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Ludwigshafen: Gab es rechtsradikale Drohungen?

zuletzt aktualisiert: 06.02.2008 - 09:06

Istanbul (RPO). Vor dem verheerenden Wohnhausbrand in Ludwigshafen hat es nach Angaben türkischer Medien offenbar rechtsradikale Drohungen gegen die Bewohner gegeben. Junge deutsche Rechtsradikale haben nach Angaben der Zeitung "Zaman" die Familie Kaplan gleich nach ihrem Einzug bedroht.

Das meldete das Blatt am Mittwoch unter Berufung auf Angehörige der Opfer im südosttürkischen Gaziantep. Die Drohungen seien eingegangen, nachdem im Erdgeschoss des Hauses ein türkisches Kaffeehaus eingerichtet worden sei, sagte demnach Ismail Ceylan, ein Verwandter der Familie. Die Kaplans hätten die Drohungen aber nicht ernst genommen.

Mehrere türkische Zeitungen berichteten zudem, dass in der Nähe des Brandortes in Ludwigshafen ein türkenfeindlicher Spruch an eine Wand gesprüht worden sei. Besonders nach dem Bekanntwerden von Zeugenaussagen, wonach das Feuer von einem Deutsch sprechenden Mann gelegt worden sein soll, hat sich in der türkischen Öffentlichkeit der Verdacht verstärkt, dass der Tod von neun Menschen bei der Katastrophe die Folge eines Anschlags war.

"Nazi-Verdacht", titelte die Zeitung "Sabah" am Mittwoch. Die Zeitung "Yeni Safak" meldete, in Ludwigshafen gehe eine "Nazi-Kommission" der Polizei dem Verdacht der Brandstiftung nach. Auch ein bisher ungeklärter Brand in einem vorwiegend von Türken bewohnten Haus in Herne wurde von türkischen Medien als mutmaßlicher Anschlag gewertet.

Am Dienstagabend war der für Auslandstürken zuständige Staatsminister Murat Yazicioglu zusammen mit Experten der türkischen Polizei in Deutschland eingetroffen. Sie sollen die Ermittlungen der deutschen Behörden begleiten.

Mit Stolz meldeten türkische Medien am Mittwoch, der Retter des achtmonatigen Jungen, der von verzweifelten Verwandten aus dem Fenster des brennenden Hauses geworfen worden war, sei ein deutscher Polizist türkischer Herkunft gewesen.

Unterdessen wollen die Ermittler am heutigen Mittwoch mit der Suche nach der Ursache des verheerenden Feuers beginnen. "Die Ermittler sind mit Brandspürhunden vor Ort und warten auf die Erlaubnis, in das Haus zu gehen", sagte Polizeisprecherin Simone Eisenbarth. In den Einsatz der Hunde setze die Polizei große Hoffnungen: Diese seien darauf dressiert, Brandbeschleuniger ausfindig zu machen.

Die Ermittler gehen nach der Aussage zweier Mädchen auch Hinweisen auf Brandstiftung nach. Die türkischen Kinder wollen einen Fremden beim Zündeln im Treppenhaus gesehen haben. Zugleich wird bereits über politische Motive spekuliert, weil im Sommer 2006 zwei Brandsätze in das Gebäude geworfen worden waren.

Quelle: afp

 
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