumarbeiten werden länger dauern als jene in den Straßen und Geschäften. Und die Hamburger sind sich weitgehend einig: Den Gipfel in ihre Stadt zu holen, war ein Fehler. "So denkt die ganze Bevölkerung", sagt Schanzen-Anwohner Horst (73).

(felt/dpa)
 
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