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Kutschfahrt beim G7-Gipfel
Joachim Sauers "Damenprogramm" in Elmau

"Damenprogramm" mit Joachim Sauer beim G7-Gipfel in Elmau
"Damenprogramm" mit Joachim Sauer beim G7-Gipfel in Elmau FOTO: ap
Elmau. Normalerweise zeichnet sich das sogenannte "Damenprogramm" bei Staatsbesuchen und politischen Gipfeln aller Art meist durch Kunst und Kultur aus. Wenn der Gastgeber aber ein renommierter Chemiker ist, müssen die Politikergattinnen umdenken.

Vor acht Jahren, am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm, mussten die Damen und Herr Sauer noch zur mecklenburgischen Burg Schlitz wandern - im Jahr 2015 wohnt man in einem bayerischen Schloss und nimmt die Kutsche. Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer (66) hat am Rande des G7-Gipfels im Schloss Elmau die Ehefrauen der Staats- und Regierungschefs zu einer sommerlichen Kutschfahrt durch wunderschöne Landschaften eingeladen - zumindest die, die da waren.

Die wohl berühmteste Politiker-Gattin unserer Zeit, Michelle Obama, war nämlich nicht mit ihrem Mann Barack nach Bayern gereist und fehlte folglich beim "Damenprogramm", das - womöglich auch dank Herrn Sauer - inzwischen "Partnerprogramm" genannt wird.

Und so ist es eine kleine, illustre Gruppe, die sich am Sonntag kutschieren lässt: Akie Abe, Ehefrau des japanischen Premiers, Laureen Harper, Gattin des kanadischen Premierministers, Malgorzata Tusk, Frau von EU-Ratspräsident Donald Tusk, und Regine Pecorini-Kotsch, die Ehefrau des stellvertretenden Büroleiters von Merkel, begleiteten Sauer. Das Dach über der mit Blumen geschmückten Kutsche spendet etwas Schatten an diesem hochsommerlichen Tag, Sauer hat sein Jackett abgelegt.

Beim Heiligendamm-Gipfel im Jahr 2007 ging es noch in die Mecklenburgische Schweiz. Damals hieß der Gipfel auch noch G8 und sowohl Laura Bush als auch vor allem Ljudmila Putina waren dabei. Lang ist's her. Damals schon wollte Sauer aber das sonst übliche "Damenprogramm", das sich oft auf Kunst, Kultur und Touristisches beschränkt, um eine anspruchsvolle Note erweitern - in dem Fall um einen wissenschaftlichen Vortrag des Direktors des Rostocker Max-Planck-Instituts, James W. Vaupel, über die Bevölkerungsentwicklung in den G8-Staaten.

Ein Vortrag über Nanotechnologie

Einen anspruchsvollen Beitrag gibt es auch in diesem Jahr: Der Biophysiker und Direktor des Deutschen Museums in München, Wolfgang Heckl, soll - auf ausdrücklichen Wunsch der Kanzlerin, wie er sagt - am Montagmorgen über "Nanotechnologie als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts" sprechen.

"Es geht um die Grundlagen und die Anwendungen der Nanotechnologie", sagt Heckl am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Um den Lotus-Effekt soll es unter anderem gehen - konkret um nano-beschichtete Krawatten, die Schmutzwasser abweisen. Außerdem will Heckl über silberbeschichtete Pflaster sprechen, die die Wundheilung fördern und über Türklinken, die multiresistente Keime eindämmen können.

Rund eine Stunde hat er dafür Zeit - dann ist nach Angaben Heckls der Kanzlerin-Gatte persönlich an der Reihe: "Herr Sauer wird auch über seine Arbeit berichten", sagt Heckl. Denn: "Was meine Studenten experimentell machen, das macht Herr Sauer theoretisch." Professor Sauer ist Nano-Chemiker.

Seinen Vortrag hält Heckl auf Englisch, die japanische Premier-Gattin bekommt ihn übersetzt. "Ich weiß nicht, wie der naturwissenschaftlich-technische Hintergrund der Damen ist, aber der Vortrag richtet sich an Laien." Dass Frau Obama nicht dabei ist, scheint ihn nicht sehr traurig zu machen. "Mir ist ja jeder recht - ab drei Studenten wird die Vorlesung gehalten."

(dpa)
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